Neuer, einladenderer Busbahnhof, im Hintergrund die neue Glemsbrücke: Die Planer hatten völlig freie Hand bei der Planung des Lenoberger Bahnhofs. Foto: Project GmbH Esslingen

Die Stadt Leonberg hat eine Studie in Auftrag gegeben um zu sehen, was in Sachen Neugestaltung des Bahnhofs und seines Umfelds alles möglich wäre – Verbesserungspotenziale für Fuß- und Radwege sowie Grünflächen inklusive.

Der Leonberger Bahnhof ist nicht nur in Sachen Optik längst kein Juwel mehr. Städtebaulich, gestalterisch, funktional, es gibt in vielen Bereichen deutlich Luft nach oben. Was dort im näheren und weiteren Umfeld alles möglich sein könnte – gesetzt den Fall, es gäbe das Geld dafür –, hat die Stadtverwaltung jüngst von der Project GmbH analysieren lassen. Die Planungsgesellschaft aus Esslingen durfte dabei frei drauflos prüfen, bewerten und untersuchen. Das Ergebnis, präsentiert im Planungsausschuss des Gemeinderats, ist in vielen Teilen eine Utopie.

 

Analyse der Missstände: Potenziale rund um den Bahnhof

In den Fokus nahmen die Fachleute den Bahnhof selbst, aber auch Wegeverbindungen, den Verlauf der Glems sowie angrenzende Areale wie die Schweizermühle, die Römerstraße und das Wohngebiet in Richtung Rutesheimer Straße. Sie identifizierten die jeweiligen Missstände und hielten Änderungsvorschläge fest. Damit beauftragt worden waren sie bereits im Frühjahr 2024. Es folgten Ortsbegehungen sowie das Studium einer ganzen Flut an Unterlagen.

Der Leonberger Bahnhof: derzeit nicht wirklich ein städtebauliches Kleinod Foto: Simon Granville

So gebe es zum Beispiel im direkten Umfeld des Bahnhofs unstrukturierte Flächen, die Infrastruktur für Fahrräder und E-Mobilität sei schlecht organisiert, der Grad der Versiegelung hoch. Die Wegeverbindung in Richtung Norden, also zum Krankenhaus, sei für Fußgänger beschwerlich. In der Glemsaue gebe es zwar Grünflächen, nur seien die für die Menschen schwer zugänglich. Im Bereich der Schweizermühle gebe es Faktoren, die beim Wandel vom Gewerbe- hin zum Mischgebiet störend seien. Das südlich angrenzende Gebiet der Römerstraße bezeichnet die Studie als „heterogene Ansammlung von großen Gebäuden mit unattraktiven, unbefestigten Freiflächen“. Potenzial gebe es auch bei den Parkplatzflächen auf der Ostseite des Bahnhofs.

Ganz schön viel also, das da als verbesserungswürdig durchgeht. Und gleichermaßen hat die Project GmbH ganz schön viele Visionen, wie es rund um den Bahnhof deutlich schöner und gleichzeitig funktionaler werden könnte. Drei Faktoren spielten dabei eine zentrale Rolle: Fuß- und Radwege sollen aufgewertet werden, außerdem Grün- und Erholungsflächen besser integriert sowie städtebauliche Bereiche aufgewertet und neu angeordnet werden.

Neugestaltung des Bahnhofs: Mehr Raum für Fußgänger und Radler

Da wäre zum Beispiel der Bahnhof mit seinem Vorplatz. Der funktioniere zwar anstandslos für Bus- und Pkw-Verkehr, für den Bahnverkehr ohnehin. „Fußgänger und Radfahrer müssen sich jedoch dem motorisierten Verkehr deutlich unterordnen“, heißt es in der Studie. Zudem fehlten „Aufenthaltsqualitäten zum Verweilen“. Hierzu hat die Project GmbH eine detaillierte Studie erstellt: Mit Überdachungen im „Baum-Look“, an die diverse Technik angebracht werden könnte. Mehr „richtige“ Bäume könnte es ebenfalls geben. Zwischen Bahnhofstraße und Busbahnhof sollen außerdem Sitzstufen entstehen, der Fahrbahnbelag soll zudem ein einheitliches Aussehen erhalten. Gastronomie, Kulturzentrum, Infotheke, Fahrradservice, Wi-Fi – all das bringen die Planer ebenfalls ins Spiel.

Studie für den Busbahnhof: Überdachungen in Baum-Optik Foto: Project GmbH Esslingen

Genau wie einen Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Wertstoffhofs an der Kreuzung Bahnhof-/Römerstraße. Das könne ein „städtebaulicher Auftakt“ werden. Ebenfalls im Blick hat die Project GmbH die sogenannte „Achse Bahnhoffußweg“ in Richtung Römerstraße, nicht zuletzt, da der Bosch-Neubau einen „neuen städtebaulichen Schwerpunkt“ darstelle. Der Vorschlag: Eine Fuß- und Radweg-Allee zwischen Waschanlage und Obi-Parkplatz mit Sitz- und Aufenthaltsflächen. Hierfür müsse die Steinbeisstraße in diesem Abschnitt für den Autoverkehr jedoch aufgegeben werden.

Auf der anderen Seite der Gleise könne man die gesamte Glemsaue mit einer Brücke in Richtung Nordwesten überspannen. Diese könnte direkt an der bisherigen Unterführung ansetzen und die alte Brücke ersetzen, Stichwort: Barrierefreiheit. Zudem solle der „Angstraum“ Unterführung gestalterisch aufgewertet werden.

Glemspark: Neue Ideen für ein ungenutztes Flussufer

Apropos Glems: Das Flüsschen sei in seinem Verlauf zwischen Schweizermühle und Bahnhofareal „nicht erlebbar“. Vorstellbar sei daher ein begleitender Fußweg inklusive Querung, die Planer sehen „das Potenzial dieses innerstädtischen Freiraums“ und bezeichnen diesen Bereich als „Glemspark West“. Auch im Bereich der Schweizermühle schweben ihnen Veränderungen vor. So sei der dortige Baustoffhandel mit Blick auf die zwischenzeitliche Entwicklung des Gebiets „eine störende Nutzung“ – es wäre wünschenswert, den Betrieb umzusiedeln zugunsten eines Neubaus.

Im „Glemspark Ost wiederum, also östlich der geplanten neuen Brücke, könnte eine Fußwegverbindung zum Wohngebiet im Norden geschaffen werden, in Richtung Treppen zum Krankenhaus.

Am östlichen Ende des Bahnhofareals befindet sich das alte Bahnhofsgebäude inklusive Parkplatz. Dies sei „gut erhalten und stadtbildprägend“ und könnte „eine kulturelle oder soziale Funktion erfüllen“. Haus der Vereine, Musik- oder Kochschule, Jugendhaus oder Veranstaltungsort lauten hierfür die Vorschläge – die teilweise allerdings bereits in der Vergangenheit diskutiert wurden. Weiter im Osten schließt das Mühlenviertel das Gebiet ab. Auch hierfür stellen sich die Planer eine teilweise neue Bebauung vor – mit den integrierten zum Teil historischen Gebäuden.

Studie „allerallererster Schritt“ zur Neugestaltung

Die Studie sei laut Baubürgermeister Brenner „der allerallererste Schritt, vergleichbar mit dem Sanierungsgebiet Reiterstadion“. Es handele sich um einen der entwicklungswürdigsten Bereiche Leonbergs. Zudem überlagere es sich mit den Verkehrsplanungen. „Wenn das Postareal einmal abgeschlossen ist, können wir uns wieder Gedanken machen“, so Brenner weiter. Der erste kleine Aufschlag sei nun aber erfolgt. Am Ende fanden zahlreiche Rätinnen und Räte die Drucksache „interessant“. Auch wenn vielen klar war, dass sie eine Umsetzung eines oder mehrerer Elemente der Planung in ihrer Zeit als politische Vertreter wahrscheinlich nicht mehr miterleben werden.

Der Leonberger Bahnhof

Per Pferd
Ab 1840 verkehrte drei- bis viermal die Woche ein Pferdeomnibus zwischen Leonberg und Stuttgart.

Per Zug
Im Dezember 1869 ging die Bahnstrecke zwischen Ditzingen und Weil der Stadt in Betrieb. Seit 1978 fährt die S-Bahn.