Nacht für Nacht suchen Menschen in der Ukraine Schutz vor russischen Luftangriffen – wie hier in der Kiewer Metro. Foto: AFP/TETIANA DZHAFAROVA

In Deutschland erarbeiten Behörden einen Plan für Schutzräume im Kriegsfall. Das zeigt einmal mehr: Die Zeitenwende betrifft nicht nur Politiker und Soldaten – sondern jeden Bürger, meint Hauptstadtkorrespondent Tobias Heimbach.

Es sind Szenen, die viele hierzulande nur aus Erzählungen ihrer Groß- oder Urgroßeltern kennen: Menschen, die mitten in der Nacht aus dem Bett springen, um in einem U-Bahnhof Schutz zu suchen. Mütter, die mit kleinen Kindern in Schutzräumen ausharren und darauf warten, dass der Luftangriff vorübergeht. Woanders in Europa kennt man das nicht nur aus Erzählungen. In der Ukraine ist das seit mehr als zwei Jahren Realität. Nacht für Nacht.

 

Wenn in der Vergangenheit über eine Kriegsgefahr in Europa gesprochen wurde, dann schien das lange sehr weit weg – sowohl mental als auch geografisch. Doch die Gefahr, dass ein Krieg auch Deutschland betreffen könnte, ist größer geworden. Experten gehen davon aus, dass Russland seine Armee in rund fünf Jahren wieder so hochgerüstet haben wird, dass es militärisch in der Lage sein wird, einen Nato-Staat anzugreifen. Ob das wirklich passiert, weiß niemand, dennoch sollte man sich vorbereiten. Daher ist es gut, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) gemeinsam mit den Ländern eine Strategie für Schutzräume erarbeitet. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Zeitenwende nicht nur Politiker und Soldaten betrifft – sondern jeden in Deutschland.

Bislang soll geprüft werden, welche Gebäude sich im Ernstfall zu Schutzräumen umfunktionieren lassen. Dass es größerer Anstrengung bedarf, ist klar: Derzeit gibt es nach Angaben des BBK 579 öffentliche Schutzräume mit insgesamt 477 593 Plätzen – von denen viele allerdings „nur sehr begrenzt nutzbar“ seien. Auch eine App ist geplant, die den Weg zum nächstgelegenen Schutzraum anzeigen soll.

Andere Länder in Europa sind weiter: In Polen gab es eine umfassende Inventur aller Schutzräume. Zudem gibt es dort für Neubauten ab 2026 eine Pflicht, auch einen Schutzraum mitzuplanen. Ganz so weit muss man in Deutschland noch nicht gehen. Aber es ist gut vorzusorgen.