Die Plakatschlacht hat begonnen - die Parteien buhlen mit ihren Botschaften um die Gunst der Wähler. Foto: dpa

Seit dem Wochenende hängen sie und in den kommenden Wochen führt kein Weg an ihnen vorbei: Kommunikationsdesigner Achim Schaffrinna hat sich die Landtagswahlplakate für uns angeschaut. Sein Fazit: Nicht jeder Partei ist die Eigenwerbung geglückt.

Stuttgart - In Stuttgart ist die heiße Phase der Straßenwahlkampfs gestartet: Seit dem Wochenende dürfen die Parteien ihre Wahlplakate zur Landtagswahl in Baden-Württemberg (13. März) am Straßenrand oder an speziell ausgewiesenen Flächen in der Stadt anbringen. Wahlplakate verändern nach Einschätzung von Experten zwar kaum die Einstellungen der Wähler, dennoch sind sie die klassische Visitenkarte einer Partei – und aus dem Wahlkampf nicht wegzudenken.

Welche Plakate, mit denen die Parteien bei der Landtagswahl 2016 um die Gunst der Wähler buhlen, sind besonders gelungen? Welche nicht? Und warum? Diese Fragen beantwortet der Kommunikationsdesigner Achim Schaffrinna. Seit Mai 2006 bloggt er in seinem "Design Tagebuch" über Werbung, Design und Gestaltung. Auch Wahlplakte nimmt er dort regelmäßig unter die Lupe. Beispielhaft für die Kampagnen analysiert er jeweils ein Themenplakat der Parteien, die bereits im Landtag vertreten sind und jener, die sich Chancen für einen Einzug ausrechnen können.

Das Wahlplakat der CDU

Den Wahlplakaten der CDU verleiht der Designer Schaffrinna das Prädikat "brav". "Die Plakate orientieren sich an den Vorgaben des Corporate Design", sagt der Experte. So seien der orangene Farbverlauf und die hauseigene Schriftart, die für die Wahlplakate verwendet wurden, typisch für die Partei. "Hier hat man sich Standards bedient - und das ist weit weg von innovativ", urteilt Schaffrinna und fügt hinzu: "Bei Wahlplakaten ist eine gewisse Eigenständigkeit schon wichtig." Was die Botschaften anbelangt, hat die CDU den Fokus auf ihre wichtigsten Themen wie Bildung, Familie und Straßenbau gelegt - und diese Schlagworte durch eine größere Schrift hervorgehoben. "Handwerklich gesehen kann ich keine offensichtlichen Fehler ausmachen, das ist solide gemacht", sagt Schaffrinna. Als positiv bewertet der Designer den QR-Code in der linken unteren Ecke - dieser führt zu einem jeweils zum Thema passenden Video, in dem der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf zu sehen ist.

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Das Wahlplakat der Grünen

Das Wahlplakat der Grünen

Handwerklich seien die Wahlplakate der Grünen "hochprofessionell" gemacht, urteilt Schaffrinna. Überraschend findet der Designer allerdings die Gestaltung in diesem Jahr. "Die Plakate sind nicht so poppig, bunt und lebendig wie in anderen Kampagnen der Partei", sagt der Designer. Während man bei den letzten Landtagswahlen für die Textgestaltung den Scherenschnitt-Stil gewählt habe, habe man für die Slogans dieses Mal die neue hauseigene Typografie mit den großen Serifen gewählt. Auch falle auf, dass die Farbe Grün, das als wesentliches Gestaltungselement in jedem Plakat auftaucht, nicht so satt wie gewohnt, sondern gedeckter vorkommt, erklärt der Blogger. "Hier werden betont erdige Farbtöne verwendet", so Schaffrinna. Diese Farbwahl unterstreiche das bodenständige und naturverbundene, aber auch eher konservative Wesen des amtierenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, der sich zur Wiederwahl stellt.

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Das Wahlplakat der SPD

Das Wahlplakat der SPD

Ein Teil der Themenplakate der SPD ist sehr reduziert gestaltet: zu sehen ist ein Slogan (meist bestehend aus zwei Worten), der Claim "Baden Württemberg leben" und das Logo der Partei auf einem unifarbenen Hintergrund. Das Minimalistische gefällt dem Designer Achim Schaffrinna sehr gut. "Im Vergleich zu den Plakaten der Landtagswahlen 2011, die sehr komplex waren, finde ich diese hier viel besser gelunden", so der Experte. Die Plakate seien ein visueller Weckruf à la "Uns gibt es, wir treten an und das sind unsere Themen", erklärt Schaffrinna. "Von der Markenführung her gedacht, braucht es gar nicht mehr." Wie die CDU hat auch die SPD ihre Kampagne crossmedial angelegt: Die Themen, die auf den Plakaten rund um den Claim "Baden Württemberg leben" angerissen werden, werden im Internet weiter vertieft. Einzig und allein ein QR-Code auf den Plakaten fehle, der zu der entsprechenden Internetseite führe, bemängelt der Designer.

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Das Wahlplakat der FDP

Das Wahlplakat der FDP

Auf dem Dreikönigstreffen in Stuttgart vor einem Jahr kündigte die FDP an, sich neu erfinden zu wollen - und präsentierte Magenta als zusätzliche Farbe neben dem bereits etablierten Blau und Gelb sowie die neue Eigenbezeichnung "Freie Demokraten" statt "Die Liberalen". Diese Neuausrichtung spiegle sich nun auch in den Plakaten der Partei wider, sagt Schaffrinna. "Das ist eine der mustigsten Parteien-Kampagnen, die ich je gesehen habe", sagt der Kommunikationsdesigner - für ihn sind die Plakate der FDP die gelungensten im Rahmen der baden-württembergischen Landtagswahlen. Die Kombination der Farben Magenta, Blau und Gelb wirken nach Auffassung von Schaffrinna sehr frisch. Die Slogans seien aufgrund der Größe und der richtigen Menge an Text gut lesbar, auch im schnellen Vorübergehen und Vorbeifahren - ein wichtiger Punkt bei der Gestaltung von Wahlplakaten. "Das Design der Plakate erzeugt einen anderen Blick auf die FDP. Es ist eine Einladung, sich dieser Partei anders zu nähern", fasst Schaffrinna zusammen.

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Das Wahlplakat der Linken

Das Wahlplakat der Linken

"Bden-Wrttmberg - Hier fehlt doch was?" - steht auf einem Plakat der Linken geschrieben. "Die fehlenden Vokale finde ich eine schöne Idee, das erregt Aufmerksamtkeit", sagt Schaffrinna. Deutlich weniger kreativ findet der Designer die Themenplakate der Partei, die in diesem Jahr den Einzug in den baden-württembergischen Landtag schaffen will. "Die Plakate sind sehr typo- und schriftlastig." Zudem kommen nach Meinung des Experten zu viele Elemente zum Einsatz - ein Foto, zwei Slogans, das Logo der Linken und ein Sublogo. "Das Plakat wirkt völlig überfrachtet", urteilt Schaffrinna. Auch seien die Slogans an sich nicht gut zu lesen. "Bei einer weißen Schrift braucht man einen stärkeren Hintergrund", erklärt der Blogger. Auch der grau-blaue Farbstich gefällt dem Designer nicht: "Die Hauttöne der Menschen, die auf den Plakaten zu sehen sind, wirken sehr fahl."

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Das Wahlplakat der AfD

Das Wahlplakat der AfD

Aus Sicht des Designexperten weisen die Wahlplakate der Alternative für Deutschland (AfD), die nicht von einer Agentur, sondern von Mitgliedern der Partei selbst gestaltet wurden, viele handwerkliche Defizite auf. So gebe es beispielsweise zu viele unterschiedliche Schriftgrößen und Abstände, meint Schaffrinna. Auch die Unterbrechung der Slogans durch bildliche Elemente sei hinsichtlich des Leseflusses nicht optimal. Als positiv empfindet Schaffrina die Farbwahl der AfD-Plakate. "Blau ist eine gute Wahl, da sie noch von keiner anderen Partei besetzt ist", so der Designer. Die Farbe Blau wurde auch aus einem anderen Grund mit Bedacht gewählt, glaubt Schaffrinna - steht sie doch in der Farbpsychologie für Ruhe und Vertrauen. Insgesamt falle auf, dass die Slogans der AfD - anders als viele erwarten würde - vergleichweise moderat ausfallen. Mit der Rhetorik auf den Plakaten gebe sich die Partei bewusst konservativ, aber wenig aggressiv, so Schaffrinna.

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