Plagiatsaffäre Strafanzeige gegen Matthias Pröfrock

Von Rainer Wehaus  

Wird Matthias Pröfrock wegen der Plagiatsvorwürfe sein Landtagsmandat abgeben? Quelle: Unbekannt
Wird Matthias Pröfrock wegen der Plagiatsvorwürfe sein Landtagsmandat abgeben? Quelle: Unbekannt

Der Waiblinger Landtagsabgeordnete gerät wegen Plagiatsvorwürfen immer stärker unter Druck.

Waiblingen - Der Waiblinger Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock (34) gerät wegen der Plagiatsvorwürfe gegen seine Doktorarbeit immer stärker unter Druck. Nach Informationen unserer Zeitung ist bei der Tübinger Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige gegen den CDU-Politiker eingegangen. "Der Vorwurf lautet auf Verletzung des Urheberrechts und Betrug", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Ob es zu Ermittlungen kommen werde, hänge auch von der wissenschaftlichen Überprüfung der Doktorarbeit ab. "Wir warten ab, zu welchem Ergebnis die Universität Tübingen kommt", sagte der Behördensprecher.

Plagiatsjäger der Internetplattform VroniPlag werfen Pröfrock vor, weite Teile seiner Doktorabeit aus anderen Quellen abgekupfert zu haben. Mindestens 50 Prozent der relevanten Seiten (also ohne Lebenslauf, Gliederung und Literaturliste) enthielten plagiierte Stellen. Pröfrock hatte daraufhin mögliche Versäumnisse bei der Angabe von Quellen nicht ausgeschlossen und angekündigt, seinen Doktortitel bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen.

Die wissenschaftliche Überprüfung von Pröfrocks Arbeit, mit der im Jahr 2007 promovierte, ist inzwischen abgeschlossen. "Die zentrale Kommission für wissenschaftliches Fehlverhalten hat sich mit dem Fall beschäftigt und eine Empfehlung abgegeben", sagte ein Sprecher der Uni Tübingen unserer Zeitung. Über den Inhalt der Empfehlung wollte er nichts sagen. Man befinde sich in der Angelegenheit noch "im nicht-öffentlichen Stadium".

"Der wäre dann genug bestraft"

Wie der Sprecher weiter sagte, werde nun der Promotionsausschuss der Juristischen Fakultät Pröfrock anhören und dann voraussichtlich im Juli eine Entscheidung treffen. "Darüber wird dann die Presse informiert", so der Sprecher.

Pröfrock, der in Korb im Rems-Murr-Kreis wohnt, sitzt seit der Landtagswahl im März dieses Jahres für den Wahlkreis Waiblingen im Landtag. Anfang Mai war das Parlament zu seiner ersten Sitzung in dieser Legislaturperiode zusammen gekommen. Sollten sich die Vorwürfe gegen ihn bestätigen, wird damit gerechnet, dass er sein neues Mandat relativ zügig niederlegen und auch von allen seinen politischen Ämtern zurücktreten wird. Pröfrock ist Vorsitzender der CDU im Regionalverband Stuttgart sowie stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Rems-Murr.

Wegen Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit ihren Doktorarbeiten waren zuvor bereits Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie die FDP-Vorsitzende und Vize-Präsidentin im Europaparlament, Silvana Koch-Mehrin, zumindest von einem Teil ihrer Ämter zurückgetreten.

Sollte Pröfrock diesem Beispiel folgen müssen, fiele eine strafrechtliche Verfolgung des Falles im Vergleich dazu kaum ins Gewicht. Juristen gehen davon aus, dass dem Abgeordneten wegen Verletzung des Urheberrechts allenfalls eine Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts aufgebrummt werden könnte. Möglicherweise werde es im Falle eines Rücktritts von Pröfrock sogar überhaupt kein Ermittlungsverfahren geben, da es dann am "öffentlichen Interesse" fehle, das in diesem Fall für eine Strafverfolgung nötig sei. "Der wäre dann genug bestraft", heißt es von Strafrechtsexperten.

Lesen Sie jetzt