Ostfildern will die Taubenplage in Nellingen und im Scharnhauser Park gezielt bekämpfen und setzt auf Geburtenkontrolle: Die Eier der Vögel werden gegen Attrappen ausgetauscht. Dazu sind zwei Taubenhäuser nötig. Das sind die Standorte.
Seit einigen Jahren wird in der Stadt Ostfildern eine deutliche Zunahme der Taubenpopulationen beobachtet. Insbesondere an der Endhaltestelle der Stadtbahn in Nellingen sowie im Scharnhauser Park tummeln sich große Schwärme, die Klagen über Verschmutzungen und Belästigung nehmen zu. Der Ausschuss für Technik und Umwelt hat nun dem Gemeinderat empfohlen, das Problem mit zwei Taubenhäusern und einem professionellen Management anzugehen.
Belange der Anwohner und des Tierschutzes in Einklang bringen
Die Tauben sitzen auf Dächern, Balkonen und Fensterbrettern, verschmutzen Fassaden und Ladeneingängen. Das Problem wird durch ein offenbar reichhaltiges Futterangebot in den stark frequentierten Bereichen der Stadtteile verstärkt. Weggeworfene Essensreste und nicht zuletzt Anwohner, die sich als Tierfreunde verstehen und Vogelfutter ausstreuen, bereiten den Tauben einen reich gedeckten Tisch. Entsprechend nehmen die Klagen zu. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem keine Meldung zu dem Thema bei uns eingeht“, sagte Bürgermeisterin Monika Bader in der jüngsten Sitzung des Ausschusses. Entsprechend denke die Verwaltung bereits seit geraumer Zeit über effektive Lösungen nach. Bader stellte dem Gremium ein Konzept für ein Taubenmanagement vor, das nach der Erfahrung aus anderen Kommunen die Belange der Stadt, die Interessen der Einwohner sowie die Anforderungen des Tierschutzgesetzes in Einklang bringen könne. Als zentrales Element sollen zwei Taubenhäuser aufgebaut werden.
Der Nabu Nellingen hat die einem Gartenschuppen ähnelnden Häuser bei einer Spendenaktion erhalten und stellt sie der Stadt zur Verfügung. Derzeit sind sie beim städtischen Bauhof abgestellt. Eines davon soll in Nellingen auf dem obersten, nicht überdachten Deck des Parkhauses an der Akademie platziert werden. Für das andere ist die Standortsuche noch nicht abgeschlossen, derzeit fänden Gespräche über einen Platz im Scharnhauser Park statt, hieß es. Wie Bader erläuterte, böten Taubenhäuser die Möglichkeit einer Geburtenkontrolle durch den Austausch von Eiern durch Attrappen. Gleichzeitig könne dem Tierschutz durch artgerechte Fütterung und Versorgung Genüge getan werden. „Da das Konzept professionell begleitet werden muss, wir aber keine Erfahrungen mit Taubenhäusern haben, gilt es, mit externen Experten zusammenzuarbeiten“, sagte Bader. Der Tierschutzverein Esslingen habe seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Betriebs signalisiert.
Die Stadt kostet die Vergrämung jährlich 10 000 Euro
Parallel zum Aufbau der Taubenhäuser müssten allerdings das generelle Fütterungsverbot konsequent durchgesetzt werden und begleitend aktive Vergrämungen stattfinden. Zudem müsse die Bürgerschaft regelmäßig informiert werden. Überdies könnten auch Tierliebhaber aktiv in den Betrieb und die Betreuung eingebunden werden. „Allerdings benötigen wir Geduld. Veränderungen werden sich nicht sofort einstellen. Die Tiere müssen sich umgewöhnen, und auch künftig werden wir Tauben in der Stadt sehen“, sagte Bader. Nach Einschätzung der Verwaltung wird die Umsetzung des Konzepts etwa 10 000 Euro jährlich kosten.