An der Steinheimer Straße soll der Verkehr auch tagsüber langsam rollen. Foto: Ralf Poller/avanti

Die Gemeinde Murr will ihre Ortsdurchfahrt im Zuge des Lärmaktionsplans weiter beruhigen. Busse sollen an der Steinheimer Straße per Ampel bevorrechtigt werden.

 
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Murr - Lärm senkt an der Murrer Ortsdurchfahrt die Lebensqualität. Das ist der Gemeinde ein Dorn im Auge. Sie strebt durchgängig Tempo 30 an. Der Gemeinderat beschloss am Dienstag einstimmig den Lärmaktionsplan. Darin wird diese Maßnahme an der Bietigheimer Straße, der Hindenburgstraße und der Steinheimer Straße als vordringlich eingestuft.

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An diesen Straßen sind nach Messungen des Büros Kurz und Fischer tagsüber 1300  und nachts sogar 1520 Personen von gesundheitlich bereits relevanten Lärmwerten über 59  Dezibel tagsüber und 49 Dezibel nachts betroffen. Werden Werte von 65  und 55 Dezibel überschritten, sollten Maßnahmen folgen. Der Ärger über hohe Geräuschpegel spiegelt sich auch in Stellungnahmen der Bürger im Lärmaktionsplan wider. So berichten Anwohner der Hindenburgstraße über Staus und Abgaswolken an den Verkehrsinseln, die zum Abbremsen zwingen.

Wie ist der Stand bei Tempo 30?

Bisher hat die Gemeinde mit ihrer Forderung nach durchgängigem Tempo 30 auf Granit gebissen. Das Landratsamt Ludwigsburg wollte auch immer den Verkehrsfluss erhalten und bewilligte bislang 30 Stundenkilometer nur auf einigen Teilabschnitten wie etwa an der Steinheimer Straße. Dort gilt das Geschwindigkeitsgebot nur nachts. An der Hindenburgstraße ist zwar Tempo 30 in Teilen auch tagsüber Vorschrift, doch wünscht sich die Gemeinde eine Ausweitung. Zu viel Lärm dringt nach Ansicht der Murrer Verwaltung auch auf die Anwohner der Bietigheimer Straße zwischen den Straßen Bei der Bergkelter und Benninger Weg in der Nähe des Aldi-Markts ein. Die Kommune stuft durchgängiges Tempo 30 im Lärmaktionsplan als kurzfristig verwirklichbar ein. Es soll binnen zwei Jahren realisiert sein.

Welche Rolle spielt der Busverkehr?

Würde Tempo 50 auf 30 reduziert, verlöre der öffentliche Busverkehr zwischen Marbach und Beilstein zu viel Zeit, lautete bisher ein wichtiges Argument des Landratsamtes Ludwigsburg. Eine Untersuchung zeigt aber jetzt, dass der Reisezeitverlust hinnehmbar ist, da Busse im Ort ohnehin langsamer fahren müssen. „Die Auswirkungen auf den Busverkehr sind minimal“, sagte der Bürgermeister Torsten Bartzsch. Der Lärm würde bei Tempo 30 noch spürbarer als bei Tempo 40 reduziert. Die Lebensqualität der Anwohner steige damit, deshalb favorisiere er diese Variante. Bartzsch sieht das Landratsamt in der Pflicht zuzustimmen. Die neuere Rechtssprechung stärke Kommunen, die nach sorgsamer Abwägung Tempo 30 im Lärmschutzplan beantragten.

Was wird sich ändern?

Eine Ampel, die Busse bevorrechtigt, soll an der Einmündung der Steinheimer Straße zur L 1126, der Murrer Straße in Steinheim, entstehen. Dort bleiben die Linienbusse oft in Rückstaus stecken. Allerdings wird diese Maßnahme wohl erst nach zwei Jahren kommen, da sie als mittelfristig eingestuft worden ist. Solche Projekte bräuchten in der Regel etwa zwei bis fünf Jahre, erklärte Torsten Bartzsch auf Nachfrage. So lange wird wohl mindestens auch die Verlängerung der Lärmschutzwand an der Bietigheimer Straße in der Warteschleife stecken. Die Kosten für die etwa 100 Meter lange und drei Meter hohe Wand werden auf etwa 120 000 Euro geschätzt. Verbessern will die Kommune zudem die Knotenpunkte an der L1125 und der L1100 zwischen der Oehler-Kreuzung in Marbach und der Autobahn 81. Zwei Gemeinderäte mahnten eine Pförtnerampel an der Steinheimer Straße auch für Autos und einen Radstreifen für die Murrer Ortsdurchfahrt an.