Solche Staus auf der Neuhauser straße vor Plieningen sollen der Vergangenheit angehören – in spätestens zehn Jahren. Foto: privat

Seit Jahren klagen Anwohner der Neuhauser straße über Verkehrslärm. Nun bewegt sich was. Die sehnlich gewünschte Ortsumfahrung hat es auf die Prioritätenliste des Verkehrsministeriums geschafft.

Plieningen - Auf den ersten Blick ist nicht viel geschehen. Die von Anwohnern der äußeren Neuhauser Straße sehnlichst gewünschte Ortsumfahrung steht neuerdings auf einer Prioritätenliste. Ein bürokratischer Akt also. Auf den zweiten Blick ist dies allerdings ein nicht unwichtiger Schritt auf dem Weg zu mehr Ruhe vor den Haustüren einiger Plieninger.

Die Plieninger Ortsumfahrung hat damit einen Stellenwert bekommen, auf den die lärmgeplagten Anwohner seit Jahrzehnten warten. Dass es bei solchen Projekten in der Regel ausgeprägter Geduld bedarf, sei völlig normal, sagt Edgar Neumann, der Sprecher des Verkehrsministeriums. „Was glauben Sie, wie lange der Bau einer Straße dauern kann?“ Eine rhetorische Frage.

Direktverbindung zwischen Neuhausen und Echterdingen

Der Bedarf an neuen oder ausgebauten Routen ist viel größer als die finanziellen Möglichkeiten. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg warten derzeit 734 Straßenbauprojekte auf die Umsetzung, dies entspricht einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro. Dem Land stehen jährlich aber nur 38 bis 40 Millionen Euro für derlei Projekte zur Verfügung.

Also hat das Ministerium aus den 734 Projekten die – aus seiner Sicht – 123 Wichtigsten ausgewählt. Alles in allem liegen die geschätzten Kosten bei 385 Millionen Euro. Und auf diese Liste hat es eben auch die Plieninger Umfahrung geschafft; sie soll auf Höhe des Plieninger Autobahnzubringers beginnen und nach einem Kilometer an die Landesstraße 1204 Richtung Neuhausen andocken. Die Kosten betragen fünf Millionen Euro. Ist die Straße gebaut, gibt es eine Direktverbindung zwischen Neuhausen und Echterdingen; die Zahl der Pendler, die über Plieningen fahren, dürfte spürbar sinken. Für die Anwohner der äußeren Neuhauser Straße noch wichtiger ist, dass weniger Lastwagen an ihren Häusern vorbeibrettern. Die Chancen für den Bau dieses Kilometers Straße stehen momentan genauso gut wie die Chancen für den Bau der anderen 122 aufgeführten Bauprojekte. Sprich, die Projekte stehen in keiner Rangfolge zueinander, so der Ministeriumssprecher Edgar Neumann.

Ein Sonderfall

Einer, der sich für die Plieninger Ortsumfahrung starkmacht, ist der Grünen-Politiker Nikolaus Tschenk. Entsprechend freut sich der Landtagsabgeordnete, der sich unter anderem um die Filderbezirke kümmert, über die Neuigkeiten aus dem baden-württembergischen Verkehrsministerium. „Das ist ja völlig unerträglich da oben“, sagt Tschenk. Er verspricht den Anwohnern, dass er die Situation weiterhin im Blick behalten wird.

Beschleunigen können wird aber auch der Grünen-Abgeordnete das Verfahren nicht. Denn selbst wenn die Ortsumfahrung Plieningen nun auf jener Prioritätenliste steht, wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis die ersten Autos über die Straße rollen. Die 123 Projekte, die das Land jüngst ausgewählt hat, sollen im Zeitraum der nächsten zehn Jahre umgesetzt werden.

Außerdem: Die Plieninger Ortsumfahrung ist „ein Sonderfall“, wie der Ministeriumssprecher Edgar Neumann sagt. Denn die Route ist eng mit Stuttgart 21 verknüpft. Die Straße und die Bahntrasse sollen parallel zueinander entlang der Autobahn verlaufen, was Absprachen erfordert. Der Abschnitt des Milliardenprojekts S 21 ist allerdings bisher noch nicht amtlich. Das Verfahren ist vor Kurzem angelaufen.

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