Auch das Birkacher Feld wird wieder Teil der Diskussion um neue Bauflächen für Wohnungen. Foto: Wilhelm Mierendorf/Wilhelm Mierendorf

Die Stadtverwaltung hat Planspiele für neue Bauflächen in Stuttgart vorgelegt. Wenn alle umgesetzt werden, könnten bis zu 8000 zusätzliche Wohnungen entstehen. Doch dann wären auch wieder Gebiete im Gespräch, die schon längst vom Tisch waren.

Stuttgart - Bauflächen sind ein rares Gut in Stuttgart. Die Stadtverwaltung hat deshalb nun in drei Szenarien Möglichkeiten skizziert, wo neue Wohnungen gebaut werden könnten. Würde man alle Potenziale ausschöpfen, könnten in der Theorie in den kommenden Jahrzehnten mehr als 30 000 neue Wohnungen entstehen. Doch ob diese Planspiele jemals umgesetzt werden, muss noch entschieden werden.

Der größte Batzen stammt dabei aus der längst bekannten „Zeitstufenliste“, die sah bereits den Bau von rund 23 000 Wohnungen bis zum Jahr 2029 vor. Darauf aufbauend hat die Verwaltung unter Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) mit seiner Verwaltung zwei weitere Szenarien entworfen. Das eine sieht die sogenannte Arrondierung an Ortsrändern vor – etwa im Bereich Hoffeld-Binsenwiesen oder an der westlichen Osumstraße in Birkach. Das würde allerdings nur rund 1120 Wohnungen bringen. Weit mehr – nämlich 6930 Wohneinheiten entstünden, wenn größere Gebiete erschlossen würden, wie etwa Hoffeld-West oder Hausen III. Das größte Potenzial hätten das Birkacher Feld mit 65 Hektar oder der Viesenhäuser Hof in Mühlhausen mit 27,5 Hektar.

Grüne und Linke sind gegen größere Bauflächen

Entscheiden muss darüber der Gemeinderat: „Wir haben hier jetzt mal einen Rahmen gegeben und eine Einschätzung“, sagte Pätzold am Montag im Unterausschuss Wohnungsbau. „Jetzt ist die Frage, in welche Richtung geht die Politik, diese Flächen auch zu entwickeln.“ Der scheidende Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) machte seine Präferenz für das moderatere Arrondierungs-Szenario deutlich. Auch wenn schon klar sei, dass die Diskussion um die sieben Flächen an den Ortsrändern viel Ärger bringen würde. Doch bei dem anderen Szenario habe ihn erstaunt, dass selbst das mit 6900 Wohneinheiten „nicht so wahnsinnig groß ist und es dauert natürlich 10, 15 Jahre, bis wir das haben“, sagte er.

Ähnlich sahen es die Grünen-Stadträte im Gemeinderat. Den Plan, große Gebiete zu bebauen, würde die größte Fraktion wohl nicht mittragen. „Da können wir auf keinen Fall mitgehen“, sagte die Grünen-Stadträtin Beate Schiener. Ihre Parteikollegin Silvia Fischer betont, das seien „all die Flächen, gegen die wir uns in der Vergangenheit ausgesprochen haben, werden wieder aufs Tableau gehoben.“ Sie sehe in dem Szenario „viel Schall und Rauch. Auch für Thomas Adler vom Bündnis SÖS/Linke scheidet das Szenario aus. Bauen allein löse das Problem hoher Mieten nicht, argumentierte er zudem.

CDU und SPD für Bürgerbeteiligung

SPD-Fraktionschef Martin Körner hielt dagegen: „Was ich ehrlich gesagt nicht gut finde, ist diese ‚Ausschließeritis’.“ Ihn überrasche das, angesichts der Fertigstellungszahlen. Die Stadt hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass 2019 lediglich 924 Wohnungen entstanden waren – das ist die Hälfte der angepeilten 1800 Wohnungen, die OB Kuhn schaffen wollte. Körner, der für seine Partei bei der Oberbürgermeisterwahl im Herbst kandidiert, sieht beispielsweise im Birkacher Feld ein erhebliches Potenzial.

„Dieses Gebiet ist für den Nahverkehr wunderbar erschließbar“, findet Körner. Darüber hinaus müsse die Zeitstufenliste dringend auf den aktuellen Stand gebracht werden. Die jüngst bekannt gewordenen Verzögerungen im Rosensteinareal sind dort noch nicht berücksichtigt.

Der Ball liegt nun beim Gemeinderat. Doch wann der diesen aufnehmen wird und etwa einen Beschluss treffen wird, ist noch unklar. Im Herbst läuft der Wahlkampf für die Oberbürgermeisterwahl auf Hochtouren. „Mit Blick auf den Zeitablauf kurz vor der Sommerpause, kurz vor der OB-Wahl, muss man sich schon fragen, werden wir überhaupt einen Beschluss oder eine Richtungsentscheidung herbeiführen“, sagte CDU-Fraktionschef Alexander Kotz. Er sprach sich dafür aus, die Bürger an der Entscheidung zu beteiligen. „Die Frage, fände ich, wäre eine endlich auch mal eine, wo man den Bürger mal entscheiden lassen könnte.“ Ähnlich sieht es SPD-Fraktionschef Körner. „Wenn wir hier Grundsatzentscheidungen treffen, müssen wir die Bürgerinnen und Bürger beteiligen.“

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