Ein Gesamtkonzept für das Mühlenensemble in Schorndorf fehlt bisher. Foto: Gottfried Stoppel

Seit 15 Jahren ist die Hahnsche Mühle in Schorndorf nicht mehr in Betrieb, ein Gesamtkonzept für die weitere Nutzung fehlt. Entwürfe für den Umbau des Siloturms in ein Bürogebäude kommen nicht gut an.

Schorndorf - Die Hahnsche Mühle gehört mit einem weithin sichtbaren Siloturm, einem imposanten Mühlengebäude und roten Ziegeln auf den Dächern zu den Ensembles, die das Schorndorfer Stadtbild prägen. Besonders gut ist das Gebäude zu sehen, seit ein anderes Industriedenkmal Geschichte ist: das bis vor kurzem benachbarte Breuninger-Areal. Nur noch Schuttberge zeugen von der ehemaligen Lederfabrik.

Auf dem Gelände werden Wohnungen gebaut. Doch dass ein altes Industrieareal nicht zwangsläufig abgerissen werden muss, zeigen andere Beispiele in der Daimlerstadt – etwa das Arnold- oder das Röhm-Areal. Die Zukunft der Hahnschen Mühle, deren Betrieb seit 15 Jahren ruht, ist noch nicht endgültig festgezurrt. „Ich möchte mir eine Perspektive für das Ensemble offen halten“, sagt der Eigentümer und Müllermeister Jochen Hahn, der einen Teil des Areals an einen Biergarten verpachtet hat.

Der Siloturm stammt aus dem Jahr 1935

Um sich mehrere Möglichkeiten zu bewahren, will Hahn das fast 130 Jahre alte Magazingebäude der Mühle mit seiner Nutzfläche von 3600 Quadratmetern erst einmal nicht angehen. Er hat sich stattdessen zunächst mit dem Architekten Tobias Schmid daran gemacht, Umbaupläne für den Siloturm zu entwickeln, mit denen sich vor kurzem der beratend wirkende Gestaltungsbeirat beschäftigt hat. Das damals als kriegswichtig befundene Gebäude stammt aus dem Jahr 1935. Obwohl ein Typenbau, ist es durch seine Ziegelfassade und das Zeltdach eine Besonderheit. Zumal laut dem Architekten viele dieser Türme abgebrochen wurden. Spannend ist das Gebäude zudem durch seine vertikale Struktur, die neun Silozellen.

„Das Silo wird niemals mehr als solches genutzt werden, dazu ist es zu klein“, erläuterte der Architekt Tobias Schmid dem Gestaltungsbeirat. In den unteren Ebenen soll die Funktionsweise des Silos weiterhin erkennbar sein, geplant ist eine Ausstellung. Zudem will Jochen Hahn in dem Silo eigene Büroräume, aber auch sein Archiv unterbringen. Die mittleren vier Ebenen sollen hingegen als Büroflächen vermietet werden. Um insgesamt 380 Quadratmeter Fläche zu schaffen, bedarf es eines Anbaus. Zudem ist ein zweiter Rettungsweg nötig – er wird durch ein Treppenhaus samt Aufzug geschaffen, das aus dem Dach des Nachbargebäudes heraus kommt.

Die Pläne sind für den Gestaltungsbeirat nicht vorstellbar

Gerade der Anbau mit einer an Palisaden erinnernden Lamellenbeschattung und das Treppenhaus kommen beim Gestaltungsbeirat alles anderes als gut an. „Das Ensemble lebt von den klar geschnittenen Baukörpern“, sagte das Gremiumsmitglied Peter W. Schmidt, der dem Siloturm einen irren Charme bescheinigt. Das Äußere, aber auch die innere Logik des Gebäudes würden „vergewaltigt“, nur um relativ wenig Nutzfläche zu schaffen.

Als Gipfel empfindet das Beiratsmitglied Franz Pesch das Treppenhaus, das aus dem Dach herauskommt. Für ihn sind die Pläne schlicht nicht vorstellbar: „Das ist das deutlichste Wort, das ich je gesprochen habe“, sagte er.

Anbau und Treppenhaus für Denkmalschützer zu massiv in der Wirkung

Auch das Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen stimmt dem Entwurf nicht zu. Der auf die Ecke gesetzte Anbau mit der Lamellenverkleidung habe eine sehr große Fernwirkung, auch das Treppenhaus sei extrem massiv. Eher denkbar sei laut der Gebietsreferentin Astrid Bonewitz, den Turm über einen weiteren, neuen Baukörper zu erschließen. „Wir wollten aber den Bauherren erst einmal den Raum lassen, Ideen zu sammeln“, sagt Bonewitz, die Mut zur Demut einfordert.

Der Gestaltungsbeirat rät dem Eigentümer, die bisherige Lösung erst einmal zur Seite zu legen. „Schreiben Sie die Wünsche des Bauherrn untereinander. Überlegen Sie, welche Möglichkeiten im Ensemble gegeben wären“, sagte Franz Pesch, der das Gebäudeensemble als prägend empfindet. Für Jochen Hahn wäre der Umbau des Silos der erste Schritt, um es zu erhalten. Die große Perspektive fehle ihm: „Wir kommen nicht voran.“

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