Bondorfer diskutieren mit Kreisräten. Im Prinzip sagt das Plakat alles. Foto: factum/Granville

Die Kreistags-CDU fragt Volkes Meinung zu Deponieplänen ab. Die ist überall gleich: ein Nein. Ein Ortstermin taugt als Beispiel, dass Bürgernähe nicht zwingend zum Wohle der Bürger beiträgt.

Bondorf - Im Prinzip ist mit dem Protestplakat alles gesagt: „Keine Deponie auf bestem Ackerland.“ Der Stoff, auf den dieser Botschaft gepinselt ist, hängt an der Scheune des Spargelhofs Hiller. Der Weg dorthin führt an diesem Tag vorbei an 150, vielleicht 200 Bondorfern, die sich am Feldweg aufgereiht haben, gleichsam als menschlicher Schutzwall für die Äcker hinter ihnen.

An ihnen vorbei marschieren Kreisräte der CDU. „Verstehen Sie das nicht falsch“, sagt Susanne Widmaier. „Wir sind nicht gegen Sie.“ Aber allesamt sind sie gegen eine Erddeponie, die möglicherweise auf den Äckern bei Bondorf aufgeschüttet werden soll, auch wenn es so weit noch lange nicht ist. Widmaier führt hier eine Hundeschule und hat zu dem Protest aufgerufen. Die Christdemokraten sind unterwegs, um alle 22 Standorte zu sichten, die gemäß einem Gutachten im Landkreis Böblingen in Frage kommen. Nachher fahren sie nach Ehningen. Dort ist der Widerstand nicht geringer. Der Gemeinderat hat offiziell sein Nein zu Protokoll gegeben.

Alle Kommunen lehnen eine Deponie auf ihrer Markung ab

Nicht nur in Ehningen: Helmut Noë, der CDU-Fraktionschef, erklärt, dass keine Kommune eine Deponie auf ihrer Markung wolle, aber dass sie zwingend nötig sei. Spätestens 2025 sind die aktuellen Reserven verfüllt. „Wir brauchen 14 000 zusätzliche Wohneinheiten im Kreis“, sagt er. „Diesem Problem müssen wir uns eben stellen.“ Dem wird keiner seiner Kreistags-Kollegen widersprechen. Der Beschluss für den Suchlauf fiel einstimmig. Die Deponie soll 30 Hektar umfassen und auf ihnen der Berg mit Erdaushub 25 Meter hoch wachsen.

An diesem Tag ist dies die zweite Station. Zuvor waren die Christdemokraten auf dem Hof der Familie Sautter, einem landwirtschaftlichen Vollbetrieb einschließlich Schweinezucht. Die Kern-Argumente der Landwirte hat ihnen Thomas Sautter schon erklärt: „Es ist ist gut, dass wir den Wald schützen, aber es kann nicht sein, dass diese Politik so weiter geht.“ Seit Artenschutz und Klimawandel die Gesetzgeber umtreiben, scheint jedes Projekt außerhalb von Stadtgrenzen auf einem Feld zu landen. Äcker gelten Naturschützern als totes Gebiet, ihr ökologischer Wert wird nahe Null eingestuft. Und wenn sie bebaut werden, werden wieder Äcker geopfert, um den Eingriff in die Natur auszugleichen. Aber „weltweit wird die Nahrungsmittelproduktion knapp“, sagt Sautter.

Am Spargelhof sind die Argumente, der Zahl der Protestierenden gemäß, zahlreicher. Einer erinnert daran, dass einen Spaziergang von hier 130 Hektar Acker geopfert wurden, damit Menschen Bälle durch eine künstliche Landschaft schlagen. Bondorf hat einen Golfplatz. Bondorf hat auch Böden bester Güte, deutschlandweit, und Bondorf hat sein Sprachrohr im Kreistag, Cornelia Ikker-Spiecker, ebenfalls CDU, die im Ort lebt. „Auf einer Waldfläche kann man wieder Wald pflanzen, aber aus einer Erddeponie wird nie wieder ein Acker.“ So fasst sie alles Gesagte zusammen.

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist alle Aufregung unnötig

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist alle Aufregung unnötig, jedenfalls in Bondorf. Der Erddeponie-Gutachter hat fünf Standorte zu Favoriten erklärt. Sie liegen auf den Gemarkungen von Sindelfingen, Leonberg, Weissach und eben Ehningen. Vier der fünf sind derzeit reines Waldgebiet, einer zu einem guten Teil. Die Äcker bei Bondorf hat der Gutachter nahe der Untauglichkeit eingestuft. „Ich glaube nicht, dass wir uns noch einmal wiedersehen“, sagt Noë, „es sei denn in einer anderen Angelegenheit“. Eine Arbeitsgruppe ist gegründet worden. Wann sie entscheidet ist offen, jedenfalls nicht mehr in diesem Jahr.

So taugt dieser Termin als Beispiel, dass politische Transparenz und Bürgernähe nicht zwingend zum Wohle des Bürgers beitragen. Sogar das Gutachten ist im Internet nachzulesen, und mancher hier hat sich die Lektüre angetan. Offenkundig hat sie mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Zum Beispiel die: Wie kann ein Gutachter überhaupt auf die Idee kommen, Äcker in die engere Wahl zu ziehen? Warum schließt der Kreistag Felder nicht von vornherein aus? Der eine muss, der andere darf nicht. So ist es gesetzlich geregelt, und am Ende „muss Rechtssicherheit bestehen“, sagt Noë, denn gegen gleich welchen Standort sind Klagen zu erwarten.

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