Blick in den Spiegel – doch auch das Spiegelbild des Intendanten des Schauspiels Stuttgart Burkhard C. Kosminski kann nicht voraussagen, wann wieder gespielt wird. Kosminski hofft, im Februar wieder Theater zeigen zu können. Foto: Björn Klein/Schauspiel Stuttgart

Das Schauspiel Stuttgart hat ehrgeizige Pläne für die zweite Saisonhälfte. Intendant Burkhard C. Kosminski plant sieben Premieren, darunter mehrere Uraufführungen.

Stuttgart - Der Schauspielchef Burkhard C. Kosminski bemüht in der Vorstellung sogar die Queen, um Zuversicht zu dokumentieren. „Better Days Will Come“ – es werden bessere Tage kommen, darauf hofft das Schauspiel. Was allerdings nicht unbedingt heißt, dass das, was dann auf der Bühne verhandelt wird, von Glück und Sonnenschein erzählt.

Das Schauspiel, so Kosminski, wolle sich auch damit beschäftigen, wie die Veränderungen durch die Coronazeit „auf uns wirken werden“. Verschwörungstheorien und das Queerdenker-Phänomen zum Beispiel, „die Frage: Welchen Quellen wollen wir Glauben schenken?“, so Kosminski. Darum wird sich der Regisseur Gernot Grünewald in dem Rechercheprojekt „Un/True – Ein Wahrheitsexperiment“ befassen.

Neues Stück von Roland Schimmelpfennig

Eine Migrationsgeschichte von einem unbegleiteten Kind, das aus dem Süden nach Europa kommt, erzählt die Produktion „Fly Ganymed“ – eine Koproduktion mit dem Figurentheater, inszeniert von Nikolaus Habjan, der für seine Arbeiten mit großen Handpuppen bekannt geworden ist.

Die Überschreibung von Arthur Schnitzlers „Reigen“ hat sich der Dramatiker Roland Schimmelpfennig mit „Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit“ vorgenommen. „Ein großer Dichter, toll, wie er den Reigen in die Jetzt-Zeit übertragen hat“, schwärmt der Intendant. Auch als Reaktion auf die Me-Too-Debatte wird in dem Stück über Paarbeziehungen als Personal sowohl ein Filmproduzent als auch eine Transgenderprostituierte auftauchen. Die Uraufführung besorgt die Regisseurin Tina Lanik.

Schon vor 40 Jahren geschrieben und doch wie ein Kommentar auf die aktuelle Klimadebatte liest sich Hans Magnus Enzensbergers Komödie „Der Untergang der Titanic“, die in Stuttgart Premiere feiern wird.

Familie steht im Zentrum einer Arbeit von Milo Rau

Wie die zitierte Königin kommt auch ein Dramatiker aus England – Regisseurin Bernadette Sonnenbichlerbringt „Was Ihr wollt“ auf die Bühne. Und eine neue Regisseurin aus England ist dabei. Rebecca Frecknall sei, so Kosminski, eine der „angesagten britischen Regisseurinnen, die erstmals in Deutschland inszeniert.

Sie arbeitet choreografisch, die Schauspieler stehen bei ihren Inszenierungen aber im Mittelpunkt, es ist also „tolles Schauspielertheater zu erwarten“. Sie wird eine „abgründige Familiengeschichte“ inszenieren. Das Stück „Leuchtfeuer“ stammt von der preisgekrönten irischen Autorin Nancy Harris.

Familie steht auch im Zentrum der Arbeit „Familie“ von Milo Rau. Er greift einen realen Fall auf, den kollektiven Suizid einer Familie in Frankreich. Auf der Bühne recherchiert und gespielt wird dies von Schauspielern, die tatsächlich auch familiär verbandelt sind.

„Pallaksch. Die lange Hölderlin-Nacht“ in Kooperation mit Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Literaturarchiv Marbach und Literaturhaus Stuttgart (ursprünglich 7. November) musste Corona-bedingt verschoben werden und soll im Frühsommer 2021 nachgeholt werden. Ebenfalls verschoben wird Burkhard C. Kosminskis ursprünglich für Mai 2021 geplante Inszenierung von Andres Veiels „Ökozid“. Es wird auf die folgende Spielzeit 2021/22 gelegt.

Info

Der Kartenverkauf für Februar beginnt am 25. Januar 2021 – vorausgesetzt, der Theater-Lockdown wird nicht über den 31. Januar hinaus verlängert. Der Februar-Spielplan wird am 15. Januar 2021 online veröffentlicht.

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