Sanierung, Neubau, Sauberkeit: Eine Gruppe aus unterschiedlichen Bereichen Leonbergs hat eine Planung für die Sportstätten erarbeitet. Was könnte kommen, was nicht?
Wohin mit dem Leonberger Sport? Hallen sind rar und teilweise in miserablem Zustand, und es geht nun mal nicht alles an der frischen Luft – schon gar nicht im Winter. Einen Hoffnungsschimmer gibt es in Form der Halle auf dem Bildungscampus Ezach, der sich aktuell im Bau befindet. Diese soll nun eine genormte Sporthalle werden – Ansätze, eine Küche und weitere Optionen für größere Veranstaltungen zu verbauen, sind inzwischen vom Tisch. Über ein Stuhllager und einen weiteren Raum könne man aber weiter sprechen, sagte der scheidende Leonberger Oberbürgermeister Martin Georg Cohn in seiner letzten Sitzung des Sozial- und Kultusausschusses am Mittwochabend.
Halle im Ezach wird eine Sporthalle – aber was ist mit dem Rest?
Im kommenden Jahr soll die Verwaltung für die Halle ein Planungsbüro beauftragen. Aber was ist mit den anderen Sportstätten in Leonberg? Hier kommt nun die Sportstättenentwicklungsplanung ins Spiel. Mitverantwortlich dafür ist Julia Thurn vom Stuttgarter Institut für Kooperative Planung und Sportentwicklung. Nach einer Bedarfs- und Bestandsanalyse machte sich eine Planungsgruppe aus „lokalen Expertinnen und Experten“ – unter anderem aus Vereinen, Schulen, Stadtverwaltung und Gemeinderat – an ein Gesamtkonzept. Das liegt nun vor und hält einige Vorschläge parat, die mal mehr, aber auch mal weniger realistisch daherkommen.
Allerdings will man die Resultate bei der Stadt keinesfalls im Sande verlaufen lassen. Daher bezeichnete es der Kultur- und Sportamtsleiter Florian Streib auch als „ersten Milestone, ein tolles Produkt“. Mit dem Prozess gehe jetzt auch eine Erwartungshaltung einher, weil so viele Menschen beteiligt gewesen seien. Julia Thurn sprach von einem „roten Faden mit Ansätzen“.
Aber was steht denn nun eigentlich drin in dem gut 90-seitigen Werk? Ein Fokus liegt auch dabei auf den Sporthallen. „Die Stärken-Schwächen-Analyse durch die Planungsgruppe sowie die Befragungen der Schulen und Vereine zeigen, dass die Turn- und Sporthallen in Leonberg Schwächen aufzeigen“, heißt es im Wortlaut. Es bestehe Sanierungsbedarf, auch die Sauberkeit wird vielerorts bemängelt. Ganz abgesehen davon, dass die Kapazitäten der bestehenden Hallen nicht ausreichten, vor allem in der Kernstadt.
Wie geht man so ein Problem in einem ersten Schritt an? Konkret schlägt die Planungsgruppe unter anderem ein digitales Hallenbelegungsprogramm vor, in dem alle städtischen Hallen und Räume erfasst und verwaltet werden. Ein sogenanntes Raumkataster für Sport und Bewegung ist ebenfalls denkbar und soll Alternativen etwa in Kitas, Schulen oder Kirchen identifizieren. Ein „Runder Tisch Belegung“ soll die Abstimmung über die Belegungszeiten transparenter gestalten – Stichworte hier sind „regelmäßig, offen und ehrlich“. Außerdem sollen die Sportvereine bei der Hallennutzung mehr kooperieren.
Hallensanierung als „zentrale Aufgabe der kommenden Jahre“
Doch da wäre ja noch der marode Zustand vieler Hallen. Hierzu soll es ein Sanierungskonzept geben, als „zentrale Aufgabe der kommenden Jahre“. Für die Sanierung der Halle der Ostertag-Realschule gibt es bereits einen Ratsbeschluss, Fahrpläne existieren für die Warmbronner Staigwald- und die Höfinger Strohgäuhalle. Auch bei anderen Hallen solle eine regelmäßige Instandhaltung und Modernisierung erfolgen.
Eine interessante Option wäre die Anschaffung einer sogenannten Interimshalle. Julia Thrum berichtete vom Landkreis Gießen, der für rund 800 000 Euro eine solche gekauft habe: Sie ist transportabel und beheizbar. Wie realistisch dies für Leonberg ist, ist fraglich. Grundsätzlich sieht die Entwicklungsplanung beim Neubau von Hallen Inklusion und Barrierefreiheit vor, Anpassung an den Klimawandel sowie, wenn möglich, Multifunktionalität.
Und die Außenanlagen? Hier rückt – neben der gewünschten stärkeren Kooperation etwa der Fußballvereine vor allem im Winter – der TSV Höfingen in den Fokus. „Die Nutzung der Sportplätze in Höfingen ist im Winter witterungsbedingt problematisch“, heißt es, „der Umbau zu einem Kunstrasenplatz ist aufgrund des Überschwemmungsgebietes nicht realisierbar.“ Deshalb solle eine Verlegung der Sportanlagen geprüft werden. Dabei könnten, bei einer Aufgabe der Sportanlagen im Tal, „die Flächen perspektivisch als Naherholungsgebiet an der Glems genutzt werden“. An anderer Stelle sollten bedarfsgerechte Ersatzflächen der Sportanlagen sowie Nebenanlagen gebaut werden.
Was läuft da beim TSV Höfingen und SV Gebersheim?
OB Cohn warf in diesem Zusammenhang ein, über was nur die wenigsten zu sprechen wagen: „Man darf auch fragen: Wie sieht es mit Höfingen und Gebersheim aus? Wo habt ihr Schnittstellen?“ Diesen Gedanken an eine Kooperation zwischen den Vereinen kommentierte CDU-Stadtrat Dirk Jeutter nur halb im Scherz: „Jetzt hat er’s ausgesprochen!“
FDP-Rätin Ursula Kreutel, selbst einst Deutsche Meisterin im Diskuswurf – bemängelte indes, dass der Spitzensport zu wenig in das Konzept miteinbezogen werde. Was am Ende Realität wird – und wann – das steht in Zeiten klammer Leonberger Kassen in den Sternen. Ein erster Ansatz steht zumindest.
Die Planung in Gänze
Online
Interessierte, die sich die Sportstättenentwicklungsplanung im Detail zu Gemüte führen möchten, sind auf der Webseite der Leonberger Stadtverwaltung richtig. Eine pdf-Datei ist im Ratsinformationssystem der Stadt Leonberg abrufbar.