Plädoyer gegen den Valentinstag Einsamkeit und tote Rosen

Von Lukas Jenkner 

Seine Liebe zeigt man bestenfalls die ganze Zeit und nicht nur an einem Tag. Foto: dpa
Seine Liebe zeigt man bestenfalls die ganze Zeit und nicht nur an einem Tag. Foto: dpa

Der Valentinstag ist ein Monstrum, das Paare nur enttäuschen kann und Singles in der Einsamkeit frieren lässt. Ein Plädoyer gegen die kommerzielle Ausbeutung der Liebe – und für das Glück in kleinen Gesten.

Stuttgart - 1500 Tonnen – so viele Rosen hat die Lufthansa Cargo laut dem Statistikportal Statista im Jahr 2015 zum Valentinstag nach Deutschland geflogen. Rosen, die größtenteils auf Blumenfarmen in Ländern wie Kenia, Ecuador und Kolumbien gezüchtet werden, unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen für die dortigen Menschen. Kleine Auswahl gefällig? Niedrige Löhne, lange Arbeitszeiten, Kinderarbeit und unzureichender Schutz vor giftigen Pflanzenschutzmitteln. 60 Kubikmeter frisches Wasser benötigen Rosen je Hektar – täglich. Schnittblumen im Winter sind leider ökologisch und politisch mindestens so unkorrekt wie der Sonntagsbraten aus der Massentierhaltung oder Donald Trump.

Allein schon deshalb sollten alle Paare Nein sagen zum Valentinstag. Aber weit gefehlt: Mehr als die Hälfte der Deutschen, sagt die Statistik weiter, schenken sich etwas zum Valentinstag, obwohl zugleich Dreiviertel aller Deutschen sagen, dass der 14. Februar ein rein kommerzieller Festtag sei und nichts mit Liebe zu tun habe. Wie das zusammengeht? Durch die fatale Wechselwirkung von Erwartung und Enttäuschung. Bevor die Herzensdame oder der Held enttäuscht sind, wird eben doch noch schnell etwas besorgt.

Tatsächlich gibt es kein schlimmeres Gift für die Liebe als die Erwartung und die Enttäuschung. Er denkt: Erwartet sie einen großen Strauß Rosen? Ein tolles Abendessen? Was ist zu viel und was zu wenig? Sie denkt: Wünscht er sich endlich mal Zweisamkeit oder lieber eine Flasche Whisky, den ich doch überhaupt nicht mag? „Aber Schatz, Du weißt doch, dass ich eigentlich...“, heißt es dann, oder: „Du hast es ja wirklich süß gemeint.“ Am Ende kann es fast nur schief gehen. Man muss ja fast froh sein, dass sich laut Statistik nur rund 14 Prozent der Deutschen wegen des Valentinstages einmal streiten.

Bohrende Fragen sorgender Eltern

Und wir reden ja nur von den Paaren. Was ist mit all den Alleinstehenden? Fast jeder dritte Deutsche ist solo, weiß die Internet-Partnervermittlung Elite Partner. Alles Menschen, die schon genügend damit beschäftigt sind, die langen Sonntage mit Unternehmungen zu füllen und sich zu Weihnachten die bohrenden Fragen der sorgenden Eltern anzuhören. Warum noch einen weiteren Tag schaffen, in denen viele an ihren Beziehungsstatus erinnert werden?

Wahre Liebe braucht keine roten Herzen in Hochglanzprospekten und das Liebesmenü beim Edel-Italiener. Stattdessen sollten die kleinen Momente und Augenblicke im Leben zählen. Liebe sind nicht die aus den Tropen importierten roten Rosen, sondern der Kaffee, den sie ihm morgens kocht, obwohl sie noch im Bett bleiben könnte, oder die Wärmflasche, die er ihr abends vor dem Schlafengehen frisch gefüllt unter die Decke legt.

Lesen Sie jetzt