Salvatore Cirino ist anzumerken, dass der nahende Abschied an ihm nagt. Foto: Caroline Holowiecki

Die Vaihinger Pizzeria Harmonie schließt – nach 40 Jahren. Der Betreiber Salvatore Cirino zieht sich auch aus seinem zweiten Lokal, der L’Osteria del Sud, zurück. Er kapituliere vor den anhaltenden Einschränkungen durch Corona.

Vaihingen - Der 40. Geburtstag. Hierzulande feiert man das Erreichen des Schwabenalters gern auf besondere Art und Weise. Salvatore Cirino ist indes nicht zum Feiern zu Mute. Betrübt steht er in seinem Restaurant, der Pizzeria Harmonie in Vaihingen. Seit vier Jahrzehnten gibt es die Gaststätte am Rand des Vaihinger Ortszentrums nun schon. Seine Tante hat sie seinerzeit eröffnet, später haben er und sein Cousin übernommen. Und nun? Nun ist im Jahr des runden Geburtstags Schluss.

 

Am 28. März werden die letzten Pizzen über die Theke gehen. Salvatore Cirino schließt sein Lokal. Und nicht nur hier geht der Ofen aus. Auch aus seinem zweiten Restaurant, der L’Osteria del Sud, dem Vereinslokal der Hundefreunde unmittelbar neben den Vaihinger Patch-Barracks, zieht der 57-Jährige sich als Pächter zurück. Allerdings: Von diesen beiden Geschäftsaufgaben unberührt bleibt der Betrieb des Lieferservices Harmonie, der auch im Gebäudekomplex an der Österfeldstraße beheimatet ist. Salvatore Cirino erklärt: Das Restaurant und der Lieferdienst haben zwar denselben Namen, laufen aber seit etwa 20 Jahren unabhängig voneinander.

Das Restaurant war sein zweites Zuhause

„Es geht nicht mehr. Es ist kostenmäßig nicht mehr tragbar“, sagt Salvatore Cirino über seine Gastronomie. Was er im Kern meint, sind die Auswirkungen der Coronamaßnahmen: kaum Einnahmen, dafür laufende Kosten. Vor allem die L’Osteria del Sud, die jetzt im Lockdown nicht mal Speisen zum Abholen anbiete, weil sie zu weit abseits liege, fresse die Ersparnisse auf. „Ich zahle da jeden Monat Pacht, ohne dass was reinkommt“, sagt er, und das, was er in der Harmonie mit Abhol-Speisen verdiene, decke die Kosten nicht.

Dem Mann, dessen Eltern 1959 aus der Nähe von Neapel nach Deutschland kamen, ist anzumerken, dass der nahende Abschied an ihm nagt. Das Restaurant sei nach so vielen Jahren für ihn ein zweites Zuhause. Von manchem Stammgast kämen schon die Enkel. „Wir wollten noch fünf Jahre machen“, sagt er. Im hintersten Eck des Gastraumes hängt ein altes Foto. Es zeigt Salvatore Cirino und seinen Cousin, der sich erst im vergangenen Sommer aus privaten Grünen aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Beide stehen vor aufgedeckten Tischen, sie tragen Fliegen. Schon jetzt ist vom einstigen Glanz der rustikalen Wirtschaft nichts mehr zu sehen. Tische und Stühle sind weggeräumt. Pizzakartons stehen in hohen Stapeln in einer Ecke. „Das ist nicht die Harmonie“, sagt der Inhaber. „Wenn ich morgens reinkomme, kommen mir die Tränen.“

Wie es mit dem bald leer stehenden Lokal weitergehen wird, weiß Salvatore Cirino nicht. Das Haus sei verkauft. Den sechs Harmonie-Mitarbeitern habe er kündigen müssen. „Es ist schwer, aber das verstehen alle“, sagt er. Der Wirt selbst hofft, anderweitig unterzukommen. Angebote von befreundeten Gastronomen habe er bereits. Er schaut sich in seinem Lokal um. „Es ist eine schöne Zeit gewesen. Aber irgendwann ist alles vorbei.“