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Am Dienstag wurde in Berlin die neuste Pisa-Studie vorgestellt. Wir haben mit Manfred Prenzel, dem Leiter der Studie in Deutschland gesprochen.

Manfred Prenzel ist Bildungsforscher an der Technischen Universität München und Leiter der neusten Pisa-Studie in Deutschland. Im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten spricht er über den Sinn der Pisa-Studie und die Entwicklungen im deutschen Bildungssystem.
 
Stuttgart - Herr Prenzel, nutzt die Pisa-Studie überhaupt noch etwas?
Sie ist ein Frühwarnsystem. Wir konnten uns in Deutschland über Jahrzehnte nicht international einordnen. Dann kam Pisa im Jahr 2000 – und der Schock, weil wir fast am Ende der Tabelle waren. Der Weckruf durch Pisa war für Deutschland hilfreich. Ich denke, es ist gut, alle paar Jahre zu wissen: Wie sieht es denn aus mit unserer Spitzengruppe. Wo stehen unsere Schüler, wer verliert eventuell den Anschluss – das sind Punkte, wo Vergleichsstudien helfen.
Vor allem schwächere Schüler konnten sich verbessern, die Zahl der Spitzenreiter ist etwa gleich geblieben. Trotz Eliteförderung – woran liegt das?
Da müsste noch mehr getan werden. Unter Eliteförderung versteht man heute nur die Hochbegabten-Programme, die vielleicht zwei oder drei Prozent der Schüler betreffen. Wichtiger wäre es, an 20 oder 25 Prozent zu denken. Und zu schauen, dass dieses obere Viertel angemessen gefördert und gefordert wird und Talente früher erkannt werden. Man muss die Gruppe der Hochbegabten weiter definieren – die brauchen wir, wenn wir den Anteil der Schüler in der Spitzengruppe vergrößern wollen. Da reichen uns drei Prozent nicht.
Soziale Herkunft spielt in Deutschland immer noch eine große Rolle, wenn es um den Erfolg in der Schule geht. Hat sich da etwas getan?
Hier hat sich vieles verbessert. Zum Beispiel sind Kinder aus Arbeiterfamilien deutlich besser im Lesen und in Mathematik als noch vor neun oder zwölf Jahren. Auch ist die Zahl der Kinder aus diesen Familien, die auf ein Gymnasium gehen, gestiegen. Und Kinder mit Zuwanderungshintergrund haben sich in den letzten neun bis zwölf Jahren um bis zu 20 Punkte verbessert. Diese Kinder müssen sich heute von ihrer Leistung her nicht mehr verstecken. Das sind erfreuliche Entwicklungen. Aber man muss auch immer sagen: Das kann noch besser werden.
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