Die Leistungen in der Schule hängen von vielen Faktoren ab. Foto: dpa

In Sachen Lebensqualität müssen sich die deutschen Schulen nicht verstecken: Dies zeigt eine neue Pisa-Auswertung. Hier die fünf wichtigsten Ergebnisse.

Berlin - Die Forscher haben einen neuen Ansatz für die Pisa-Auswertung gewählt: Diesmal heißt die Gretchenfrage nicht, wie gut die Schulen sind, sondern wie gut es den 15-Jährigen von heute in der Schule geht. Hier kommen die wichtigsten Erkenntnisse aus einer Sonderauswertung des jüngsten Naturwissenschafts-Leistungstests der OECD.

Die Lebensqualität der Schüler kann sich sehen lassen

Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Fünfzehnjährigen, die im Rahmen der jüngsten Pisa-Tests zu ihren Lebens- und Lernumständen befragt worden sind, sind ziemlich einverstanden mit ihrem Leben. In Deutschland ist jeder dritte 15-jährige sehr zufrieden, noch einmal etwa vierzig Prozent sind zufrieden mit ihrer Lage. Auf der Zufriedenheitsskala von 0 bis zehn, erreichen die befragten deutschen Schüler einen Durchschnittswert von 7,4 – das liegt leicht über dem OECD-weiten Mittelwert von 7,3. Spitzenreiter ist die Dominikanische Republik mit einem Zufriedenheitsindex von 8,5. Schlusslichter sind Hong Kong (6,5), Korea (6,4) und die Türkei (6,1). In Deutschland bewertet eine Minderheit der Schüler ihre Lage kritisch: Elf Prozent bezeichnet sich selbst als unzufrieden. Zum Vergleich hier ein Blick in die Türkei: Dort ist die Zahl der unzufriedenen Schüler mit 28 Prozent sehr viel höher.

Schulstress hängt stark von den Lehrern ab

Nach den Erkenntnissen der OECD ist das Wohlbefinden der Schüler nicht von guten Noten abhängig. Wer Bestleistungen erzielt, ist nur wenig zufriedener mit seiner Lebenssituation. Nach Angaben des OECD-Bildungsbeauftragten Andreas Schleicher hängen Sorgen und Stress der Schülern dabei generell aber weniger von der Zahl von Klassenarbeiten oder von den Noten ab, als vielmehr vom Verhalten ihrer Lehrer. In Deutschland zeigten sich jeweils mehr als fünfzig Prozent der Schüler häufig besorgt, ob sie einen Test bestehen oder gute Noten erreichen werden. Etwas mehr als vierzig Prozent gab an, selbst dann nervös und aufgeregt zu sein, wenn sie sich gut auf einen Test vorbereitet hatten. Diese Ängste lassen nach Darstellung der OECD allerdings deutlich nach, wenn die Lehrer sich auf das Leistungsniveau ihrer Klasse einstellen oder individuelle Hilfestellung bei Lernproblemen geben. Im Gegenzug werden Besorgnisse deutlich verstärkt, wenn die Schüler sich ungerecht behandelt fühlen oder den Eindruck haben, dass ihr Lehrer sie für dümmer hält, als sie sind.

Eltern haben großen Einfluss auf das Schulleben ihrer Kinder

In Deutschland reden mehr als neunzig Prozent der Eltern fast täglich mit ihren Kinder, mehr als achtzig Prozent nehmen einmal täglich eine gemeinsame Mahlzeit ein und gut dreißig Prozent erkundigen sich nahezu täglich nach den Schulerfolgen und –erlebnissen ihrer Kinder. Wer sich so verhält, legt laut der Pisa-Sonderauswertung eine gute Grundlage für Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit seiner Sprösslinge. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Jugendlichen mit ihren Lebensumständen zufrieden sind, wächst um fast 50 Prozent, wenn Eltern und Kinder regelmäßig gemeinsam essen und um mehr als sechzig Prozent, wenn sie viel miteinander reden. Auch die Leistungen bei den Pisa-Tests werden dadurch besser. Der OECD-Experte Andreas Schleicher nennt einen durchschnittlichen Leistungszuwachs um 19 beziehungsweise 22 Punkte. „Das entspricht einem Vorsprung von mehr als einem halben Schuljahr“, betont Schleicher.

Mobbing ist ein Leistungskiller

In 67 Ländern, die an Pisa teilgenommen haben, funktioniert die Schulgemeinschaft gut. Die Jugendlichen fühlen sich in aller Regel integriert und zugehörig. Mobbing auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer gibt es aber auch. In Deutschland sagten 15,7 Prozent der befragten Schüler; im OECD-Schnitt sind es 18,7 Prozent. In Deutschland gaben fast sechs Prozent der Befragten an, ausgegrenzt worden zu sein; 9 Prozent wurden verspottet, knapp acht Prozent waren übler Nachrede ausgesetzt, drei Prozent wurden geschlagen oder rumgeschubst, etwa zwei Prozent bedroht. Mädchen sind dabei seltener körperliche Gewalt ausgesetzt als Jungen; sie werden eher Opfer üble Nachrede. In Schulen, an denen Mobbing Alltag ist, leidet die Leistungsfähigkeit der Schüler. Laut OECD sind die Testergebnisse an Schulen, an denen aggressive „Bullys“ die Atmosphäre bestimmen, um 47 Prozent niedriger als an Schulen mit einem verträglichen Sozialklima.

Europäer bringen Lebensqualität und Leistung unter einen Hut

Lebensqualität und Leistung an der Schule sind kein Gegensatz. Es gibt Länder, deren Schüler bei den jüngsten Naturwissenschaftstests in Pisa gut abgeschnitten haben, und deren Jugendliche ziemlich einverstanden mit ihrem Leben sind. Dieses Doppelqualifikation ist fest in der Hand Europas: Finnland, Holland, die Schweiz und Estland bringen Lebensqualität und Leistung am besten unter einen Hut und bilden die Spitzengruppe. Deutschland kann dabei ganz gut mithalten und liegt bei der Lebensqualität der 15-Jährigen knapp und bei den Naturwissenschaftlichen Leistungen deutlich über dem OECD-Durchschnitt. Bei der Doppelmesslatte weit hinten liegen Tunesien, Türkei, Griechenland, Italien und die arabischen Emirate. Während Hong Kong, Taipeh, Japan, Korea und Großbritannien bei den Naturwissenschafts-Tests sehr gut abgeschnitten haben, hapert es dort an der Lebensqualität der Schüler.

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