Pilze in Stuttgart Was man über Pilze wissen muss

Von Judith A. Sägesser 

180 Pilzarten haben die Pilzfreunde in Degerloch ausgestellt. Darunter auch Fliegenpilze. Die Führung im Wald musste derweil das erste Mal ausfallen. Foto: dpa-Zentralbild
180 Pilzarten haben die Pilzfreunde in Degerloch ausgestellt. Darunter auch Fliegenpilze. Die Führung im Wald musste derweil das erste Mal ausfallen. Foto: dpa-Zentralbild

Schon ein Stückchen vom Grünen Knollenblätterpilz kann tödlich sein. Was bei Vergiftungssymptomen zu tun ist, worauf Sammler achten sollten und wie sich Champignons am besten aufbewahren lassen, erklären die Pilzfreunde Stuttgart hier.

Degerloch - Herbstzeit ist Pilzzeit. Doch dieses Jahr sieht es mancherorts mau aus. Die Führung rund ums Haus des Waldes in Degerloch musste beim Pilzwochenende abgesagt werden. Weil es schlicht nicht groß etwas zu zeigen gibt, erklärt Claudia Görke, die erste Vorsitzende der Pilzfreunde Stuttgart und Biologin mit dem Schwerpunkt Pilzwissenschaften. Für die Ausstellung haben die Mitglieder des Vereins in anderen Wäldern immerhin 180 verschiedene Arten gefunden. Darunter auch solche, die einem nach dem Verzehr gefährlich werden können.

Gibt es mehr giftige oder mehr ungiftige Pilze?

Laut Claudia Görke gibt es mehr giftige Pilzarten. Zum Beispiel der Grüne Knollenblätterpilz, dessen Verzehr zum Tod führen kann. Aber auch Pilze, die „nur“ eine Magenverstimmung auslösen können. Manche Pilze sind roh nicht für den Verzehr geeignet, gebraten hingegen schon.

Woran erkennt man eine Vergiftung?

Symptome, die auch erst Tage später auftreten können, sind Erbrechen, Brechdurchfall, Schweißausbrüche, Bauchkrämpfe oder Sehstörungen. Im Zweifelsfall sollte man einen Arzt aufsuchen, notfalls die Giftinformationszentren anrufen. Alle, die mitgegessen haben, sollten benachrichtigt werden. Wer noch Reste der verzehrten Pilze hat, sollte sie aufbewahren, das gilt auch für Erbrochenes.

Was sollten Pilzsammler beachten?

Laut Claudia Görke von den Pilzfreunden Stuttgart ist es schwer, Tipps zu geben. Weil giftige und ungiftige Arten teils eng beieinander wachsen, und weil harmlose Pilze gefährliche Doppelgänger haben. Görke rät, sich fachkundigen Rat zu holen. Die Pilzfreunde beraten zwischen Ende August und Anfang November montags von 16.30 bis 18 Uhr kostenlos in der Markthalle.

Darf ich nach Lust und Laune Pilze im Wald sammeln?

Nein. Es gibt Gesetze, die das untersagen. Laut dem Landeswaldgesetz darf man ein Kilogramm am Tag sammeln. Die Bundesartenschutzverordnung legt fest, welche Pilze geschützt und deshalb tabu sind.

Wie bewahrt man Pilze auf?

Pilze halten sich generell nicht allzu lang. Deshalb rät die Fachfrau Claudia Görke, sie möglichst schnell zu verarbeiten. Über ein, zwei Tage halten sich Pilze im Kühlschrank. Am besten in Papier oder Stoff aufbewahren, in Plastik schwitzen sie und werden so feucht.

Darf man Pilze aufwärmen?

Pilze sollte man kein zweites Mal wärmen. Diesen Ratschlag hat sicher jeder schon einmal gehört. Aber stimmt er? Laut Claudia Görke nicht unbedingt. Allerdings sollte das Mahl schnell abgekühlt und dann ebenso rasch wieder aufgewärmt werden. Das gelte aber letztlich auch für Fleischreste. Länger halten sich Pilze, wenn sie gedörrt oder eingefroren werden.

Wie groß ist die radioaktive Belastung bei Pilzen heute?

Noch immer sind Wildpilze laut dem Bundesamt für Strahlenschutz in einigen Gegenden mit dem radioaktiven Cäsium-137 belastet, ausgelöst durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. Das Anreicherungsvermögen unterscheidet sich von Art zu Art. Proben haben Werte von bis zu mehreren Tausend Becquerel pro Kilogramm bei Wild und Speisepilzen ergeben. Zum Vergleich: „In Deutschland ist es nicht erlaubt, Lebensmittel mit einem Radiocäsiumgehalt von mehr als 600 Becquerel pro Kilogramm in den Handel zu bringen“, so das Bundesamt. Für den Eigenverzehr gelte dies nicht. Auf Nummer sicher geht, wer gar keine oder nicht täglich Pilze isst.

Macht der Klimawandel den Pilzen zu schaffen?

Allein die Tatsache, dass die Pilzführung im Degerlocher Wald erstmals ausfallen musste, beweist für Claudia Görke, dass die Trockenheit des Sommers der Pilzwelt geschadet hat. Auch Pilzen droht das Artensterben. Sie brauchen alte Bäume, doch die gebe es in Wirtschaftswäldern kaum noch. Doch nur mit der Hilfe von Pilzen könnten Bäume wachsen. Die Pilze versorgen die Bäume mit Wasser und Nährstoffen.

Woher kommen die Champignons aus dem Supermarkt?

Ein Haushalt in Deutschland isst laut Statista im Jahr knapp zwei Kilogramm Champignons. Damit gehört die Pilzsorte zu den Top-10 der verzehrten Gemüsesorten. Kommerziell hergestellte Sorten werden in der Regel auf einem Substrat aus Stroh, Gips und Hühnermist gezüchtet. Gemäß Zahlen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft übertrumpft der heimische Anbau mit 76 000 Tonnen im Jahr 2017 inzwischen, vor allem aus Polen und Holland, exportierte Ware (gut 70 000 Tonnen).

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
degerloch@stz.zgs.de

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