An der Gutenbergstraße könnten Fahrradgaragen entstehen. Foto: Tilman Baur

Der Bezirksbeirat Stuttgart-West hegt noch immer Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Pilotprojekts, sieht aber auch Positives.

S-West - Noch ringt die Lokalpolitik im Stuttgarter Westen mit ihrer Haltung zu den Fahrradgaragen, die die Verwaltung aufstellen lassen will. Bei einer ersten Vorstellung des Pilotprojekts im Januar hatte es vor allem an der Optik der Container Kritik gehagelt. Bei einem Rundgang Anfang Februar hatten sich die Beiräte ein Bild von den zwölf geplanten Standorten gemacht, ein weiterer Rundgang Mitte des Monats unter der Beteiligung von Radinitiativen soll weitere Erkenntnisse bringen.

Indirekte Fahrradförderung

Mittlerweile gibt es auch positive Stimmen. So hoben einige Räte die Dachbegrünung als einen Pluspunkt hervor. Andrea Teicke von der Fraktionsgemeinschaft Puls lobte, dass es eine Möglichkeit für Menschen mit Pedelecs gebe, diese abzustellen. „Ich könnte ein schweres E-Bike nie in den Keller tragen“, sagte Teicke. Tatsächlich gilt dieser Aspekt unter Radexperten als indirekte Fahrradförderung. Denn was viele Radfahrer vom täglichen Gebrauch abschreckt, sind fehlende sichere Abstellplätze im eigenen Haus. Draußen wollen viele ihre Räder nicht abstellen, schon gar nicht, wenn sie viel Geld gekostet haben.

Die Vertreter der Stadt konnten auch eine andere Kritik abmildern. So hatten sich Mitglieder des Bezirksbeirats vom plötzlichen Sinneswandel der Verwaltung überrumpelt gefühlt und kritisiert, vor vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. Das sei nicht so, sagte Klaus Volkmer vom Amt für Stadtplanung und Wohnen. Vielmehr stehe man am Anfang eines Entwicklungsprozesses, in den die Kritik der Bürger und Politiker einfließen werde. Diese werde man auch zur Sprache bringen, wenn der Gestaltungsbeirat über die Radgaragen diskutiert.

Wirtschaftlichkeit im Auge

Zumal der Hersteller einen gewissen Spielraum hat, auch wenn die Stadt vieles vorgibt, was Form und Gestaltung angeht. Ausgehandelte Verträge gebe es noch nicht, den Auftrag schreibe man erst noch aus, sagte Martin Hasenäcker. Klaus Volkmer zeigte sich in Fragen der Optik entgegenkommend. „Ich finde auch, dass die eingeschossige Variante die bessere ist und die Garagen nicht zu hoch sein sollten.“ Andererseits müsse man die Wirtschaftlichkeit im Auge behalten. In doppelstöckigen Garagen hätten 20 Räder Platz, in einstöckigen eben nur zehn.

Während man in Gewerbegebieten und an Verkehrsknotenpunkten aus Gründen der Transparenz mit Lochblech und der Farbe Anthrazit arbeiten wolle, könne man sich in Wohngebieten weiter eine Variante aus Holz vorstellen, sagte Volkmer. Einige Wünsche des Bezirksbeirats, auch das wurde klar, sind aber allenfalls langfristig umzusetzen.

Für Lastenräder bieten die geplanten Garagen zu wenig Platz. Wie groß der Bedarf der Bürger an den überdachten Abstellmöglichkeiten ist, wird sich im Lauf des Pilotprojekts zeigen. Eine große Nachfrage nach Stellplätzen könnte die Skepsis zerstreuen, die noch immer vorherrscht. So befasste sich Heiner Scholz (SPD) bereits mit Fragen nach einem möglichen Abbau der Garagen: „Wir müssen auch darüber sprechen, was mit den Kisten passiert, wenn der Bedarf nicht das ist.“

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