Das invasive Insekt kann das Dengue-Fieber übertragen und breitet sich im Land aus. Um sein Vorkommen einzudämmen, gibt es landesweit zwei Pilotprojekte – eines davon in Korntal-Münchingen.
Die Eier sind sehr klein, so klein, dass sie mit dem bloßen Auge nicht zu sehen sind. 654 dieser Eier der Asiatischen Tigermücke hat Maylin Meincke vor vier Wochen in einer Falle in Korntal gezählt. Diese Falle befindet sich in einem Gebiet der Stadt Korntal-Münchingen, in dem nicht gezielt gegen das Insekt vorgegangen wird. Einige Straßenzüge weiter, im Garten von Familie Weiß, stellt sich die Situation in diesem Jahr ganz anders dar: es sind deutlich wenige Tigermücken als im Vorjahr. Die Familie empfindet die invasiven Insekten – und potenziellen Krankheitsüberträger – nicht mehr als Belästigung. Jedenfalls nicht in dem Maße, wie im vergangenen Jahr. In der Hochzeit der Plage seien es vor dem Monitoring 30 bis 40 Tigermücken in der Woche gewesen. „Jetzt sind es sechs bis sieben“, sagt Franziska Weiß.
Im Stadtteil Korntal – konkret im Garten von Familie Weiß – läuft derzeit eines von landesweit zwei Pilotprojekten zur Bekämpfung der Asiatischen Tigermücke. Auggen,eine Gemeinde im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist die zweite Pilotgemeinde, die besonders im Fokus des Landesgesundheitsamtes ist.
Dessen Vertreterin Maylin Meincke war am Donnerstag mit Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) in Korntal. Lucha, derzeit wie manch anderer Politiker auf Sommertour im Land unterwegs, informierte sich über das Projekt, mittels dessen der Bestand der Tigermücke wenigstens eingedämmt werden soll.
Es ist nicht das Ziel, die Tigermücke völlig zu eliminieren, das wird an diesem Vormittag in Korntal deutlich. Vielmehr geht es darum, einen lebenswerten Raum auch für den Menschen zu erhalten – oder wie es Luchas Parteifreund, der örtliche Landtagsabgeordnete Markus Rösler formuliert, auf die Zielkonflikt zu schauen, „wo es Kollisionen geben kann“. Er will die Ausbreitung des Insekts zum Anlass einer parlamentarischen Initiative nehmen.
Insekt kann das Dengue-Fieber übertragen
Die Tigermücke kann laut Landesgesundheitsamt Krankheiten wie das Dengue-Fieber übertragen. Das kann dann passieren, wenn sich eine infizierte Person in einer Region mit Tigermücken aufhält und gestochen wird. Bei ausreichend warmen Temperaturen können sich die Erreger in der Tigermücke vermehren und dann nach gut einer Woche mit einem weiteren Stich auf weitere Menschen übertragen werden.
Um den Bestand der Tigermücke also möglichst gering zu halten sei es erforderlich, zunächst ein Bewusstsein für das Insekt zu schaffen. Das ist auch die Erfahrung der Familie Weiß aus Gesprächen in der Nachbarschaft. Nicht jeder hat die Informationen der Stadt so verfolgt wie Korbinian Weiß. So war die Familie auch Teil des Pilotprojekts geworden, bei dem mit Klebe- und Geruchsfallen ebenso wie mit BTI-Tabletten, die im Rathaus ausgegeben werden, experimentiert wird. Bei BTI handelt sich um einen biologischen Wirkstoff unter anderem gegen Tigermücken. „Es geht also darum, so gut wie möglich sämtliche Brutstätten auf dem eigenen Grundstück zu eliminieren und dort wo nicht möglich, die BTI-Tabletten in die Wasserstelle zu geben“, teilt die Stadt Korntal-Münchingen mit.
Stadt will Patenschaften initiieren
Auch wenn sich die Tigermücke tagsüber bevorzugt in Büschen und Hecken aufhalte, benötige das Insekt für die Eiablage stets eine Wasseransammlung. „Insbesondere Regentonnen ohne oder mit nicht richtig angebrachter Abdeckung und offene Gefäße – Eimer, Gießkannen, unbepflanzte Blumentöpfe und Untersetzer – werden häufig von den Tigermücken zur Eiablage benutzt“, teilt die Stadt weiter mit. Franziska Weiß beschreibt, wie sie regelmäßig danach schaut, dass die Familie darauf achtet, keine Wasseransammlungen entstehen zu lassen und dass sie im Rahmen des Pilotprojekts im Umkreis die zahlreichen Gullis kontrolliert. Die Stadt will weitere „Tigermückenkümmerer-Patenschaften“initiieren, bei der sich die Bürger um ein, zwei Straßen kümmern.
Bei dieser Sommertour gehe es nicht um „tue Gutes und Rede davon“, sagt Minister Lucha. Es ginge darum zu erfahren, ob man das Richtige tue. Dass es bei der Eindämmung der Tigermücke nur im Miteinander gehe, signalisierte der Technische Beigeordnete von Korntal-Münchingen, Kai Langenecker – etwa weil man in der Verwaltung gar nicht die Expertise im Umgang mit invasiven Insektenarten habe. Und Familie Weiß weist auf die Telekomschächte hin. Ebenfalls eine Eiablagestelle, die für sie unerreichbar sind. Manfred Lucha hat versprochen, das Thema mitzunehmen.
Reduzierung einer invasiven Art
Fremd
Arten, die sich durch den Menschen in Gebieten außerhalb ihrer Heimat ausbreiten sind invasive Arten. Sie können die einheimischen Arten verdrängen oder etwa gesundheitliche Folgen verursachen, weil das Immunsystem der Menschen hierzulande nicht daran gewöhnt ist.
Vertraut
Weitere Informationen gibt es im Netz, etwa auf der Internetseite der Stadt Korntal-Münchingen oder des Landes.