Die Sanierung von Trockenmauern wie hier in Besigheim ist eine sehr aufwendige Arbeit. Foto: factum/Archiv

Es könnte der Durchbruch in einem lange schwelenden Streit sein: In einem Pilotprojekt kann eine Kommune die Sanierung von Steillagen als Ausgleichsmaßnahme anrechnen.

Ingersheim - In einem lange währenden Streit zwischen Naturschutzbehörde, Kommunen und Wengertern scheint sich ein Durchbruch abzuzeichnen: In einem Pilotprojekt in Ingersheim werden zurzeit Trockenmauern terrassierter Steillagen von einem Wengerter saniert, der dafür einen höheren Zuschuss der Kommune bekommt. Diese wiederum kann in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes die investierten Fördergelder als Ökopunkte werten lassen und beispielsweise als Ausgleichsmaßnahme für Neubaugebiete gegenrechnen.

„Das kann als Blaupause für zukünftige Projekte dienen. Alle warten darauf, dass es bei uns positiv abgeschlossen wird“, sagt Volker Godel, der Bürgermeister Ingersheims. Bislang waren die Fronten vor allem zwischen der Naturschutzbehörde und den Wengertern verhärtet: Weil die Behörde eine Garantie zur Erhaltung der Trockenmauern wollte, bestand sie auf einen Grundbucheintrag der Trockenmauern. Das wiederum lehnten die Wengerter ab, weil sie befürchteten, dann auch für künftige Instandhaltungsmaßnahmen zur Kasse gebeten zu werden.

Ein verwaltungstechnischer Kniff macht’s möglich

Möglich wurde der Kompromiss durch einen verwaltungstechnischen Kniff: Statt dem Grundbucheintrag werden die Steillagen nun ins Baulastenverzeichnis der Kommune aufgenommen. Damit ist es Mitarbeitern der Kommune erlaubt, das Gelände zu betreten und den Zustand der Trockenmauern zu überwachen. Sollten sie wieder verfallen, ist der Wengerter zwar in der Pflicht, sie zu sanieren – nun allerdings auf Kosten der Kommune.

„Damit gibt es für den Wengerter kein allzu großes Risiko mehr“, sagt Godel. Auch Albrecht Dautel, der Bürgermeister von Walheim und maßgeblich beteiligt am Kompromiss, ist froh über diese Lösung. „Das ist eine Chance für alle Kommunen im Neckartal“, sagt Dautel.

Ökopunkte fürs Gewerbegebiet Gröninger Weg

Konkret bekommt der Wengerter für die Sanierung der Trockenmauern 400 Euro pro Quadratmeter von der Kommune ausbezahlt – ein Betrag, der laut Bürgermeister Godel ungefähr die Kosten der Sanierung deckt. Das Pilotprojekt ist eingebunden ist das Ilek-Programm zum Schutz der Kulturlandschaft. Bislang gab es über ein Programm, das neun Kommunen im Neckartal zusammen mit der Felsengartenkellerei Besigheim betreiben, 100 Euro pro Quadratmeter.

Insgesamt geht es um 81 Quadratmeter Trockenmauerwerk, womit eine Summe von 32 400 Euro erreicht wäre. Ebenso viele Ökopunkte kann Ingersheim dann, unter Vorbehalt der Zustimmung der Unteren Naturschutzbehörde, als ökologischen Ausgleich für zukünftige Bauprojekte anrechnen. Volker Godel hat dabei die Erweiterung des zusammen mit Bietigheim-Bissingen betriebenen Gewerbegebiets Gröninger Weg im Sinn.

Kein „doppelter Entzug“

Neben dem Vorteil, dass das Pilotprojekt zur Erhaltung der Kulturlandschaft beitrage, verhindere diese Ausgleichsmaßnahme laut Godel den „doppelten Entzug“ landwirtschaftlicher Flächen. Denn nicht nur bei Neubaugebieten ginge Ackerland verloren, auch bei der Begradigung von Wasserläufen oder der Einrichtung von Grünzonen oder Streuobstwiesen im Rahmen der Öko-Ausgleichsmaßnahmen. Im Frühsommer soll das Projekt beendet sein. Dann dürften weitere Sanierungen folgen.

Das Ilek-Programm

Die Abkürzung Ilek steht für „Integrierte ländliche Entwicklungskonzepte“, eine Maßnahme des Ministeriums für ländlichen Raum in Baden-Württemberg. Dabei können auch Sanierungen von Trockenmauern vom Land bezuschusst werden. Im Landkreis Ludwigsburg gibt es zwei Ilek-Zusammenschlüsse: Zum einen das Ilek-Gebiet Enz, bei dem die Städte Vaihingen/Enz und Mühlacker kooperieren, zum anderen das Ilek-Gebiet Neckar mit zehn Kommunen , darunter Bönnigheim, Ingersheim, Hessigheim, Mundelsheim und Walheim.

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