Schon seit Dezember am Start: das Team des Holzgerliner Schnelltestzentrums von Apotheker Björn Schittenhelm (rechts) Foto: Martin Müller

Das Landratsamt Böblingen beginnt ein Pilotprojekt zur Bekämpfung der Pandemie. „Testen, testen, testen“ als Strategie. In der Region Stuttgart ist dieses Angebot noch einmalig. Aber die Stadt Reutlingen bietet ihren Bürgern den Service auch umsonst an.

Böblingen - Im Kreis Böblingen können sich die Bewohner kostenlos auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen lassen. Das Landratsamt Böblingen startet am Montag, 8. Februar, ein Pilotprojekt, das einen Monat lang dauern soll. Zwei Mal wöchentlich haben Kreisbewohner dann einen Anspruch auf einen kostenlosen Antigen-Schnelltest, der in einem der fünf Schnelltestzentren im Kreis gemacht werden kann. Mit der Eröffnung des fünften Testzentrums in Leonberg am Montag und diesem kostenlosen Angebot sei das Konzept nun komplett, erklärte der Landrat Roland Bernhard am Freitag. „Testen, testen, testen“ wird zwar oft als Strategie zur Pandemiebekämpfung ausgerufen, doch Privatpersonen mussten zuletzt für diese Untersuchung 29 Euro bezahlen.

Vor Weihnachten auf Rechnung des Landes

Vor Weihnachten hatte das Land Baden-Württemberg die Spendierhosen an: 80 000 Schnelltest wurden damals zur Verfügung gestellt, damit sich die Menschen vor der Familienfeier testen lassen können. Die Termine waren schnell ausgebucht. Seit den kostenlosen Coronatests für Reiserückkehrer nach den Sommerferien wurde das Angebot für die Allgemeinheit wieder eingeschränkt. Für Heilberufler wie Ärzte und Pflegekräfte, Physiotherapeuten oder Psychologen gibt es eine Ausnahme, für Besucher von Pflegeheimen und teilweise Krankenhäuser ebenfalls. Lehrer und Erzieher erhalten bei Bedarf über das Land Berechtigungsscheine für Schnelltests. Sindelfingen bietet den Service für alle städtischen Mitarbeiter und am Wochenende für Bürger an, Böblingen gibt demnächst an Kita-Mitarbeiter Schnelltests zum Selbstanwenden aus. Am Donnerstag hatte das Land Baden-Württemberg verkündet, dass teilweise die Kosten für die Testungen bei Grenzpendlern übernommen werden.

Die Stadt Reutlingen bietet von Samstag, 6. Februar, an kostenlose Schnelltests für alle Reutlinger: Drei Mal wöchentlich gibt es dazu in der Stadthalle die Gelegenheit. „Da vermutlich noch einige Monate ins Land gehen, ehe die breite Bevölkerung geimpft werden kann, spielen die Tests eine umso wichtigere Rolle bei der Eindämmung der Pandemie“, sagte der Oberbürgermeister Thomas Keck. Besonders am Herzen liege ihm, dass viele Menschen sich testen lassen, ehe sie ältere Angehörige besuchen. In Bayern ist der Landkreis Pfaffenhofen Vorreiter mit einem solchen Angebot, im Osten war es die Stadt Magdeburg.

Niederschwelliges Angebot wird angenommen

„Das Angebot, sich via Schnelltest Klarheit zu verschaffen, muss niederschwellig sein“, findet auch Roland Bernhard. Im Kreis Böblingen gibt es deshalb von Montag an diese Möglichkeit in den Schnelltestzentren in Holzgerlingen, Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg. Nach einer Online-Terminvereinbarung könnten sich alle Kreisbewohner, die mindestens zwölf Jahre alt sind, dort ohne Wartezeit testen lassen, das Ergebnis liegt nach rund 20 Minuten vor.

„Das war unser Ziel; diese Möglichkeiten wollten wir als Landkreis unseren Bürgern bieten“, sagt Roland Bernhard. Dadurch sollen Infektionen, die sich nicht durch Symptome bemerkbar machen, erkannt werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern. „Wir können Infektionsketten damit nicht nur unterbrechen, sondern unterbinden sie von vornherein“, so der Landrat. Bei mehr als 4400 in den Schnelltestzentren gemachten Untersuchungen seit Ende Dezember konnten bereits mehr als 80 positive Fälle identifiziert werden, hat der Apotheker Björn Schittenhelm, der noch vor Weihnachten in Holzgerlingen das erste Schnelltestzentrum im Kreis eröffnete, ausgerechnet.

Kein Freifahrschein für Unvernunft

Bei einem positiven Ergebnis des Tests in einem der fünf Zentren erfolgt eine Meldung ans Gesundheitsamt und die Betroffenen werden an die zuständige Arztpraxis geschickt, um das Ergebnis mit einem Corona-Test zu überprüfen. Außerdem würden die Menschen immer darauf hingewiesen, dass ein negatives Ergebnis nur eine Momentaufnahme und „kein Freifahrschein für unangebrachtes Verhalten“ sei, betont Roland Bernhard. Wer Symptome hat, solle sich direkt an seinen Arzt wenden.

Mit welchen Kosten für das Pilotprojekt gerechnet wird, teilte das Landratamt nicht mit. Aber die Kreisbehörde betont: Wer als Pflegekraft oder aus einem anderen Grund Anspruch auf eine kostenlose Testung hat, muss diese zuerst in Anspruch nehmen. Trotz des neuen Angebots bleiben die Öffnungszeiten der Schnelltestzentren vorerst die gleichen.

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