Kaufland erprobt an fünf Standorten in Baden-Württemberg sogenannte Apotheken-Terminals – was es mit den Geräten an den Eingängen auf sich hat.
Einkaufen und gleichzeitig Medikamente bestellen – das ist seit einigen Wochen in fünf Kaufland-Filialen in Baden-Württemberg möglich. An den Standorten in Bietigheim, Leonberg, Backnang, Sinsheim und Schwetzingen hat der Handelskonzern im Rahmen eines Pilotprojekts sogenannte Apotheken-Terminals im Eingangsbereich aufgestellt.
Über die Geräte, die Kaufland gemeinsam mit der Bühler-Apotheke entwickelt hat, können Kunden E-Rezepte über ihre Versichertenkarte einlösen und frei verkäufliche Medikamente bestellen. Die Bezahlung erfolgt direkt am Terminal. Zudem lässt sich über eine Scan-Funktion prüfen, ob bestimmte Arzneipackungen vorrätig sind.
Abholung in Bietigheim oder Lieferung nach Hause
„So ermöglichen wir es Kundinnen und Kunden, Medikamente und Rezepte auch ohne Apotheke vor Ort bequem zu bestellen“, sagt Andreas Bühler, Inhaber der Bühler-Apotheken. René Wolf, Leiter Vermietung bei Kaufland, betont: „Wir sehen in dem Thema medizinische Versorgung auf unseren Vermietungsflächen großes Potenzial und glauben, dass dieses Konzept sehr vielversprechend ist.“
Die Terminals sind digital mit der Bühler-Apotheke in der Kaufland-Filiale Bietigheim verbunden, wo die Bestellungen bearbeitet werden. Kunden können ihre Medikamente dort abholen oder sich ab einem Bestellwert von zehn Euro beziehungsweise bei Einlösung eines Rezepts kostenfrei per DHL nach Hause liefern lassen.
Apothekenzahl im Südwesten sinkt weiter
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Ausdünnung des Apotheken-Netzes. Laut Landesapothekerkammer haben im Jahr 2025 in Baden-Württemberg 66 Apotheken dauerhaft geschlossen, während nur neun neue eröffnet wurden. Zum Jahresende gab es noch 2.087 Apotheken im Land – fast ein Viertel weniger als vor 15 Jahren.
Als Hauptgründe für die Schließungen nennt die Kammer die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen. Das Honorar für rezeptpflichtige Medikamente sei seit 2013 nicht angepasst worden, während Personal- und Betriebskosten deutlich gestiegen seien. Kammerpräsident Martin Braun warnte kürzlich vor den Folgen für die Versorgung, besonders in einer alternden Gesellschaft.
Kaufland sammelt Erfahrungen
Kaufland betont, dass es sich um einen Test handle. Man sammele derzeit Erfahrungen, um zu verstehen, wie Kunden das Angebot annehmen und wie sich das Modell im Alltag bewähre. Wo immer möglich, versuche das Unternehmen, Kunden neben dem eigenen Filialangebot auch Fachgeschäfte wie Apotheken anzubieten.
Diese finden sich bei der Mehrheit der Standorte in der Vorkassenzone. Die Terminals sollen dort eine Alternative bieten, wo keine entsprechenden Flächen zur Verfügung stehen.