Die einen halten den Superblock in der Augustenstraße für überflüssig, den anderen geht es mit der endgültigen Umsetzung nicht schnell genug. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Unzufrieden sind im Moment Befürworter wie Gegner des Superblocks in Stuttgart-West. Wie es an der Augustenstraße weitergeht, wird sich nicht wie gedacht im Herbst entscheiden.

Es gibt sie also doch, die Themen, bei denen SPD und AfD, CDU und Linke einer Meinung sind in Stuttgart: ein Sonnenschirm für 3000 Euro, zur Miete, pro Monat – das geht gar nicht, finden alle. Die Stadtverwaltung hatte zwei Schirme für den Superblock in der Augustenstraße ausleihen wollen. Der Technikausschuss lehnte dies aber am Dienstag einstimmig ab. „So schmeißt diese Stadt das Geld nicht hinaus“, meinte stellvertretend für viele CDU-Stadtrat Alexander Kotz.

 

Ansonsten aber blieb der Superblock im Stuttgarter Westen, was er seit der Einrichtung im vergangenen Sommer war: ein Thema, das den Gemeinderat spaltet und immer wieder zum Kulturkampf ausartet. Zugespitzt erheben die einen den Vorwurf, hier werde nur eine woke Stadtgesellschaft bedient, umgekehrt meinen die anderen, die Kritiker beteten immer noch das goldene Autokalb an.

Endgültige Umsetzung wäre frühestens 2030 möglich

Anlass für die Debatten am Dienstag im Technikausschuss war nun ein Zwischenbericht von Andreas Hemmerich vom Stadtplanungsamt. Er schlug vor, den Superblock in vielleicht leicht abgespeckter Version bis zum Frühjahr 2026 zu belassen. Womöglich sollen einzelne Sitz- und Begrünungselemente abgebaut werden. Dieser Fortsetzung des Projekts stimmte später die öko-soziale Mehrheit im Technikausschuss zu.

Anfang 2026 liege wohl ein Evaluationsbericht vor und der Gemeinderat könne entscheiden, ob der Superblock bleiben oder doch beerdigt werden solle, so Hemmerich weiter. Geschockt reagierte aber nicht nur etwa Lucia Schanbacher von der SPD, als der Stadt- und Verkehrsplaner Hemmerich für den Daumen-hoch-Fall mitteilte, dass die früheste endgültige Umsetzung wegen langer Planungszeiten vermutlich erst 2030 oder 2031 möglich sei: „Wir müssen weg vom Goldstandard, weniger ist manchmal mehr“, meinte sie.

Auch sonst hatte Andreas Hemmerich einige Enttäuschungen im Gepäck für die Superblock-Befürworter. Bäume richtig in der Erde anzupflanzen, sei zu aufwendig; es bleibt bei Kübelpflanzen. Die Ampel an der Ecke Senefelder Straße und Rotebühlstraße könne wegen ihres hohen Alters nicht für Radfahrer nachgerüstet werden. Und was weitere Superblocks in der Stadt angeht, blieb die Verwaltung sehr vage. Sebastian Karl von den Grünen und Christoph Ozasek von der Klimaliste regten sich darüber ziemlich auf. Sie erinnerten daran, dass der Gemeinderat bereits beschlossen habe, drei Projekte pro Doppelhaushalt umzusetzen – dies behindere OB Frank Nopper (CDU) aktiv.

Immerhin: Beim Superblock im Westen will die Stadt in der nahen Knospstraße nachjustieren und eine Einbahnstraße einrichten. Es hatte sich dort nach Beschwerden von Anwohnern herausgestellt, dass viele Autofahrer die Straße als Schleichweg benutzen. Dem will man einen Riegel vorschieben. Insgesamt, so betonte Andreas Hemmerich, gebe es keine Verkehrsprobleme im umliegenden Netz – als Projekt zur Verkehrsberuhigung funktioniere der Superblock. Was die Aufenthaltsqualität anbetrifft, so sehen dagegen selbst Befürworter aus SPD und SÖS noch Luft nach oben.

Manche Fraktionen sehen verkehrliche Nachteile

Alexander Kotz, der Fraktionsvorsitzende der CDU, zeigte sich enttäuscht über die geringe Zahl von Rückmeldungen aus dem Quartier. Trotz zahlreicher Beteiligungsformate und mehrerer tausend Bewohner rund um die Augustenstraße hätten sich nur 78 positiv und 38 negativ zum Superblock geäußert. Wenn das Projekt den allermeisten gleichgültig sei, könne man es gleich lassen, so Kotz. Er höre auch kritische Stimmen von Handwerkern, bei denen wegen der schlechteren Anfahrtsmöglichkeiten die Kundenanfragen abgenommen hätten.

Auch AfD-Stadtrat Thomas Rosspacher sprach von „zweifelhafter Legitimation“ und von „massiven verkehrlichen Nachteilen“. Der Grüne-Stadtrat Sebastian Karl sieht dagegen die Vorteile: die Nachbarschaft sei enger geworden, es sei ruhiger im Viertel, und Kinder könnten die Straße sicherer queren.

Insgesamt, so schloss Andreas Hemmerich seinen Bericht, sei der planerische Aufwand für ein solches Projekt hoch und der Aufwand für die Partizipation sogar sehr hoch. Lohnt sich der Superblock trotzdem? Alle warten jetzt auf die Evaluation, die im ersten Quartal 2026 vorliegen soll.