Viele Stuttgarter haben keine EInkaufsmöglichkeit in Wohnungsnähe – das soll sich ändern. Foto: dpa

Viele Stuttgarter haben keine Einkaufsmöglichkeit in Wohnungsnähe – das soll sich ändern. Das Stadtplanungsamt hat Handlungskonzepte entwickelt, für die notwendigen Zuschüsse zeichnet sich im Gemeinderat eine Mehrheit ab.

Wolfbusch/Zazenhausen - In einigen Stuttgarter Stadtteilen wohnen die Menschen 500 Meter und mehr vom nächsten Lebensmittelmarkt entfernt. Im Stuttgarter Norden sind etwa Wolfbusch und Bergheim in Weilimdorf und das zu Zuffenhausen gehörende Zazenhausen solche Gebiete mit einer prekären Versorgungssituation. Zu diesem Ergebnis kam ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten (wir berichteten).

Diese Studie samt möglicher Handlungsoptionen hat Hermann-Lambert Oediger, Leiter der Stadtentwicklung im Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, erst den betroffenen Bezirksbeiräten und nun den Stadträten vorgestellt. Unter anderem waren für Weilimdorf und Zuffenhausen Pilotprojekte angedacht. Um diese Pilotvorhaben umsetzen zu können, hat das Stadtplanungsamt für den Doppelhaushalt 2016/17 insgesamt 60 000 Euro beantragt. Im Haushaltsentwurf der Verwaltungsspitze indes ist dafür kein Geld vorgesehen. Hinzu kommt, dass für die Umsetzung noch Einrichtungszuschüsse benötigt werden, die in der vom Stadtplanungsamt beantragten Summe nicht enthalten sind.

Stadträte wollen das Vorhaben unterstützen

Dennoch ist Oediger zuversichtlich, das Thema angehen zu können, die Resonanz der Stadträte sei sehr positiv gewesen: „Es ist jetzt weniger die Frage, ob, sondern wie intensiv das umgesetzt werden kann.“ Entscheidend sei, wie viel Geld im Haushalt 2016/17 dafür bereitgestellt wird. Nachdem der Gemeinderat das Vorhaben einstimmig beschlossen hat, haben mittlerweile fast alle Fraktionen auch entsprechende Haushaltsanträge vorgelegt. So fordert die AfD, die vom Stadtplanungsamt veranschlagten 60 000 Euro bereitzustellen. Die SPD hat 200 000 Euro beantragt, um damit unter anderem Pilotprojekte umzusetzen und Einrichtungshilfen zu leisten. Auch die Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen, der Freien Wähler (FW) und der Christdemokraten haben den Antrag des Stadtplanungsamts aufgegriffen.

Darüber hinaus haben FW und CDU noch 70 000 Euro als Einrichtungszuschuss für einen sogenannten Bonus-Light in Wolfbusch beantragt. Da dem auch SÖS-Linke-Plus und die Grünen zustimmen werden, kann das Pilotprojekt in dem Weilimdorfer Stadteil wohl angegangen werden. Wie berichtet haben das Stadtplanungsamt und das Sozialunternehmen SBR die Idee entwickelt, am Hubertusplatz einen Bonus-Markt mit reduziertem Angebot einzurichten. „Wir brauchen diesen Zuschuss, damit wir an dem Standort auf eine schwarze Null kommen“, erklärt Hans-Jürgen Beier, Vertriebsleiter bei Bonus.

Vorerst kein Stadtteilcafé für Zazenhausen

Auch für Zazenhausen war ein Pilotprojekt entwickelt worden: In Kooperation mit dem Sozialunternehmen CAP war ein Stadtteilcafé mit Bestellmöglichkeit für Lebensmittel angedacht. Daraus wird vorerst aber nichts: Wie Oediger im Zuffenhäuser Bezirksbeirat erklärte, koste die dafür benötigte Software eine sechsstellige Summe, über die man nicht verfüge. „Das Modell ist nicht abgeschrieben, der virtuelle Markt hat Zukunft“, sagte der Leiter der Stadtentwicklung damals.

Tatsächlich liegt dem Stadtplanungsamt mit „Bonus to go“ schon die nächste Idee vor, die dem für Zazenhausen vorgesehenen Modell recht ähnlich ist. „Bonus hat die Idee, den Einzelhandel in den Vordergrund zu stellen“, erklärt Oediger: Neben einem kleinen Basisangebot zur Nahversorgung sei auch eine Café-Ecke vorgesehen – und die Möglichkeit, sich Waren, die nicht Bestandteil des Basisangebots sind, nach Hause liefern zu lassen. Zunächst solle dieses Konzept aber in der Nähe des Rohrer Bonus-Markts getestet werden, von dem die Kunden beliefert werden sollen.

Etwa 10 000 Euro Zuschuss für die Einrichtung des Ladens würden dafür benötigt, sagt Hans-Jürgen Beier – nicht eingerechnet die Software, die für die Bestellungen benötigt wird. Langfristig sei es gut möglich, das Konzept auf andere Standorte auszudehnen. Denkbar sei auch eine Kombination mit einem anderen Pilotprojekt zur Verbesserung der Nahversorgung, etwa dem Bonus-Light in Wolfbusch.

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