Philipp Fischle lässt gern den Stress und die Hektik am Boden, wenn er seinen Dienst im Cockpit antritt. Foto: privat

Der 22-jährige Philipp Fischle aus Filderstadt-Sielmingen ist Pilot. Das hat sich vor allem wegen einer Erfahrung, die er immer wieder gerne macht, gelohnt.

Filderstadt - Philipp Fischle, 22, ist Pilot bei einer Stuttgarter Firma. Er fliegt Business-Jets von einem Ort zum anderen. Der Sielminger erzählt, was ihn an seinem Beruf fasziniert und was er macht, während der Autopilot fliegt.

Herr Fischle, haben Sie nie Angst beim Fliegen?

Angst nicht, aber Respekt. Wenn man so drüber nachdenkt, ist die Situation schon beeindruckend. Zehn Kilometer Höhe, 900 Kilometer pro Stunde, mehrere Tonnen hochexplosiver Sprit in den Tragflächen. Dass da mal was passiert, das Risiko ist schon da. Aber man ist für alle Situationen gut ausgebildet.

Seit wann wollten Sie Pilot werden?

Ich war als Kind öfters auf einem Segelfluggelände, und das war der erste Kontakt mit Flugzeugen. Und dann hat man hier den Flughafen direkt vor der Haustür.

Was ist das Besondere an dem Beruf?

Ich finde es cool, wenn man Abwechslung hat und nicht nur am Schreibtisch sitzt. Wenn man morgens im Regen zum Dienst kommt, bereitet man alles vor, steigt ein, macht die Tür zu, geht auf die Bahn, startet, durchbricht die Wolkendecke und sieht dann die Sonne. Das fand ich vom ersten Flug an eine der coolsten Sachen am Fliegen. Oder ein Sonnenaufgang über den Alpen. Die Sicht von oben zu haben und den ganzen Stress und die Hektik hier unten zu lassen – das ist schon cool.

Aber es ist schon eine Menge Verantwortung, die Sie haben.

Verantwortung für die Maschine, die ziemlich teuer ist. Und natürlich für die Passagiere und meine Crew. Wobei es keinen Unterschied macht, ob 200 Menschen hinten drinsitzen oder keiner. Ich gehe immer mit derselben Sorgfalt und Disziplin an die Sache ran.

Andreas Lubitz brachte 2015 ein Flugzeug bewusst zum Absturz, 150 Menschen starben, weil er allein im Cockpit saß und Suizid begehen wollte. Was macht das mit einem als Pilot?

Wirklich Gedanken gemacht habe ich mir darüber nicht. Also zumindest nicht so, dass ich mir denke: Hoffentlich passiert mir das nicht. Wenn ich aus dem Cockpit rausgehe und der Kapitän allein ist, wenn ich auf Toilette gehe oder so, da habe ich nie den Gedanken: Was ist, wenn er mich nicht wieder reinlässt? Ist auch nicht gut, wenn man mit solchen Gedanken einsteigt. Das Team im Flieger funktioniert nur, wenn man sich zu 100 Prozent auf seine Kollegen verlassen kann.

Kommen wir zu einem schöneren Thema: Wohin fliegen Sie am liebsten?

Nach Stuttgart. Ich fliege am liebsten immer wieder Stuttgart an, weil das ist ein Gefühl, wie wenn ich als Kind mit meiner Familie im Urlaub war und wieder nach Hause komme. Man erkennt die ersten Häuser seiner Heimat. So ähnlich ist das Gefühl jetzt auch. Ein Gefühl von nach Hause kommen. Außerdem winkt dann meist der Feierabend.

Und was machen Sie, während der Autopilot fliegt?

Da ist Zeit für Privatgespräche. Oder auch mal für ein Nickerchen, wenn man sich kurz ausruhen will. Außerdem frühstücke ich meistens, wenn man dann gerade über den Wolken ist.

Muss das Handy eigentlich wirklich im Flugmodus sein?

Es ist vorgeschrieben, deswegen ja. Man kann auch mal zwei Stunden ohne Handy klarkommen. Aber es ist nicht so, dass man plötzlich die Landeklappen damit bedienen könnte. Es geht mehr um Störgeräusche im Funk. Eigentlich sind wir in anderen Frequenzbereichen unterwegs, aber man will das Risiko ausschließen.

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