Der Salafisten-Prediger Pierre Vogel spricht in Pforzheim. Foto: dpa

Kein Sex vor der Ehe - mit dieser Botschaft ist Pierre Vogel nach Pforzheim gekommen. Der Zuspruch bleibt hinter den Erwartungen zurück. Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen und Kirchenglocken stören die Kundgebung.

Kein Sex vor der Ehe - mit dieser Botschaft ist Pierre Vogel nach Pforzheim gekommen. Der Zuspruch bleibt hinter den Erwartungen zurück. Gegendemonstranten mit Trillerpfeifen und Kirchenglocken stören die Kundgebung.

Pforzheim - Pierre Vogel ist Star der salafistischen Szene in Deutschland. Wenn er in die großen Städte kommt, schart er Hunderte Anhänger um sich, unter ihnen viele Jugendliche. In Pforzheim bleibt der Zuspruch verhalten. Bei der Anmeldung der Kundgebung im Ordnungsamt gaben die Veranstalter 500 Teilnehmer an. Am Samstag aber wirken die nach Polizeiangaben rund 200 Teilnehmer - unter ihnen etliche Gegendemonstranten - recht verloren vor dem Grau des wuchtigen Rathauses auf dem Pforzheimer Marktplatz.

Als der islamische Prediger mit schnellen Schritten zum Lautsprecherwagen geht, läutet das Glockenspiel vom Rathaus. Mehrere Gruppen von Gegendemonstranten lärmen mit ihren Trillerpfeifen. Mitglieder der Partei Alternative für Deutschland (AfD) haben vor der Bronzefigur des „Pforzemer Seckels“ ein Plakat aufgestellt mit dem Spruch: „Deutschland - (k)ein Platz für Extremisten“. Einer von ihnen erklärt: „Wir dulden diese Salafisten nicht, weil sie zum Heiligen Krieg aufrufen.“

Einen solchen Aufruf gibt es in Pforzheim nicht, aber es wird Geld gesammelt für Syrien. Innenminister Thomas de Maizière sagte in einem am Samstag veröffentlichten Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, die Salafisten seien ein Problem wegen der „offenbar guten Rekrutierungsmechanismen“ für bewaffnete Gruppen im syrischen Bürgerkrieg. Bei der Rückkehr nach Deutschland stellten diese Kämpfer dann eine Gefahr für die Sicherheit dar.

In Pforzheim geht es um die Moral - Kein Sex vor der Ehe

Pierre Vogel geht es in Pforzheim zunächst vor allem um die Moral. Das Thema seiner Rede lautet: „Jungfräulichkeit und Familienehre im Islam“. Der Islam verbiete sexuelle Beziehungen vor der Ehe, mahnt der rotbärtige Prediger im hellbraunen, pelzbesetzten Mantel und der weißen Gebetskappe auf dem Kopf. Und das gelte ja auch für das Judentum und das Christentum, auch wenn das nur von den wenigsten Christen eingehalten werde.

Lautstark bemerkbar macht sich das Christentum mit dem vollen Glockengeläut der Schlosskirche St. Michael, gleich oberhalb des Marktplatzes gelegen. Dreimal läuten die Glocken der evangelischen Kirche während der Kundgebung - „zu ganz ungeraden Zeiten“, wie sich ein Pforzheimer wundert.

Pierre Vogel fühlt sich gestört: „Hört ihr mich? Wie lang dauert dat denn hier?“ Der Rheinländer unterbricht seinen Vortrag, aber die Glocken hören nicht auf zu läuten. „Dat dauert mir zu lang. Weiter im Text“, sagt Vogel. Er fragt jetzt: „Was bedeutet das Wort Islam linguistisch?“ Die Antwort gibt er selbst: „Islam bedeutet sich ergeben, sich hingeben dem allmächtigen Gott, auf Arabisch Allah.“ Und der Koran enthalte die Antwort auf alle Fragen.

Der salafistische Prediger richtet seine Worte auch nach Münster. Dort lehrt der Theologe Mouhanad Khorchide einen anderen, nicht dogmatischen, sondern einfühlsamen Islam. Dem strafenden Allah der Salafisten setzt Khorchide einen liebevollen, barmherzigen Gott entgegen, die Hölle sei nur ein metaphysischer Ort. Dem hat Vogel in einem Youtube-Video scharf widersprochen. Der Ort der Hölle sei im Koran ganz wörtlich gemeint. Und wer sich nicht dem Islam zuwende, sagt Vogel in Pforzheim dann gegen Ende seiner mehr als eineinhalbstündigen Rede, komme auch in die Hölle.

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