Gerhard Wörn (li.) kümmert sich gemeinsam mit Mannschaftsarzt Heiko Striegel um VfB-Spieler Naouirou Ahamada. Foto: Pressefoto Baumann/Hansjürgen Britsch

Er ist viel mehr als nur der Physiotherapeut: Gerhard Wörn ist beim VfB Stuttgart auch Vertrauensperson und Ratgeber für Spieler und Trainer. Es gibt noch mehr Gründe, warum der 65-Jährige, der aktuell krankheitsbedingt fehlt, so hoch geschätzt wird.

Natürlich ist das Fachwissen letztendlich das Entscheidende. Wenn ein Physiotherapeut eines Fußball-Bundesligisten darüber hinaus aber auch noch selbst als Profi die Kickstiefel schnürte und schon immer ein Herz für diesen Verein hatte, dann entspricht dies der Wunschvorstellung eines jeden Clubs. Der VfB Stuttgart kann sich glücklich schätzen, dass er seit 32 Jahren einen Mann in seinen Reihen hat, der diesem Idealbild entspricht: Gerhard Wörn.

 

Derzeit fehlt der 65-jährige Schwabe wegen einer Tumorerkrankung an der Prostata, mit der er und der Verein transparent umgehen. „Es ist mir wichtig, offen mit meiner Erkrankung umzugehen. Auch, um auf die Wichtigkeit regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen aufmerksam zu machen“, teilte Wörn auf der VfB-Homepage mit und ist zuversichtlich, nach der Operation die Arbeit zeitnah wiederaufnehmen zu können.

Darauf hoffen alle beim VfB. Denn Wörn genießt höchste Wertschätzung, wie sie in der Bundesliga vielleicht nur einem anderen zuteilwurde: Hermann Rieger, dem ehemaligen „Kultmasseur“ und Vereinsidol des Hamburger SV. Der hatte bayrische Wurzeln und brachte als früherer Skilehrer keinen Fußball-Stallgeruch mit.

Wörn aber ist Fußballer, Schwabe und VfBler durch und durch. Weshalb Rainer Adrion überzeugt ist: „So einen Mann findest du nirgends. Er ist immer up to date, bildet sich fachlich laufend weiter und spielt eben auch als Persönlichkeit und Mensch bei uns eine große Rolle. Er ist ein Glücksfall für den VfB“, sagt das Präsidiums- und Aufsichtsratsmitglied, das früher mit Wörn in einer Mannschaft spielte. Gemeinsam gewannen sie 1980 die deutsche Amateurmeisterschaft mit dem VfB. Fünf Jahre vorher feierte Wörn die deutsche A-Jugend-Meisterschaft (mit Hansi Müller im Team), 1977 stieg er mit dem VfB in die Bundesliga auf.

Seit 1990 wieder beim VfB

Wegen einer Gleitwirbel-Problematik musste er kürzertreten, spielte noch sieben Jahre für den 1. Göppinger SV in der Oberliga, arbeitete nebenher als Physiotherapeut in der Klinik am Eichert, ehe ihn der damalige VfB-Mannschaftsarzt Thomas Frölich 1990 nach Cannstatt zurücklotste. Seitdem gehört das Urgestein wie der Brustring zum VfB. Seine langjährige Erfahrung als Spieler bringt Vorteil beim Heranführen von Rekonvaleszenten. Als ehemaliger Fußballer kann er sehr gut einschätzen, ob es mit einem Einsatz bis zum Spieltag etwas werden könnte oder eben nicht. Das hilft den Spielern, und das hilft den Trainern. Weit über 30 hat Wörn in seiner Zeit beim VfB kommen und gehen sehen.

„Durch seine Erfahrung mit vielen Trainern kann er Strömungen erkennen, Signale aufspüren und damit einem Coach auch helfen, bevor es in die falsche Richtung gehen kann“, sagt Rainer Widmayer, ehemaliger Co-Trainer beim VfB. Für ihn steht fest: „Mit einem Mann wie Gerhard Wörn kann man auch hart über Fußballthemen diskutieren, aber er geht nicht damit hausieren, und es bleibt schon gar nichts zurück.“ Wenn er gefragt wird, gibt er Ratschläge, aber die Entscheidung müssen selbstverständlich die treffen, die für den sportlichen Bereich zuständig sind.

Diskretion steht dabei über allem. Wörn kann sehr gut zuhören, auch für Dinge im privaten Bereich hat er ein offenes Ohr. Er sagt das, was er denkt, nicht, was seine Gegenüber hören wollen. Dazu gehört auch, dass er darauf hinweist, Dinge möglicherweise auch einmal von einer anderen Sichtweise zu betrachten. Das Entscheidende bei alledem: Nie würde irgendetwas davon nach außen dringen.

Ehrlicher Typ mit Einfühlungsvermögen

„Es soll auch Physios geben, bei denen sich die Spieler ausheulen, die dann aber zum Trainer springen, was natürlich Unruhe bringt. So etwas wäre bei Gerhard völlig undenkbar“, sagt Herbert Briem, früherer VfB-Sportdirektor und Wörns Mitspieler im Amateurteam. In die gleiche Richtung zielt die Aussage von Ex-VfB-Profi Silvio Meißner: „Gerhard macht nicht nur hervorragende Arbeit, sondern ist einfach ein guter und ehrlicher Typ, eine echte Vertrauensperson mit ganz viel Einfühlungsvermögen.“

Als Fußballer war Wörn ein Techniker, jetzt wird er kämpfen. Und nicht nur die VfB-Familie drückt ganz fest die Daumen.