Die Geschichte von Johanna Darka

Im Jahr 1999 wurde bei der Journalistin, die sich heute Johanna Darka nennt, nach einer längeren Autofahrt eine Anal-Thrombose festgestellt. Dabei handelt es sich um ein eigentlich harmloses Blutgerinnsel, das ärztlich entfernt werden kann, sich aber in der Regel nach einiger Zeit von selbst zurückbildet.
 
Darka ließ sich auf Anraten von ihrem Hausarzt das Blutgerinnsel entfernen. Es kam zu starken Blutungen und zu einer Nachfolgebehandlung durch einen Chirurgen, der einen operativen Eingriff ambulant vornahm. Dabei wurde Johanna Darka innerlich vielfach verletzt – und zwar so schwer, dass es zahlreicher Nachoperationen durch Spezialisten bedurfte. Sie erstattete Anzeige, es folgte ein jahrzehntelanger Rechtsstreit.

Ihr Kampf zieht sich seit 16 Jahren hin

2002 liegt ein Gutachten vor, das die Fehloperation bestätigt und den Chirurgen als Hauptschuldigen identifiziert. 2006 kam es zur Verhandlung beim Landgericht, bei der Johanna Darka Recht zugesprochen wurde. Doch ihr Kampf um ihr Recht zieht sich auch nach inzwischen 16 Jahren weiter hin.
 

Ihre Geschichte schildert Johanna Darka in ihrem Buch „Die Wunde in mir – Misshandlung auf Krankenschein“ (Books on Demand, ISBN: 978-3-8448-5067-3; 24,80 Euro). Es ist im Internet bestellbar auf ihrer Seite www.johannadarka.com.

Die Journalistin hat zudem eine Online-Petition an Justizminister Maas, Gesundheitsminister Gröhe und den Patientenbeauftragten Karl-Josel Laumann geschaltet. Mit dieser will Darka sich dafür einsetzen, dass das derzeitige Patientengesetz geändert wird, um die Beweislast von den Schultern der Opfer von Behandlungsfehlern zu nehmen. Weitere Infos: www.change.org/patientenrechtegesetz-beweislast.

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h über all die Jahre hinweg durch die fortgesetzte Nichtanerkennung meines Rechts auf Entschädigung von juristischer Seite und vonseiten der ärztlichen Haftpflichtversicherungen zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung entwickelt hat.
Als sich im Uniklinikum der Verdacht bestätigte, dass Ihr behandelnder Arzt Sie falsch therapiert hat, wie sind Sie vorgegangen?
Ich habe Strafanzeige gestellt. Allerdings war das Anliegen der Staatsanwaltschaft, den Fall so schnell wie möglich beizulegen, auch wurde ich von meinem damaligen Rechtsbeistand nicht richtig betreut. Ich habe mir dann einen Anwalt für Medizinrecht genommen und ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das ist sowieso das größte Problem: Solange die Beweislast beim Patienten liegt, muss man alles Mögliche beweisen – selbst das Unmögliche, was gar nicht beweisbar ist. Man muss belegen, dass es sich um einen Arztfehler handelt, und später noch belegen, dass dieser Fehler genau diese körperlichen Leiden hervorgebracht hat, die man heute noch hat. Das alles kostet sehr viel Geld, sehr viel Zeit und sehr viel Nerven, die man als Kranker nicht hat. Da ist man vor existenzielle Probleme gestellt.
Wie haben in Ihrem Fall die verursachenden Ärzte reagiert?
Mein damaliger Hausarzt war sehr kooperativ, hat auch der Staatsanwaltschaft sofort die Patientenakte zur Verfügung gestellt und vor Gericht zugegeben, dass er mich über die Risiken des Eingriffs nicht richtig aufgeklärt hat. Und das empfinde ich als in Ordnung. Der Chirurg, der mich so zugerichtet hat, weigerte sich erst, die Akte herauszugeben, stritt alles ab. Aber dieses Verhalten, dass Ärzte sofort mauern, wenn es darum geht, einen Behandlungsfehler aufzuklären, habe ich sehr oft erlebt. Selbst Ärzte, die mit dem Fehler an sich nichts zu tun hatten, sondern mich nur nachbehandelt haben, wollten – als es um die Erfassung von juristischen Beweisen ging – plötzlich nicht mit hineingezogen werden.
Das Gericht hat Ihnen recht gegeben, dennoch dauert der Rechtsstreit an: Was sind die größten Hürden, die es zu überwinden gilt?
Man kämpft an zwei Fronten: Die eine Hürde ist diese permanente Nachweispflicht, Opfer eines medizinischen Fehlers geworden zu sein. Die zweite große Hürde ist es, seinen Anspruch auf finanzielle Ersatzleistungen geltend zu machen. So habe ich heute, 16 Jahre nach der Fehloperation, noch keine rechte Entschädigung bekommen. Obwohl einer meiner Rechtsanwälte beispielsweise für nur zehn Jahre meines Verdienstausfalls ausgerechnet hat, dass mir hierfür allein 400 000 Euro zustünden. Ganz zu schweigen von den Kosten für Medikamente und Therapien sowie Gutachten. In meinem Fall kam erschwerend hinzu, dass aufgrund von rechtsanwaltlichen Fehlern viele Ansprüche verloren gegangen sind, unter anderem weil Fristen nicht eingehalten wurden oder man mich schlicht falsch beraten hatte.
Sie haben Ihren Leidensweg in einem Buch veröffentlicht, sind mit anderen Betroffenen von ärztlichen Behandlungsfehlern vernetzt und kennen deren Geschichten. Ist das, was Sie erlebt haben, typisch für den Verlauf eines Behandlungsfehlers?
Leider ja. Man glaubt immer, wenn man solche Geschichten wie die meine liest, das wären vielleicht Einzelfälle. Doch ich habe auch aufgrund meiner Recherchen für mein Buch einen Überblick bekommen und weiß: Die grundsätzlichen Hürden wiederholen sich überall. Das ist unerträglich. In unserer Gesellschaft werden Opfer von Ärztefehlern in einen gesellschaftlichen Tabubereich geschoben. Man ist von vorneherein im Unrecht, wird überall abgewiesen – teils mit abstrusen Argumenten.
Was raten Sie Betroffenen?
Trotz dieser großen Machtlosigkeit der Patienten gegenüber der Ärzteschaft, rate ich dennoch jedem Betroffenen, der den Verdacht hat, nicht richtig behandelt worden zu sein, dagegen vorzugehen. Das heißt, seine Krankenkasse einzuschalten. Es gibt auch die Möglichkeit, ein Gutachten über den Medizinischen Dienst des Krankenkassenverbandes (MDK) zu machen. Man sollte auch versuchen, ein Privatgutachten vornehmen zu lassen. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, nimmt dann einen Anwalt für Medizinrecht. Allerdings muss man hier sehr aufpassen: Betroffene sollten sich auf keinen Fall durch irgendwelche Bezeichnungen wie „Wir sind für Patienten da“ blenden lassen, die oft von Kanzleien und sogenannten Kunstfehler-Vereinen nur zu Werbezwecken eingesetzt werden. Besser ist es, vorher zu prüfen und zu erfragen, in welchen Fällen dieser Rechtsbeistand schon mit Erfolg geholfen hat. Denn in dieser Branche wird leider auch oft betrogen im Hinblick auf das eigene Honorar.
Reichen Ihrer Meinung nach die gesetzlichen Bestimmungen als Patientenschutz aus?
Nein. Zum einen braucht es eine unabhängige und unentgeltliche Rechtsberatung für Patienten. So, wie es zurzeit aussieht, wird die Rechtsprechung im Grunde genommen den mal gut, mal sehr schlecht arbeitenden Rechtsanwälten der Medizinopfer und vor allem auch den großen Haftpflichtversicherungskonzernen überlassen. Das Wichtigste aber ist, dass die Beweislast von den Schultern der Betroffenen genommen wird. Das gehört für mich einfach zu den Gesetzen der Menschlichkeit, dass man Patienten nicht zumutet, sich überall rechtfertigen und ihr Leiden beweisen zu müssen. Ein Arzt, der transparent arbeitet, hat von der umgekehrten Beweislast auch nichts zu befürchten. Vor Eingriffen muss er klar über die Risiken aufklären und sich eine Einverständniserklärung vom Patienten geben lassen. Der Patient muss entscheiden können, was mit ihm gemacht wird. Passiert dann ein Fehler, dann sollten die Ärzte auch dazu stehen und dokumentieren, wie es dazu gekommen ist.

Die Geschichte von Johanna Darka

Die Geschichte von Johanna Darka

Im Jahr 1999 wurde bei der Journalistin, die sich heute Johanna Darka nennt, nach einer längeren Autofahrt eine Anal-Thrombose festgestellt. Dabei handelt es sich um ein eigentlich harmloses Blutgerinnsel, das ärztlich entfernt werden kann, sich aber in der Regel nach einiger Zeit von selbst zurückbildet.
 
Darka ließ sich auf Anraten von ihrem Hausarzt das Blutgerinnsel entfernen. Es kam zu starken Blutungen und zu einer Nachfolgebehandlung durch einen Chirurgen, der einen operativen Eingriff ambulant vornahm. Dabei wurde Johanna Darka innerlich vielfach verletzt – und zwar so schwer, dass es zahlreicher Nachoperationen durch Spezialisten bedurfte. Sie erstattete Anzeige, es folgte ein jahrzehntelanger Rechtsstreit.

Ihr Kampf zieht sich seit 16 Jahren hin

2002 liegt ein Gutachten vor, das die Fehloperation bestätigt und den Chirurgen als Hauptschuldigen identifiziert. 2006 kam es zur Verhandlung beim Landgericht, bei der Johanna Darka Recht zugesprochen wurde. Doch ihr Kampf um ihr Recht zieht sich auch nach inzwischen 16 Jahren weiter hin.
 

Ihre Geschichte schildert Johanna Darka in ihrem Buch „Die Wunde in mir – Misshandlung auf Krankenschein“ (Books on Demand, ISBN: 978-3-8448-5067-3; 24,80 Euro). Es ist im Internet bestellbar auf ihrer Seite www.johannadarka.com.

Die Journalistin hat zudem eine Online-Petition an Justizminister Maas, Gesundheitsminister Gröhe und den Patientenbeauftragten Karl-Josel Laumann geschaltet. Mit dieser will Darka sich dafür einsetzen, dass das derzeitige Patientengesetz geändert wird, um die Beweislast von den Schultern der Opfer von Behandlungsfehlern zu nehmen. Weitere Infos: www.change.org/patientenrechtegesetz-beweislast.

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