Der frühere Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück hat bei der Gemeinderatswahl in Pforzheim seine wichtigsten Ziele verfehlt. Aber immerhin wurde er Stimmenkönig. Das beflügelt ihn: Er gibt nichts verloren.
Pforzheim - Alles scheint verloren. Uwe Hück, der sehr kurzfristig und mit Getöse aufgetretene Spitzenkandidat der SPD in Pforzheim, hatte sich zwei Ziele vorgenommen. Erstens wollte er seine Partei so stärken, dass sie mit der CDU eine GroKo im Gemeinderat bilden könnte – mit dieser Mehrheit sollten die großen Miseren in der Stadt endlich angepackt werden. Und zweitens wollte er der AfD Stimmen klauen, um die rechte Hochburg Pforzheim zu schleifen. Immer wieder führte ihn sein Wahlkampf deshalb auf den Haidach, wo viele Russlanddeutsche wohnen.
Beides ist schief gegangen. Die SPD sackte um 2,7 Prozentpunkte ab auf nur noch 13,7 Prozent; gerade fünf Stadträte ergibt das noch, Hück träumte von mehr als zehn. Für die CDU war es eine richtig Klatsche, elf Prozent minus. Zudem hat die Zersplitterung zugenommen – die Zahl der Faktionen und Gemeinschaften erhöht sich von acht auf 13. So richtig jubelt neben den Grünen deshalb nur die AfD: Sie steigt um vier Prozentpunkte auf 14,9 Prozent; die rechtskonservative Partei ist nun die zweitstärkste Fraktion und stellt künftig einen stellvertretenden Bürgermeister.
Hück gibt nichts verloren
Aber nichts ist verloren. Wer den früheren Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück kennt, weiß, dass ihm eine pessimistische Geisteshaltung nicht in den Genen liegt. Wie ein Boxer, der er ja tatsächlich ist, steht er immer wieder auf, und zwar sofort. Und so gibt er sich nur wenige Minuten nach der kalten Dusche des Wahlergebnisses schon wieder kämpferisch.
Er sehe das Ergebnis ganz anders, betont er. Er sei mit riesigem Abstand Stimmenkönig aller Parteien in Pforzheim geworden – für ihn persönlich sei es ein großer Sieg. Zudem habe die SPD kaum drei Prozentpunkte verloren; die Sozialdemokraten in Pforzheim hätten sich also gegen die Tendenz in Land, Bund und Europa gestellt. Das darf man tatsächlich getrost Hücks als Verdienst ansehen. Außerdem habe die AfD weit weniger Stimmen als bei der letzten Landtagswahl. „Ich sehe deshalb eine Trendwende“, betont Hück und fügt hinzu: „Wir räumen jetzt auf in Pforzheim – eine Kehrmaschine habe ich schon bestellt.“ Mit seinem Ergebnis wolle er jetzt auf jeden Fall Fraktionsvorsitzender der SPD werden: „Egal, ob ich für die Arbeit vier Stunden am Tag oder den ganzen Tag brauchen werde.“
Andere Genossen sind skeptischer
Ganz so positiv wie Hück konnten andere SPD-Stadträte das Ergebnis nicht sehen. Annkathrin Wulff, die Kreisvorsitzende und ebenfalls neu im Gemeinderat, spricht von einem bitteren Abend: „Das ist zu wenig dafür, was wir in den letzten Jahren geleistet haben.“ Aber man werde trotzdem alles für Pforzheim geben: „Nach der Wahl ist vor der Wahl“, sagt Claus Kuge, der Wahlkampfmanager der SPD.
Interessant wird es nun, wie sich Uwe Hück im Gemeinderat verhält. Einige Lautsprecher gibt es dort schon, etwa den FDP-Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Rülke. Außerdem sind viele Parteien untereinander zerstritten, so gibt es etwa in Pforzheim zwei grüne Parteien. Alles ist deshalb mit dem Wahlergebnis eher schwerer als leichter geworden. Und selbst in der eigenen Fraktion steht Uwe Hück schon unter Druck. Hück habe „unglaublich gepowert“ im Wahlkampf, sagt Ralf Fuhrmann, der noch amtierende Fraktionsvorsitzende: „Aber jetzt muss er liefern.“
Andreas Sarow, der als Künstler mit seiner schwarzen Villa Furore machte, schaffte es für die CDU ebenfalls als Novize in den Rat. Die Hälfte aller Stadträte sei neu und voller Elan: „Und mit unternehmerischen und kreativen Leuten bringen wir Pforzheim wieder voran“, hofft er.