Eindrucksvolle Ballettszenen bei der Premiere von „Heroes“ in Pforzheim. Foto: Veranstalter

Der erste große Ballettabend am Theater mit Guido Markowitz als Ballettdirektor zeigt als Welturaufführung „Heroes“ zur Musik von David Bowie und Philip Glass. Eine unvorhersehbare Aktualität hat sich mit dem Tod Bowies über die Proben gelegt.

Eine unvorhersehbare Aktualität hat sich über die Proben zu dem seit über einem Jahr geplanten Ballett „Heroes“ von Guido Markowitz gelegt, als der große englische Rockstar David Bowie im Januar verstarb. Nicht nur deshalb hat jetzt die Hommage an den Ausnahmekünstler im Programm des Pforzheimer Theaters einen besonderen Stellenwert.

Der erste Teil des Ballettabends bebildert Stationen im Leben David Bowies unter Einbezug der Originalsongs: Von Little Richards „Tutti Frutti“ (Bowie war begeistert von ihm) bis zum Vermächtnis an seine Fans „Lazarus“ aus dem letzten Album „Black Star“, von „Ziggi Stardust“ bis „Heroes“ aus dem gleichnamigen Album von 1977, einem Bekenntnis zur Liebe im Angesicht der Berliner Mauer.

Der Verwandlungskünstler und geniale Performer bewegte sich durch die unterschiedlichsten Musikstile, vom Rock bis zum Elektropop, vom Hip-Hop bis zu Jazz-Anklängen, wechselte die Geschlechterrollen mit Crossdressing und Glitzerlook.

David Bowie: Überraschend und mit einzigartiger Stimme

David Bowie war immer wieder für Überraschungen gut und überzeugte mit einzigartiger Stimme. Guido Markowitz war bereits in den 70er-Jahren von ihm fasziniert und ließ sich zu diesem Ballettabend inspirieren, bei dem sich die Tänzer im ersten Teil, wie er meint, „so richtig austoben“ können. Aber da prägen doch seine ureigene Choreografie und die Inszenierung mit vielen Assoziationen die Tanzszene. Nicht nur Bowie selbst tritt auf ( getanzt von Daniel Lenz und Johannes Blattner) im Leben mit Höhen und Tiefen, sondern auch „Alter Egos“ werden imaginiert (getanzt von Carlotta Squeri, Davide Guarino und Jacob Gómez Ruiz). Die Ehefrau (Jura Wanga) und die Geliebten (Giulia Cenni, Anastasia Shivrina, Roger Molist-Puigdoménech) und Iggy Popp (Edoardo Novelli) als Wegbegleiter des Stars sind Rollenvorgaben für die Tänzer. Aber auch ein bedrohlich dunkler Schatten ( Tu Ngoc Hoang). Das „China Girl“ wird in einer atemberaubenden akrobatischen Nummer lebendig, und auch „Ziggy Stardust“ (Martina De Dominicis) in einer Extrarolle. Die besten Songs des Superstars bringt das glänzend aufgestellte Ensemble zu Gehör.

Im zweiten Teil des Abends entfaltet sich ein Kaleidoskop an Begegnungen fiktiver Liebespaare vor einer mit Stacheldraht überhöhten Mauer ( Bühne, Projektionen und Kostüme von Philipp Contag-Lada). David Bowie und Brian Eno hatten „Heroes“ im geteilten Berlin in den Hansa-Studios unmittelbar hinter der Mauer produziert. Inspiriert von diesem Album komponierte Philip Glass 1996 seine Symphony Nr. 4 „Heroes“, die, obwohl der „Minimal Music“ zugehörig, mit ihrem Mut zur großen Geste und dem Breitwand-Sound dem Ballettabend großen Glanz verlieh. Die Badische Philharmonie unter Mino Marani präsentierte diese melodische Musik vom betörend-lyrischem Pianissimo der Streicher und Holzbläser bis zum bedrohlichen Sound der Blechbläser in feinen Abstufungen und mit großer Konzentration.

In diesem Teil des Abends, den „Lovers“, verdichtet sich die Choreografie zu einer expressiven und dynamischen Erzählung, bei der alle Gefühle ausgetanzt werden. Horizontale, vertikale und diagonale Bewegungen, Verschlingungen und Schleifungen, die sich in ihrer Zuordnung körperlich oder im Raum ausdrücken. Anziehung und Abstoßung sowie Hochgeschwindigkeit und Innehalten in ihrer jeweiligen Spannung erzeugen Gefühlswerte von warm und kalt und erzeugen parallel zur Musik eine faszinierende Dramatik.

Die Liebespole scheinen wie aufgelöst und austauschbar

In den variantenreichen Pas de Deux scheinen die Liebespole wie aufgelöst und im Gegensatz zum klassischen Ballett wirken die Geschlechterrollen wie bei Bowie austauschbar. Liebende angesichts der Mauer und ein zeitgenössischer Tanz, der die Pole zwischen Individuum und restriktiver Gesellschaft reflektiert. „And the guns shot above our heads/ And we kissed, as though nothing could fall“, sang David Bowie und „Oh we can beat them . . . / Then we could be heroes, just for one day.“

Mit dieser Utopie einer Liebe ohne Grenzen endet ein Ballettabend, der das Publikum auch weiterhin begeistern wird.

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