Pflegezentrum Bethanien in Stuttgart-Möhringen Die Zeichen stehen auf Neuanfang

Von Eileen Breuer 

In Zukunft wird sich viel verändern: Das Pflegezentrum wird abgerissen. Foto: Eileen  Breuer
In Zukunft wird sich viel verändern: Das Pflegezentrum wird abgerissen. Foto: Eileen Breuer

Entstanden als Asyl für chronisch kranke Frauen, beherbergt das Pflegezentrum Bethanien nun 218 Bewohner. Nun feiern Personal und Bewohner am Standort auf den Fildern seinen 40. Geburtstag. In den kommenden Jahren wird sich viel verändern.

Möhringen - Das Pflegezentrum Bethanien liegt umgeben von Feldern am Rande Möhringens. Die Gebäude sind veraltet: grauer Beton inmitten von grüner Landschaft. 40 Jahre hat das Baumaterial auf dem Buckel. Die Mitarbeiter des Zentrums haben 1978 die Arbeit am Standort in Möhringen aufgenommen. Der runde Geburtstag ist für das Pflegezentrum ein Grund zu feiern, gleichzeitig bedeutet er auch einen Neubeginn, denn der gesamte Gebäudekomplex wird abgerissen und neu gebaut.

Die Geschichte des Pflegezentrums beginnt schon vor 1978. Fast ein Jahrhundert eher entstand in Winterbach im Remstal der Wunsch, eine Einrichtung für chronisch kranke Frauen zu schaffen. Gesagt, getan: Am 1. November 1874 wurde das Pflegeheim Bethanien offiziell eingeweiht.

Die Häuser in Winterbach stellten sich irgendwann als alt, marode und unpraktisch heraus. Zunächst planten die Verantwortlichen dort einen Neubau. Dann aber machte die Stadt Stuttgart das Angebot, einen Neubau zu fördern, weil der Bedarf an Pflegeplätzen dort groß war. So entschieden die Gremien der Diakonissenanstalt, das Pflegezentrum, das inzwischen seit 100 Jahren in Winterbach Bewohner beherbergte, nach Möhringen zu verlegen. Die Fertigstellung im Jahr 1978 jährt sich nun zum 40. Mal.

Menschen gehen später ins Heim – und sind dafür pflegebedürftiger

Heute bietet das Haus Platz für 218 Männer und Frauen. Die Anforderungen an das Pflegezentrum haben sich innerhalb der letzten vier Jahrzehnte gewandelt, sagt Geschäftsführer Florian Bommas. „Mit der Zeit haben sich die Bewohner Bethaniens verändert. Die Menschen, die hier früher lebten, waren fitter und selbstständiger“, sagt er.

Dementsprechend konnten die Bewohner bis vor einigen Jahren im Pflegezentrum noch Bahnen in einem Schwimmbecken ziehen und auch eine Kegelbahn zeugt von ihrer Aktivität. Heute sind viele Bewohner weniger mobil. Den Grund sieht Bommas darin, dass die Menschen pflegebedürftiger geworden sind, weil sie im Allgemeinen später als es früher üblich war ins Pflegeheim ziehen. Weil die Versorgung daheim besser geworden sei, könnten sie dort länger wohnen. Zuhause würden sie auch von ambulanten Diensten unterstützt. „Sie bleiben also länger zu Hause, aber sie kommen dann pflegebedürftiger zu uns“, sagt er.

Außerdem, sagt Bommas, trete Demenz häufiger als noch früher auf. Dies führt er auf die gestiegene Lebenserwartung zurück. Diesen Anforderungen stellte sich das Pflegezentrum, indem es vor elf Jahren einen gerontopsychiatrischen Fachbereich eröffnete. Dort leben derzeit 48 Bewohner.

Wohnbereich für orthodoxe Christen ist im Aufbau

Seit 2007 werden außerdem sterbende Menschen in einem Palliative-Care-Bereich gepflegt. „Wichtig ist uns, dass diese Menschen gut versorgt werden“, sagt Geschäftsführer Bommas. Vor allem eines sei dabei wichtig: die Bedürfnisse der Menschen zu kennen. „Viele wollen bei Vorfällen nicht noch mal ins Krankenhaus, sondern hier sterben. Diese Wünsche kennen die Mitarbeiter“, sagt Bommas. Sie riefen zwar trotzdem einen Krankenwagen, würden die Wünsche der Bewohner aber an die Ärzte und Sanitäter weitergeben.

Eine weitere Änderung vollzieht sich soeben: Im Moment baue man einen Wohnbereich für orthodox-gläubige Einwanderer auf. „Wir haben in Stuttgart einen hohen Einwandereranteil“, sagt Bommas. Auf diese Anforderung müssten sich auch die Pflegeheime einstellen. „Gerade Einwanderer der ersten oder zweiten Generation haben die deutsche Sprache oft nicht so gut gelernt, und wenn dann noch Demenz dazu kommt, wird die Kommunikation schwierig“, sagt Bommas. Man könne nicht für alle Einwanderer ein Angebot im Bethanien schaffen: „Weil wir ein christliches Haus sind, haben wir uns auf die orthodoxen Kulturen festgelegt.“ Bisher umfasst der Wohnbereich 30 Plätze, die aber nicht alle von orthodoxen Bewohnern belegt werden.

Das neue Bethanien soll offener und freundlicher werden

Das Pflegezentrum Bethanien versucht, allen Anforderungen gerecht zu werden, doch nicht nur gesellschaftliche Veränderungen zwingen die Einrichtung zum Handeln. Die Gebäude sind veraltet. „Wir sehen, dass Bethanien nach 40 Jahren nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Bommas.

Das Pflegeheim, sagt der Geschäftsführer, entspreche weder den Anforderungen der Bewohner, noch den eigenen und entscheidenderweise auch nicht den Richtlinien der Landesheimbauverordnung. Diese sehen unter anderem vor, dass zu pflegende Menschen in Einzelzimmern leben sollen. Bis 2019 gibt die Verordnung den Heimen Zeit, die neuen Richtlinien umzusetzen. Zwar bleibt die Zahl der Plätze im Bethanien mit 220 etwa gleich, aber die Verteilung wird geändert. In Zukunft werden statt 170 nur noch 120 Menschen im Pflegeheim betreut, der gerontopsychiatrische Fachbereich wird vergrößert und zusätzlich werden die Gebäude anders angeordnet. Insgesamt soll das Bethanien offener und freundlicher wirken.

Nistkästen für Mauersegler und Fledermäuse

Nachdem der Plan den Bürgern zur Ansicht vorgelegt worden war, hatten sie Einspruch eingelegt. Besonders der fehlende Artenschutz war ihnen ein Dorn im Auge. Deshalb sollen nun Maßnahmen ergriffen werden, um Mauerseglern und Fledermäusen Nistplätze zur Verfügung zu stellen, auch ein Krötenzaun soll aufgestellt werden. Der Bauantrag soll noch in diesem Monat eingereicht werden. „Aktuell sind wir im Zeitplan“, sagt Bommas. Bisher plant er, bis Ende 2025 fertig zu sein: „Viele Bewohner freuen sich. Wenn man nach 40 Jahren ein Heim neu baut, ändert sich einiges.“

Sommerfest:
Am Samstag, 23. Juni, 14 bis 17 Uhr, findet im Bethanien ein Sommerfest statt. Neben griechischen Spezialitäten gibt es Bier vom Fass. Ein kostenloser Bus bringt Besucher zwischen 13.30 und 17 Uhr regelmäßig vom Möhringer Bahnhof zum Pflegezentrum am Onstmettinger Weg 35 und zurück. Zur Feier des 40. Geburtstags steigen um 16 Uhr Luftballons in den Himmel.

Redaktion Möhringen

Ansprechpartner
Sandra Hintermayr und Rüdiger Ott
moehringen@stz.zgs.de

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