Die 79-Jährige pflegt aufopferungsvoll ihren an Multiple Sklerose erkrankten Mann. Für ihr Engagement ist sie nun vom ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff ausgezeichnet worden.
Mit einem Festakt in Hannover hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bundesweit Ehrenamtliche ausgezeichnet, die sich in besonderem Maße für Menschen mit Multipler Sklerose (MS) einsetzen. Darunter ist auch Anny Hätinger aus Gäufelden, die den Pflegepreis für die langjährige, hingebungsvolle Pflege ihres an MS erkrankten Ehemanns erhielt. Die Auszeichnung überreichte der frühere Bundespräsident Christian Wulff, der auch Schirmherr der DMSG ist.
Als ihr Mann Werner 1998 mit 50 Jahren an Multipler Sklerose erkrankte, gab Anny Hätinger kurz darauf ihren Beruf als Standesbeamtin auf, um sich ganz der Unterstützung und Pflege ihres Mannes zu widmen. Die MS schritt bei Werner Hätinger von Anfang an rasant voran, heute benötigt der 77-Jährige vollumfängliche Pflege, Tag wie Nacht. Das Paar ist seit über 55 Jahren glücklich verheiratet.
Loslassen, was nicht mehr geht
Anny Hätinger steht ihrem Mann auch heute in allen Lebensbereichen zur Seite, übernahm die zunehmende Pflege kompetent, engagiert und mit beeindruckender Hingabe. Die Pflegepreisträgerin sieht die Pflege ihres Mannes als Herzensangelegenheit, engagiert sich darüber hinaus ehrenamtlich als Leiterin der Kontaktgruppe Böblingen/Sindelfingen, um auch andere MS-Betroffene und Angehörige bei der Bewältigung der MS zu unterstützen. Mit ihrer Geschichte inspiriert die humorvolle, herzliche und starke Frau viele Menschen.
Das Meistern der Krankheit mit seinen wachsenden Einschränkungen im Alltag und das durch die MS-bedingte Loslassen musste das Ehepaar erst Schritt für Schritt lernen. Loslassen, was nicht mehr geht, und sich an dem erfreuen, was noch geht, ist Anny Hätingers Philosophie. Die sympathische Frau richtet den Blick stets nach vorne, bleibt positiv. Mit Tatkraft, Ideenreichtum und Herz stemmt die 79-Jährige den Pflegealltag. Und sorgt mit großem Einsatz dafür, dass soziale Teilhabe für beide möglich bleibt. Denn regelmäßige Begegnungen mit anderen Menschen sind ihr wichtig. Wie auch ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement, das ihr zur Kraftquelle geworden ist.
Reisen ist wertvolle gemeinsame Zeit
Bereits seit 2001 bringt sie sich mit großer Leidenschaft bei der AMSEL ein, ist seit 2015 Leiterin der Kontaktgruppe Böblingen-Sindelfingen. Neben der Organisation der Gruppenaktivitäten, der Buchhaltung und dem Schriftverkehr organisierte sie bis vor wenigen Jahren auch mehrtägige Reisen und Ausflüge. An solchen Reisen nehmen beide auch heute noch gerne teil, auch wenn diese immer mit großem organisatorischen Aufwand verbunden sind. Doch beide empfinden diese Reisen als wertvolle gemeinsame Zeit, die gerade auch (schwerer) Betroffenen ihr Lebensgefühl zurückgeben kann.
Die AMSEL-Kontaktgruppe Böblingen-Sindelfingen ist eine von über 60 landesweiten Anlaufstellen der AMSEL für Menschen mit MS und ihre Angehörigen. Infos unter www.amsel.de/boeblingen-sindelfingen.