In in Schopfheim bei Lörrach muss ein Pflegeheim zwangsweise geschlossen werden. Foto: Erich Meyer/STZN

Zu wenig Medikamente, schlechte Pflege und zu wenig Personal: Im Kreis Lörrach wird ein Pflegeheim geschlossen. Der Fall erinnert an das ehemalige Alloheim in Ludwigsburg.

Schopfheim - Immer wieder waren die Prüfer der Heimaufsicht im Pflegestift Dr. Max Picard in Schopfheim (Kreis Lörrach). Jetzt hat das Landratsamt Lörrach die Reißleine gezogen: Zum nächstmöglichen Zeitpunkt wird dem Seniorenheim mit derzeit 49 Bewohnern die Betriebserlaubnis entzogen. Der Betreiber, die ProCurand GmbH mit Sitz in Berlin, wird das Heim zum 31. März schließen. Der Fall erinnert an die ehemalige Alloheim-Einrichtung in Ludwigsburg, deren Schließung im vergangenen Herbst vom dortigen Landratsamt ebenfalls wegen gravierender Missstände angeordnet wurde.

Zu wenig Medikamente, schlechte Pflege

„Wir bedauern es, diesen drastischen Schritt gehen zu müssen“, erklärt Michael Laßmann, der Leiter des Gesundheitsdezernats im Landratsamt Lörrach. Er verweist auf massive personelle Engpässe und unbesetzte Leitungspositionen in dem Heim, die zu weiteren strukturellen Problemen geführt hätten. „So wurden seit November 2016 zum Teil gravierende Mängel in der Medikamentengabe, der Pflege und der Dokumentation festgestellt“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Seit November 2016 sei die Einrichtung mehrfach kontrolliert worden, auch konkrete Anordnungen seien erlassen worden. Doch die Heimaufsicht konnte nach eigenen Angaben keine „strukturellen Verbesserungen“ erkennen. Allerdings heißt es auch: „Eine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Bewohner besteht aktuell nicht.“

Heimbetreiber aus Berlin: Qualität war nicht zufriedenstellend

Der Betreiber, die ProCurand GmbH, unterhält in fünf Bundesländern insgesamt 24 Einrichtungen, der Schwerpunkt liegt in und um Berlin. Der Träger ist als gemeinnützig anerkannt. „Die ProCurand GmbH bedauert diesen Schritt außerordentlich“, teilt das Unternehmen auf Anfrage schriftlich mit, „das Wohl der Bewohner stand zu jeder Zeit im Vordergrund.“ Der Geschäftsführer Daniel Schuster räumt ein: „Auch für uns war die Qualität der Pflege im vergangenen Jahr nicht zufriedenstellend.“ Als Grund führt das Unternehmen die dünne Personaldecke an – man habe sich noch mehr Zeit erhofft, das Problem zu lösen. In den vergangenen Monaten habe man das Team „stabilisieren“ können.

Das Unternehmen steht nun in der Verantwortung, für die 49 Bewohner neue Plätze zu organisieren. Der Sprecher des Landrats, Torben Pahl, kündigt an, mit anderen Heimleitern in der Region Kontakt aufzunehmen, um zu vermitteln. ProCurand will zudem die Mitarbeiter bei der Suche nach einem Arbeitsplatz unterstützen.

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