In Steinheim sind die Bewohner der Pflegeheime vorsorglich in Sicherheit gebracht worden.. Die Situation ist kritisch. In Wolfsölden entspannt sich die Lage.
Montagmorgen 6.30 Uhr. Eine Abordnung der Feuerwehr Möglingen checkt die Lage an der Murrbrücke. Dramatisch sieht es (noch) nicht aus, aber die Profis wissen, dass sich die Situation ruckzuck ändern kann. „Im Remstal ist es teilweise schlimm und das kann dann auch hierherkommen“, erklärt ein Feuerwehrmann einer Anwohnerin, die etwas ratlos am Ufer der Murr steht.
Vor ein paar Minuten hat die Feuerwehr per Lautsprecher über die „bedrohliche Lage“ informiert und gebeten, die Anweisungen der Kollegen zu befolgen und auch möglichst Kellerräume zu meiden.
Ein paar Meter weiter im Kleeblatt herrscht geschäftiges Treiben. Der erste Bus des Landkreises steht am Eingang parat. Er wird die erste Fuhre der 25 Heimbewohner in das Kleeblattheim nach Murr bringen. Sie nehmen die Aufregung mit großer Fassung. Auch andere Häuser nehmen Bewohner aus Steinheim auf.
Währenddessen klingeln die Mitarbeiterinnen des ambulanten Dienstes die Bewohner im Betreuten Wohnen im ersten und zweiten Obergeschoss aus den Betten. Einige sind von der Durchsage der Feuerwehr schon wach geworden, andere nicht.
Ihnen wird empfohlen ihre Wohnung zu verlassen. Solange der Katastrophenfall nicht ausgerufen ist, bleibt es allerdings bei einer Empfehlung. Die Entscheidung, ob sie zu Freunden oder zur Familie gehen, müssen beziehungsweise können sie selbst treffen.
Wer keinen Platz hat, an dem er Unterschlupf findet, kann sich in die Riedhalle bringen lassen. Die hat die Stadt bereits hergerichtet. „In der Blankensteinhalle finden gerade Realschulprüfungen statt, deshalb die Riedhalle“, erklärt Bürgermeister Thomas Winterhalter, der die zweite Nacht hintereinander auf den Beinen ist.
81 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK stemmen die Evakuierungen der beiden Heime. „Der Großteil ist natürlich aus Steinheim, aber wir haben auch Unterstützung aus Marbach und Ludwigsburg“, sagt Winterhalter.
Geschlossen bleibt auch der Kindergarten in der Steinheimer Sudetenstraße. Noch vor der Öffnung um 7 Uhr sind die Eltern der 82 Kinder informiert worden, berichtet die Kindergartenfachberaterin Christine Klotz, die schon um kurz nach 7 Uhr an der Riedhalle die Stellung hält.
In Remseck ist die Remsbrücke wegen Überflutungsgefahr gesperrt. Umgeleitet wird über die Hochberger Brücke.
Für die Rems, den Zipfelbach und den Strombach wird ein HQ 50 erwartet. „Das Hochwasser in Neckarrems und in Hochdorf steigt stark an“, so Philipp Weber von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit der Stadt. Die betroffenen Anwohner werden gebeten, ihr Hab und Gut zu schützen.
Im Affalterbacher Ortsteil Wolfsölden, in dem bereits Sonntagnacht sechs Personen aus drei Häusern im Bereich der Mühle evakuiert worden sind, entspannt sich die Lage am frühen Montagmorgen etwas, berichtet Bürgermeister Steffen Döttinger. Um kurz nach 8 Uhr wurde der Einsatz beendet.
2019 hatten sich die Straßen in Wolfsölden innerhalb von Minuten in reißende Bäche verwandelt. Die gesamte Ortsmitte von Wolfsölden war damals ein einziger, reißender Bach. Durch die sintflutartigen Regenfälle war damals ein Hang abgerutscht. Am schlimmsten getroffen hatte es 2019 die tiefer gelegene Mühle und die Bewohner der Gebäude dort. Die Fluten hatten das Erdreich um die Abwasserrohre weggeschwemmt und sie schließlich abgerissen. Die Folge: Sie verkanteten sich quer über die Straße, die hinunter zum Mühlenareal führt. „Die Situation jetzt ist aber mit damals Gott sei Dank nicht vergleichbar“, sagt Döttinger.