Ein Kleinkind wurde im Kreis Ludwigsburg aus seiner Pflegefamilie genommen, die Gründe bleiben unklar. Die Pflegeeltern wenden sich nun unter anderem an den Ministerpräsidenten.
Die Pflegeeltern Martina und Stefan Maier haben sich im Kampf mit dem Jugendamt Ludwigsburg um ihr Pflegekind Linus (Namen der Familie zum Schutz des Kindes geändert, Anm. d. Red.) schriftlich an politische Vertreter in Bund, Land und im Landkreis gewandt. In zum Teil gleichlautenden Briefen haben sie unter anderem Ministerpräsident Winfried Kretschmann um „eine Rückmeldung und Unterstützung“ gebeten.
Sie wehren sich damit gegen die Pläne des Jugendamtes, ihr Pflegekind dauerhaft in eine Vollzeitpflegestelle zu vermitteln, obwohl mehrere Gerichte noch mit dem Fall betraut sind. Sowohl die Pflegeeltern als auch die leiblichen Eltern wehren sich gegen das Vorgehen der Behörden, das laut den Pflegeeltern nicht begründet ist.
Im Raum steht daher die Frage, ob die Herausnahme des Kleinkindes aus der Familie rechtmäßig war. Die Maiers selbst haben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gestellt gegen die Mitarbeiter des Landratsamtes Ludwigsburg.
Im April hatte das Jugendamt das Kleinkind aus der Familie genommen. Für die Eltern kam dies völlig unvermittelt. Sie geben an, bis zu diesem Zeitpunkt keine negativen Rückmeldungen der Behörden erhalten zu haben. Die Gründe für die Herausnahme kennen sie bis heute nicht. Wo das Pflegekind heute ist, wissen die Maiers. Kontakt zu dem kleinen Jungen haben sie nicht.
Jugendamt Ludwigsburg verweist auf Schweigepflicht
Die Kreisbehörde in Ludwigsburg, von unserer Zeitung um eine Stellungnahme gebeten, schweigt zu den Vorwürfen. Sie verweist stattdessen auf den Datenschutz. Nur der gesetzliche Vertreter des Kindes könne das Amt von der Schweigepflicht entbinden. Dies sei im konkreten Fall aber verweigert worden. Gesetzlicher Vertreter ist im konkreten Fall der Amtsvormund, er ist beim Jugendamt tätig und unterliegt der Aufsicht des Familiengerichts.
Auf der Online-Spendenplattform Gofundme läuft seit Kurzem eine Hilfsaktion für die verzweifelten Pflegeeltern. Eine Freundin der Familie hat die Aktion ins Leben gerufen. Sie bittet um finanzielle Unterstützung für Martina und Stefan Maier, damit sie die laufenden Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen können, die langjährige Rechtsschutzversicherung trage die Kosten nicht.
„Helft mit, dass der nun schon seit über sieben Monaten andauernde Kampf gegen das Jugendamt nicht irgendwann umsonst war oder aufgrund der persönlichen finanziellen Grenze beendet werden muss“, lautet der Appell der Freundin. Der Zielbetrag sind 5500 Euro.