Alt zu werden kann sehr teuer sein. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Ein Platz im Pflegeheim kostet mehr, als viele netto verdienen – von der Rente ganz zu schweigen. Dass die Preise im Kreis Ludwigsburg so stark steigen, hat vor allem einen Grund.

Die Zahlen, die der Verband der Ersatzkassen (VdEK) Anfang des Jahres veröffentlicht hat, waren erschreckend: Die durchschnittliche Eigenbeteiligung von Pflegebedürftigen sei in Baden-Württemberg im Vergleich zum Vorjahr um fast 300 Euro auf 3532 Euro gestiegen, hieß es in der Meldung. Doch dann meldete sich eine Leserin bei uns: „Das ist viel zu wenig und stimmt 2026 nicht mehr – wo gibt es diese Heime in Baden-Württemberg?“, wollte sie wissen.

 

In dem Stuttgarter Pflegeheim, in dem ihre Mutter seit vergangenem Jahr lebe, seien die Kosten explodiert, berichtete sie. Der monatliche Eigenanteil liege bei 4300 Euro. Ihre Mutter habe aber nur knapp 1300 Euro Rente. Was bedeute, dass weitere 3000 Euro finanziert werden müssten, im Jahr also 36.000 Euro. „Das ist heller Wahnsinn und nicht mehr zumutbar“, so die Leserin, die namentlich nicht genannt werden möchte, damit keine Rückschlüsse auf ihre Mutter möglich sind.

Kreis Ludwigsburg über Landesschnitt

Tatsächlich, so haben unsere Recherchen ergeben, liegt die Höhe des Eigenanteils, der im ersten Jahr des Heimaufenthalts zu bezahlen ist – bei längerer Aufenthaltsdauer sinkt er ein wenig – auch im Kreis Ludwigsburg deutlich über dem genannten Landesschnitt. „2026 gab es eine Preiserhöhung, das Einzelzimmer kostet jetzt 4000 Euro monatlich“, berichtete eine weitere Leserin über das Geschwister-Cluss-Heim in Ludwigsburg. Einfach kündigen und wechseln sei keine Option: „Das Problem ist, dass alle Pflegeheime im Umkreis die Preise erhöht und keine kurzfristig verfügbaren Pflegeplätze für Langzeitpflege haben.“

Doch was sind die Ursachen für den starken Kostenanstieg? Am ehesten nachvollziehbar sind Gehaltssteigerungen der Pflegekräfte, wobei hier noch eine Besonderheit dazukommt: Der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn hatte zusätzliche Stellen initiiert, die anfangs von den Pflegekassen finanziert wurden. „2023 wurden diese Stellen dann in den Pflegesatz überführt“, erklärt Benjamin Grau von der AWO.

Investitionskostenanteil als Preistreiber

Der eigentliche Preistreiber, sagt Stefan Ebert, Geschäftsführer der Kleeblatt-Pflegeheime, sei jedoch der Investitionskostenanteil. „Früher wurden Investitionen durch Land und Landkreis gefördert. Heute müssen Neubauten und Erweiterungen weitgehend ohne Förderung finanziert werden – und diese Kosten werden den Bewohnerinnen und Bewohnern in Rechnung gestellt“, erklärt er. Bei ein und demselben Betreiber können die Kosten je nach Heim und Alter des Gebäudes unterschiedlich ausfallen.

Im Geschwister-Cluss-Heim beträgt der Investitionskostenanteil etwa 207 Euro monatlich, im Albert-Knapp-Heim 286 Euro und im Gerok-Heim 387 Euro. Bei den Kleeblatt-Heimen im Kreis schwankt die Höhe des Investitionskostenanteils zwischen 252 Euro und 638 Euro. Auch Art und Größe des Zimmers spielen dabei eine Rolle. Michel Klier, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Pflege und Wohnformen im Alter bei der AWO, nennt zusätzlich die Abschreibung auf Gebäude und fest installierte Ausstattung als wichtige Faktoren.

Und Tanja Kurz, Sprecherin des Pflegeanbieters Korian, der in Ludwigsburg den 2012 eröffneten Walckerhof betreibt, verweist darauf, dass die Auslastung, die Kostenstruktur, die Kalkulationsansätze oder die Anzahl der Plätze ebenfalls eine Rolle für die Höhe des Investitionskostenanteils spielen. Mit durchschnittlich 3814 Euro je nach Zimmerkategorie und Ausstattung ist der Walckerhof eines der günstigeren Pflegeheime im Landkreis Ludwigsburg und mit 120 Pflegeplätzen auch eines der größten.

Kleine Heime tendenziell teurer

Dass die Größe des Heims die Kosten des Eigenanteils beeinflusst, sieht man an den Kleeblatt-Heimen, die maximal 30 Plätze wohnortnah anbieten und wo ein Platz bis zu 4400 Euro kostet. Ebenso bei den Heimen der Evangelischen Stiftung Altenheime in Ludwigsburg: Im Albert-Knapp-Heim mit seinen 146 Plätzen beträgt der Eigenanteil für ein Einzelzimmer 3946 Euro, im Gerok- und Geschwister-Cluss-Heim mit insgesamt 40 Plätzen 4222 Euro. „Da jede Einrichtung fixe Kosten hat, die auf die vorhandenen Pflegeplätze umgelegt werden, wirkt sich die Größe eines Hauses unmittelbar auf den pflegebedingten Anteil aus“, erklärt Christina Stratmann, die Verwaltungsleiterin der Stiftung.

Frank Winkler, Sprecher des VdEK, verweist noch auf weitere Einflüsse, beispielsweise hohe Immobilienpreise, eine Häufung bestimmter Tarifwerke in manchen Regionen oder die Zahl erfahrener Pflegekräfte mit höherer Vergütung. Immerhin: „Unterschiedliche Preisniveaus sind nach unserer Erfahrung kein Indikator für die Qualität der pflegerischen Versorgung in einzelnen Einrichtungen“, so Winkler.

Wer soll das bezahlen?

Angehörige
Seit dem 1. Januar 2020 können Kinder erst ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von mehr als 100.000 Euro zu einer Beteiligung an den Pflegekosten herangezogen werden. Dabei gilt nur das Einkommen des Kindes, nicht das des Ehepartners. Doch wenn der pflegebedürftige Ehegatte ins Pflegeheim kommt, während der andere zu Hause wohnen bleibt, muss Letzterer sich an den Heimkosten beteiligen.

Kommunen
Auf „Hilfe zur Pflege“ ist inzwischen jeder dritte Heimbewohner angewiesen. Sie macht laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes rund ein Viertel der Sozialhilfe nach SGB XII aus. 2005 waren es erst 15 Prozent.

Forderungen Michael Mruck, Leiter der VdEK-Landesvertretung Baden-Württemberg, fordert, dass das Land Baden-Württemberg Investitions- und Ausbildungskosten für Pflegekräfte übernimmt. Stefan Ebert fordert wie beispielsweise die Caritas einen Sockel-Spitze-Tausch. Das würde bedeuten, dass die Pflegebedürftigen einen festen Sockelbetrag zahlen und alles darüber Hinausgehende von den Pflegekassen übernommen wird. Bislang ist es umgekehrt.