Wenn Altenpfleger kollegial zusammenarbeiten, profitieren auch die Bewohner. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Viele Fachkräfte sind mit der Versorgung alter und kranker Menschen überfordert. Sie klagen über Personalmangel, Zeitdruck und Mehrarbeit. Im Altenzentrum St. Elisabeth ist das anders – auch weil es in der Belegschaft passt.

Eislingen - Nathalie Schulz öffnet eine der Warmhalteboxen, die auf einem Servierwagen stehen. Es gibt Rinderleber, dazu geschmelzte Zwiebelringe, Kartoffelpüree und Salat. „Unsere Bewohner können jeden Tag zwischen drei Menüs auswählen“, sagt die 26-Jährige, die als Altenpflegerin im Altenzentrum St. Elisabeth in Eislingen arbeitet. „Wenn sie wollen, können sie aber auch unterschiedliche Gerichte kombinieren“, ergänzt sie. Schließlich stünden die Wünsche der Bewohner im Vordergrund. Das gilt nicht nur beim Essen: Wer lieber länger schlafe, werde erst später geweckt und versorgt. Wer gerne draußen sei, könne Zeit auf dem langen Balkon verbringen oder – falls es der Gesundheitszustand zulasse – in die Stadt spazieren.

23 Personen versorgt die Altenpflegerin im Wohnbereich St. Vincent gemeinsam mit ihren Kollegen, das sind acht bis neun pro Pflegekraft. Ist eine schneller fertig, hilft sie den anderen. Übernehmen muss sich niemand. „Wir arbeiten hier rückenschonend, können auch auf Hilfsmittel wie Personenlifter zurückgreifen“, sagt Schulz. Es gibt eine Kooperation mit dem Göppinger Gesundheitszentrum Respoaktiv ebenso wie eine Betriebssportgruppe.

Der Mensch steht im Mittelpunkt – Bewohner und Angestellte

Alexander Scheel, dem Vorstand des Altenzentrums, der auch für die Heimleitung und die Pflegedienstleitung zuständig ist, sind solche Angebote wichtig. „Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter gesund bleiben – und dass sie hier bleiben“, sagt er. Das funktioniert offenbar: So gebe es Mitarbeiter, die schon seit mehr als 20 Jahre dort arbeiteten. Generell seien die Fluktuation gering und die Zufriedenheit – wie regelmäßige Mitarbeiterbefragungen zeigten – hoch. Auch Krankheitsfälle gebe es in der Belegschaft kaum, fasst Scheel zusammen. Zwar wisse er, dass der Beruf des Altenpflegers ein aufreibender sei, „aber wir haben es hier mit schweren Schicksalen zu tun, und deshalb ist es wichtig, dass wir uns genug Zeit für unsere Bewohner nehmen“.

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Was das Eislinger Pflegeheim von vielen anderen unterscheidet: Es befindet sich nicht in privater Hand, sondern der katholische Kranken- und Wohlfahrtspflegeverein St. Markus ist der Träger. Laut Scheel müsse man am Ende zwar trotzdem positive Zahlen erwirtschaften, es gehe aber nicht darum, möglichst viel Gewinn herauszuziehen. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“, sagt er.

Kleine Gesten sind erfüllend

So auch an diesem Vormittag: Kurz vor dem Mittagessen säen drei Bewohnerinnen im Kaminzimmer von St. Vincent Kresse ein. Gemeinsam mit zwei Mitarbeiterinnen erinnern sie sich dabei an ihren eigenen Garten, in dem sie einst gearbeitet haben. In der benachbarten Küche duftet es nach Kuchen. Den Teig für die zwei Gugelhupfe, die bald schon fertig sind, haben Bewohner und Betreuer am Morgen gemeinsam zusammengerührt.

Für Schulz ist es dieser Kontakt zu den Bewohnern, der den Beruf zu ihrem ganz persönlichen Traumberuf macht. „Ich habe erst eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau gemacht. Am Ende des Tages hatte ich aber nicht das Gefühl etwas Sinnvolles gemacht zu haben“, erzählt sie. Nach ihrer zweiten Ausbildung zur Altenpflegerin sei das jetzt anders. „Die Bewohner sind einfach dankbar und zeigen das schon durch kleine Gesten, indem sie mir beispielsweise einen Apfel schenken.“

Früher gab es keine Hilfsmittel

Schulz’ Kollegen geht es ähnlich. So sagt der 23-jährige Altenpfleger Sebastian Scheider, dass er den Kontakt zu den Bewohnern brauche, und ergänzt: „Das ist einfach meine Leidenschaft. Ich könnte mir keinen anderen Beruf vorstellen.“ Der Auszubildende Christian Benz (26) hat den Beruf des Altenpflegers „zunächst als Sprungbrett in die Pflege gesehen“. Inzwischen wisse er aber nicht mehr, ob er sich überhaupt noch etwas anderes vorstellen könne. Und die 58-jährige Regina Thode, die die Tagespflege des Altenzentrums leitet, betont bei all den Diskussionen um schlechte Arbeitsbedingungen, dass der Beruf früher viel anstrengender gewesen sei – als es noch keine Hilfsmittel gab.

Zurück in den Wohnbereich St. Vincent: An dem großen Tisch im Aufenthaltsbereich sitzen acht Senioren mit einer Betreuerin und spielen ein Würfelspiel. Die Augenzahl entscheidet, welche Aufgabe zu erledigen ist: Mal sind es Gymnastikübungen, mal Fragen zu Gewürzen oder Gemüsesorten. Jetzt sollen Frauennamen genannt werden: Anita, Regina, Ursula, Maria – den Mitspielern fällt einiges ein. Schulz kommt dazu, wiederholt die Frage für einen schwerhörigen Mann, als ihre Kollegin sie darum bittet. Schulz schätzt den Zusammenhalt unter den Kollegen. Auch zwischen den Wohnbereichen unterstütze man sich, wenn mal einer krank sei. Das sei wichtig, findet sie. „Denn wenn es untereinander nicht gut klappt, kann man auch nicht gut pflegen.“

Einrichtungen: Das Altenzentrum St. Elisabeth besteht aus zwei Pflegeheimen: den Häusern St. Elisabeth und St. Franziskus. Diese bieten neben Dauerpflege- und Kurzzeitpflegeplätzen auch zwei Tagespflegen sowie Betreutes Wohnen. Das Altenzentrum hat einen ambulanten Pflegedienst, der täglich auf etwa zehn Touren im Einsatz ist. Wer nur ab und zu Gesellschaft will, kann im Rahmen der Tagesbetreuung einmal wöchentlich Zeit mit anderen Senioren verbringen. Zusätzlich beliefert das St. Elisabeth rund 180 Personen mit „Essen auf Rädern“.

Arbeitsbedingungen: Die Bezahlung erfolgt nach dem Tarifrecht der Caritas. Das heißt: Ein Altenpfleger nach der Ausbildung verdient monatlich 2841,30 Euro, nach 15 Jahren im Beruf sind es 3614,76 Euro. Zulagen für Sonntags- und Nachtdienste kommen steuerfrei dazu.

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