Winzer wollen ihre Rebblüten schützen Foto: dpa

Heiße Temperaturen wie in den letzten Tagen setzen die Winzer in Deutschland unter Druck. Um ihre Pflanzen vor Krankheiten zu schützen, vertrauen sie vor allem auf eines: Chemie.

Stuttgart/Weinsberg - Winzer greifen zum Weinbau offenbar in erheblichem Maß auf chemische Hilfsmittel zurück. Europaweit kommen rund 60 Prozent der in der Landwirtschaft verwendeten Pilzgifte im Weinbau zum Einsatz – im langjährigen Mittel knapp 90 000 Tonnen pro Jahr. Das ist ein „wirklich hoher Wert“, heißt es beim bundeseigenen ­Julius-Kühn-Institut für Landwirtschaftsforschung. Besonders stark wird gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau gespritzt.

Die EU-Statistikbehörde Eurostat verfügt nicht über aktuelle Daten; nach den letzten verfügbaren Zahlen hat sich der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im deutschen Weinbau zwischen 1992 und 2003 aber mehr als verdoppelt. Fachleute gehen davon aus, dass sich die Situation seither nicht verbessert hat. Demnach bringen die Wein­erzeuger weiterhin pro Jahr mehr als 3000 Tonnen chemische Wirkstoffe auf ihren Weinbergen aus.

In Monokulturen wie dem Weinbau stehe „intensiver Pflanzenschutz“ fast zwangsläufig auf der Tagesordnung, sagte Hanns-Christoph Schiefer von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg unserer Zeitung.

Auch der besonders umstrittene Wirkstoff Glyphosat kommt nach Expertenmeinung im deutschen Weinbau nahezu flächendeckend zum Einsatz. Winzer säubern damit die Freiflächen zwischen den Rebreihen von Bewuchs. Manche Experten halten Glyphosat für „wahrscheinlich krebserregend“.

Rückstände diverser Pflanzenschutzmittel fanden sich nach jüngsten Daten des Bundesamts für Verbraucherschutz auch in Wein. In nur 39 von 218 Proben sei „kein Rückstand eines Pflanzenschutzmittels festgestellt worden“, hieß es. Die zulässigen Grenzwerte wurden allerdings in keiner der 218 Proben überschritten.

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