Die Topf-Systeme des Start-ups Vertical aus Ludwigsburg lassen sich leicht im Zimmer befestigen und locken keine Fliegen an. Entstanden ist die Idee aus einer Not heraus.
Wie so viele andere hat auch Marco Wagner in der Coronazeit ein Faible für Pflanzen entwickelt. Sein Problem war nur, dass ihm für dieses Hobby der Platz fehlte. „Schnell stand der ganze Schreibtisch voll. Es fing an, ein bisschen zu nerven“, sagt der 37-Jährige. Die Lösung lag für ihn auf der Hand: Man könnte seine grünen Lieblinge doch einfach in Töpfen an der Wand befestigen. Er durchforstete das Internet nach Angeboten, habe aber schlicht nichts gefunden, was zugleich schnörkellos und bezahlbar gewesen wäre. Deshalb machte sich der Motion-Designer selbst ans Werk.
Marco Wagner entwickelte eher beiläufig und ohne unternehmerische Ambitionen den Prototypen für einen Topf, den jedermann und jede Frau an der Wand anbringen kann. Das Modell ließ er von einem 3D-Drucker formen. Das war gewissermaßen die Geburtsstunde für das spätere Unternehmen Vertical, das Wagner zusammen mit seiner Lebenspartnerin Alexandra Meßmer im Oktober 2025 gegründet hat, nachdem die Nachfrage immer stärker zugenommen hatte.
Töpfe sind in drei Größen erhältlich
Das Start-up produziert nun auf dem Franck-Areal in Ludwigsburg Töpfe in verschiedenen Farben und drei Größen. Kunden können die Modelle über den Online-Shop unter www.vertical-pot.de bestellen oder auf Messen kaufen. Vom 13. bis zum 15. März sind Meßmer und Wagner zum Beispiel bei der Blickfang in Stuttgart am Start. Rund 1200 Exemplare habe man mittlerweile verkauft.
Wagner und Meßmer hatten anfangs aber auch mit Schwierigkeiten zu kämpfen, mussten eine ganze Weile an ihren Produkten feilen, mal dies, mal jenes optimieren. „Das erste Problem war, dass ich mit Erde gearbeitet habe“, sagt Wagner. „Das hat aber dazu geführt, dass plötzlich überall Trauermücken aufgetaucht sind. Die fühlen sich halt einfach in nasser Erde wohl“, erklärt er. Also schwenkte man auf eine mineralische Substrat-Mischung um, die den Kunden mitgeliefert wird.
Außerdem ließen sich die Töpfe früher nicht ineinanderstecken. Brachen die beiden zu einer Messe auf, war der Kofferraum schnell voll, weil man die Gefäße nicht stapeln konnte. Wagner passte deshalb die Form nochmals an.
Unbefriedigend war für ihn und seine Partnerin zunächst auch, dass man bei den farbigen Töpfen nicht erkennen konnte, wie viel Wasser am Boden steht. Dieses Dilemma merzten die beiden über einen transparenten Streifen aus, der sich an den Töpfen entlangzieht. Damit sieht man, wann der Zeitpunkt zum Gießen gekommen ist. Die beiden Macher von Vertical setzen auf ein System aus Ober- und Untertopf. Im oberen, durchlässigen Gefäß wächst die Pflanze, im unteren wird das Wasser gesammelt.
Die Töpfe sind eckig. Sie schmiegen sich deshalb an die Wand an, wo die Seite mit der größten Fläche andockt. Von dort verringert sich die Höhe des Gefäßes bis zum anderen Ende leicht, sodass die Pflanzen leicht gekippt wachsen. Von der Form her ähneln die konischen Töpfe einem ungleichmäßigen Prisma.
Für welche Pflanzen sich die Töpfe eignen
Befestigt werden sie mit feinen Nadeln. „Das funktioniert, die Metallstifte halten wirklich“, versichert Alexandra Meßmer lächelnd. Man könne jede Standardzimmerpflanze einsetzen. Nur für die größten Töpfe brauche man einen Nagel oder eine Schraube.
Meßmer und Wagner verschicken auf Wunsch mit den Töpfen auch Gewächse, die sie selbst ziehen. Ferner arbeiten sie an einem Verpackungsformat, über das man auch den stationären Handel beliefern könnte. Außerdem haben die beiden ein System ausgetüftelt, mit dem man eine ganze Pflanzenwand bewässern kann. Töpfe sind hier auf mehreren Ebenen miteinander verknüpft und das Wasser kann von oben nach unten durchrieseln.
Herstellung dauert rund zwei Stunden
Die Gefäße selbst entstehen nach wie vor am 3D-Drucker. Das Gerät verflüssigt dazu Spulen mit Plastik. Rund zwei Stunden surrt die Maschine und spritzen die Düsen, bis man einen fertigen Topf herausholen kann. Und schon kann er an der Wand befestigt werden – und der Schreibtisch bleibt frei.