Die zweite Auflage des Schönaicher Polo-Cup war für die Veranstalter ein voller Erfolg. Der Sport schiebt dabei Klischees zur Seite und animiert sogar zum Mitmachen.
Wenn man an den Polosport denkt, dann fallen einem Bilder von adligen Menschen ein, wie sie schick gekleidet am Rand sitzen, ihren Champagner schlürfen, sich mit einem teuren Fächer Luft zu wedeln und mit einem kleinen Fernglas den Sport verfolgen. Es ist dieses elitäre Image, dass den Sport hoch zu Ross stets begleitet. Doch wer sich in Schönaich den 2. Polo-Cup angeschaut hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Statt eines Treffen der Schönen und Reichen war es vielmehr ein Event für Jeden. „Wir haben hier die Polo-Familie zu Gast“, betont Organisatorin Elisabeth Sonntag vom El Sur Polo Club Stuttgart.
Diesen Eindruck lässt sich direkt auf den ersten Blick erhaschen. Am Spielfeldrand stehen vereinzelte Bierzeltgarnituren und mit weißen Hussen überzogene Stehtische unter weißen Sonnenschirmen und Pavillions – wirklich elitär wirkt das nicht. Auch das Publikum ist bunt gemischt. Neben älteren Leute, die im Rahmen einer Fahrradtour oder ihres sonntäglichen Spaziergangs mal einen Blick erhaschen wollen, tummeln sich auch Familie mit kleinen Kinder am Ortsrand von Schönaich. Doch wem das nicht reicht, dem dürfte beim Anblick des Sportfeldes klar werden, dass eben nicht der britische Hochadel zu Gast ist, denn es sieht er nach einem Bolzplatz als nach einem Hofgut aus.
„Eine passende flache Eben zu finden, ist in Baden-Württemberg sehr schwierig“, berichtet Sonntag. Deswegen ist sie umso dankbarer, dass sie in Schönaich auf dem Hof der Familie Holzapfel fündig geworden sind. „Wir haben die geeignetste Fläche gesucht und eben dieses Feld gefunden.“ Es ist zwar etwas wellig und an einer Seite etwas abschüssig, doch die Sportler stört dies keineswegs. Stattdessen jagen sie mit ihren Pferden der weißen, rund neun Zentimeter großen Kugel hinterher, um sie zwischen die beiden Holzpfosten, die 7,2 Meter voneinander getrennt sind, zu bugsieren.
Das ist jedoch alles andere als eine leichte Aufgabe. Zwar können die Spieler immer wieder den Ball weit nach vorne spielen, jedoch gelingt der zweite Schlag beim Hinterherreiten nicht immer. „Das ist gar nicht so einfach“, weiß die Organisatorin aus eigener Erfahrung. Schließlich können die Pferde, die meist aus argentinischer Zucht stammen, bis zu 30 Stundenkilometer schnell werden. Dort die Kugel noch perfekt zu treffen, ist alles andere als eine leichte Aufgabe.
Zur Wahrheit gehört auch, dass bei dem Turnier Spieler antreten, die das Handicap -2 bis 0 besitzen. „Somit haben wir eine Range von Beginnern bis zu erfahrenen Amateurspielern.“ Erst ab +2 gilt man als professioneller Spieler, den Bestwert von +10 hat weltweit lediglich eine Handvoll Spieler. Die Verbesserung des Handicaps gibt es seitens des Verbandes, der bei Turnieren vor Ort ist und das Spiel der Sportler analysiert. Damit die Neulinge besser werden, spielen sie in Schönaich mit argentinischen Profis zusammen. „Es gibt viele professionelle argentinische Spieler in Deutschland, die von April bis November hier und dann die Saison in Argentinien spielen“, erläutert Sonntag.
Von dieser Erfahrung möchte auch Zoe Hassler profitieren, für die 17-jährige Schweizerin ist es erst ihr zweites Turnier. Sie reitet quasi schon ihr ganzes Leben und stieß durch Zufall auf einen ortsansässigen Polo-Klub. „Ich habe dort viel geholfen und war bei jedem Spiel dabei. So habe ich die Passion entdeckt und letzte Saison so richtig angefangen“, schildert die Aargauerin. „Es macht wir wahnsinnig viel Freude, denn es ist ein sehr großartiger Sport.“
Doch bei aller Freude weiß sie auch, dass der Sport sehr taktisch geprägt ist. „Du musst die ganze Zeit den Kopf eingeschaltet haben und überlegen, was ich jetzt machen.“ Schließlich kann nicht jeder blind nach vorne reiten, sondern muss immer bei seinem Gegner sein, um im Fall der Fälle den liegen gebliebenen Ball zu übernehmen. Die Außenstehenden profitieren dabei vom professionellen Blick von Sonntag, die als Moderatorin den Sport erklärt. Jede Entscheidung des Schiedsrichters wird erläutert und auch wichtige Fakten zur Geschichte und dem Spielaufbau vermittelt sie.
Zudem animiert sie die Zuschauer zum Mitmachen. In der Halbzeit zwischen dem zweiten und dritten Abschnitt, die Chucka genannt werden, sollen sie Rasenfetzen wieder in die Löcher stopfen, damit sich Pferd und Sportler nicht verletzen. Doch damit nicht genug: Der Schiedsrichter lässt dabei einen Korken fallen und wer diesen zuerst findet, gewinnt eine Flasche Sekt. Ganz ohne prickelnde, alkoholische Getränke geht es schließlich doch nicht.
Und dennoch: Von „Radball für Neoliberalisten, beziehungsweise Hockey für Tierquäler“, wie der Sport eines von einer Zeitung beschrieben wurde, ist auf dem Schönbuch nichts zu spüren. „Wir machen das mit Leidenschaft“, schildert Hassler. Und auch bei den Menschen vor Ort kommt der Sport gut an. „Wir sind sehr zufrieden, denn es war mehr Publikum hier als letztes Jahr. Wir hoffen, dass das Event jedes Jahr weiterwächst“, meint Sonntag. Die Krönung blieb ihr aber doch verwehrt. Gemeinsam mit ihrem zwölfjährigen Sohn, der zwei Tore im Turnier erzielt hat, verlor sie in einem spannenden Finale. Traurig dürfte sie dennoch nicht gewesen sein, denn ihr Verein hat einmal mehr bewiesen, dass Polo eben doch kein elitärer Sport ist.