2024: Harald Lutz im Gespräch mit Josefa (damals noch) Schmid Foto: Simon Granville

Viele Jahre lang hat Karnevalist Harald Lutz in Leonberg humorvoll den Umzug zum Pferdemarkt am Mikrofon begleitet. Jüngst bekam er von der Stadt den Anruf: Seine Dienste seien nicht mehr gefragt.

Es sei eine Überraschung gewesen, gesteht Harald Lutz. Er ist, wie viele Leonberger wissen, nur sehr selten sprachlos. Als ihn Florian Streib, Leiter des städtischen Amtes für Kultur und Sport, in der vergangenen Woche anrief, musste er aber zumindest kurz nach den richtigen Worten suchen. Denn die Botschaft, die Streib überbrachte, war für Lutz keine schöne. „Mir wurde mitgeteilt, dass es beim Umzug zum Pferdemarkt ein paar Änderungen gebe und ich ihn nicht mehr moderieren werde“, so der stämmige Leonberger mit der tiefen Bassstimme. Gründe für die Entscheidung habe Streib nicht genannt – „nur, dass es bei der Moderation eine Überraschung geben soll“.

 

Art und Weise der Demission laut Lutz „erstaunlich“

Die Art und Weise findet Lutz „erstaunlich“. Im Gespräch fällt auch das Wort „Stil“. „Ich hatte mich gewundert, warum sich im Vorfeld niemand bei mir gemeldet hat“, so der Ehrenpräsident des Karnevalsvereins Gesellschaft Engelberg. Mehr als 15 Jahre hat er den Festumzug beim Leonberger Pferdemarkt moderiert. Geld habe er für seine Dienste nie gewollt. „Was mir angeboten worden ist, ist immer gleich als Spende an den Karnevalsverein geflossen“, berichtet er.

Es darf sehr wohl seltsam anmuten: Harald Lutz, Jahrgang 1953 und nicht wegzudenkender Teil des Leonberger Pferdemarkts sowie des alljährlichen Faschingstreibens inklusive Rathaussturm, soll wirklich seinen Job beim Umzug los sein? Lutz selbst nimmt es sportlich, zumindest nach außen hin. Für den Umzug hat er sich vorgenommen: „Ich stehe wieder oben am Marktplatz, höre dem neuen Kommentator zu und warte auf die Überraschung.“ Außerdem wolle er sich noch von den städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verabschieden und sich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Lediglich Mutmaßungen über Gründe, Stadt schweigt

Bleibt die Frage nach dem Warum. In der Stadt wird schon gemutmaßt: Hängt es mit einer Szene vom Pferdemarkt 2024 zusammen? Als er grinsend ein Interview mit der bei Oberbürgermeister Martin Georg Cohn in Ungnade gefallenen Ersten Bürgermeisterin Josefa Prinzessin von Hohenzollern-Emden (damals noch Schmid) führte? Und das, während der OB neben weiterer Polit-Prominenz oben auf dem Schiff-Festwagen stand? Oder wollte die Stadt einfach eine Neuerung, den viel zitierten „frischen Wind“?

Nichts weiter als Spekulation. Von der Verwaltung gab es auf Nachfrage bis zum Montagabend kein Statement zur Causa.