Der 89. Bietigheimer Pferdemarkt zieht jährlich gut eine Viertelmillion Besucher an. Viele davon kommen immer wieder – teilweise schon seit Jahrzehnten.
„Das ist eines der Top-5-Feste in Baden-Württemberg“, ist sich Bietigheims Oberbürgermeister Jürgen Kessing sicher. Immerhin verzeichnet der Pferdemarkt in seiner Stadt jährlich gut 250 000 Besucher. Aber auch was die flächenmäßige Ausdehnung der verschiedenen Teile des Volksfestes angeht, liegt die Stadt gut im Rennen.
Wer den Rummelplatz, den Krämermarkt, das Reitturnier und die benachbarten Shetlandponys sowie die Ausstellung „Heim und Garten“ besuchen will, braucht Kondition und gutes Schuhwerk. Andererseits bietet die Topografie unter dem Viadukt den Vorteil, dass man schnell vom Rummel zu ruhigen Wegen durchs Grüne kommt. Das machten sich am Samstagnachmittag etliche Familien zunutze, die einen gemütlichen Sommerspaziergang mit Kinderwagen bei angenehmen Temperaturen genossen.
Johannes Püttmer ist mit 95 Jahren der älteste Besucher
Das war im vergangenen Jahr anders, erinnert sich der Göckelesmaier-Wirt Klaus Maier inmitten der Volksfest-Atmosphäre: „Da hatten wir so 38 oder 39 Grad.“ Der Samstag gilt in seinem Festzelt als Seniorennachmittag. Johannes Püttmer, mit 95 Jahren der älteste Besucher an diesem Tag, kann gar nicht mehr zählen, wie oft er schon auf dem Bietigheimer Pferdemarkt war.
Der agile Senior ist auch heuer noch sehr gut zu Fuß und so erklimmt er hurtig die Stufen zur Bühne, wo ihn Jürgen Kessing, Klaus Maier und SWR-Moderator Hansy Vogt erwarten. „Zu Ihnen muss ich ja Hoheit sagen“, so Püttmer an Hansy Vogt. Offenbar sitzt dem Senior immer noch der Schalk im Nacken.
Nur ein Jahr jünger, nämlich 94 Jahre alt, ist ein Mann, der regelmäßig dafür geehrt wird, dass er den mit Abstand weitesten Weg zum Pferdemarkt zurücklegt. Seit 30 Jahren lebt der gebürtige Bietigheimer Alfred Geiger in Sacramento in den USA. Genauso oft ist er aber auch von dort aus wieder zurück in seine Heimatstadt gekommen.
Normalerweise begleitet ihn seine 93-jährige Schwester Rosemarie Stickel, die in ihrer Jugend eine bekannte Leichtathletin war, aber auch schon lange in den USA lebt. „Aber die zieht gerade in einen anderen Bundesstaat um“, berichtet ihr Bruder. Den Geschwistern haben es die Pferde angetan. Rosemarie liebt die prächtigen Rösser beim Umzug, Alfred dagegen die sportlichen Pferde beim Springturnier.
Der Pferdemarkt ist ein Treffen der Reiter-Familie
„Reiter sind wie eine große Familie“, weiß Gabriele Hubl vom Vorstandsteam des Reitervereins Bietigheim-Bissingen. Wer am Fußweg vom Bahnhof her links in Richtung Parkplatz abbiegt, kann dies bestätigen. Dort stehen größere und kleinere Fahrzeuge mit Kennzeichen aus ganz Baden-Württemberg. „Das sind ja drei Pferde“, staunt ein kleiner Junge beim Blick in die geöffnete Tür eines Transporters. Vor etlichen Gefährten stehen Campingtische und -stühle, einige Menschen machen gerade Kaffeestunde, während Hunde ihre Freiheit genießen und Freundschaft mit vierbeinigen Artgenossen schließen.
Zum 89. Bietigheimer Pferdemarkt gab sich zudem ein prominentes Reiter-Familienmitglied die Ehre. Der amtierende Europameister Richard Vogel, der für den Reiter-Verein Mannheim reitet, war am Samstag für das Turnier nach Bietigheim gereist. Mit seinem achtjährigen Pferd Dollar Girl gab er gleich in seinem ersten Wettbewerb einen Eindruck seines Könnens. Spielerisch leicht bewältigte die Stute mit ihrem Reiter alle Hindernisse. Anschließend verschwanden beide gleich wieder auf den Abreiteplatz, um sich auf den nächsten Durchlauf vorzubereiten.
Richard Vogel war übrigens nicht zum ersten Mal in Bietigheim. „Schon 2019 war er als ganz junger Reiter bei der U25-Prüfung hier“, so Gabriele Hubl. Wie es wohl kommt, dass er nun auch als Profi gern wieder nach Bietigheim gereist ist? Hubl spricht sicher all denen aus dem Herzen, die in Bietigheim alljährlich allen Schaustellern, Verkäufern und Sportlern einen herzlichen Empfang bereiten: „Wir wissen halt um die Belange unserer Gäste.“