Pferdehandel in Leonberg Ein Pferd kann auch mal ein Fischauge haben

Von Arnold Einholz 

Anmut,  Grazie und Schönheit will auch richtig in Szene  gesetzt sein. Foto: factum/Granville
Anmut, Grazie und Schönheit will auch richtig in Szene gesetzt sein. Foto: factum/Granville

Nicht alle Händler sind gekommen. Die Richter sehen es gelassen, denn ihnen ist Qualität lieber als Masse.

Leonberg - Große Lücken hat es auf dem Leonberger Marktplatz (Kreis Böblingen) bei den Händlerpferden gegeben. Von den 103 angemeldeten Pferden sind nur etwa 70 den Preisrichtern in der Schloss- und in der Klosterstraße vorgeführt worden. „Es ist immer auch eine Sache des Geldes“, sagt Hans-Erwin Bergold aus Wachenheim. „Es ist billiger mit acht Paar Hufen, als mit acht Pferden anzureisen“, rechnet er vor, wieso er am Morgen nur die Hälfte der angemeldeten Pferde auf den Transporter geladen hat. „Wenn es gut geht, gibt es 30 Euro Preis pro Tier, das zahle ich allein dem Hufschmied, damit er ihnen die Hufe richtet, denn mit ungepflegten Pferden fährt man nicht auf den Markt.“ Hinzu komme, dass in Leonberg eher schauen, als kaufen angesagt sei.

Da hat auf der anderen Seite des Marktes Berthold Nonnenmann aus Pforzheim, der mit 20 Pferden und einigen Eseln angereist war, ganz andere Erfahrungen gemacht. Der führt seine Pferde den Richtern in der Schlossstraße vor. „Dieses Pony geht nach der Präsentation direkt nach Renningen“, verkündet er zufrieden. „Auch dieser rotbraune Ire, und dieser Schwarze geht nach Ditzingen“, ruft eine Helferin, die die Pferde gerade vorbereitet.

Was bitte ist ein Fischauge?

Die Richter Frieder Breining, Christian Ziegler und Wilhelm Gieck, lassen den Rotbraunen im Schritt gehen, dann im Trab die Straße zurückkommen. „Er ist aufmerksam, die Ohren verfolgen alle Umgebungsgeräusche, im Trab zeigt er Losgelassenheit und er ist zutraulich gegenüber dem Vorführer“, erläutert Breining dem zahlreichen Publikum, worauf die Richter bei den Pferden achten. „Auf der rechten Seite hat er ein Fischauge, aber das ist kein Mangel.“ Was bitte ist denn ein Fischauge? Das ist ein für Pferde eher seltenes blaues Auge, erfahren die Zuschauer. „Wir dachten die Eltinger kommen erst später dran, die haben so graues Fell und so lange Ohren“, witzeln die Richter, als ihnen einige Esel vorgeführt werden.

Während in der Schlossstraße „etwas für die Wohnstube“, ein Mini-Shety einläuft, staunen die Zuschauer in der Klosterstraße über ein massives Kaltblut, das den Richtern Helmut Kayser, Eberhard Geiger und Wilhelm Hornauer zur Begutachtung vorgeführt wird. Für Letzteren ist alles ganz neu, denn der neue Leiter des Böblinger Amtes Veterinärdienst und Lebensmittelüberwachung bewertet zum ersten Mal auf dem Leonberger Pferdemarkt. „Wir geben keine Gefälligkeitspreise, wenn aber die Tiere so gut daherkommen, wie die von Robert Maier aus Riedlingen, dann honorieren wir das“, erklärt Helmut Kayser und das Publikum klatscht bei dem gezeigten Westfälischen Apfelschimmel zustimmend Beifall. „Ich füttere meine Pferde selbst und wenn sie nicht schön und gepflegt sind, dann gehe ich nicht gerne in den Stall“, verrät Pferdehändler Robert Maier.

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