Der Weltweihnachtszirkus beugt sich den Tierrechtsaktivisten – und verzichtet auf Pferdenummern. Dabei dient die Aktion weniger den Tieren, sondern mehr den Aktivisten.
Im Zirkus wird den Zuschauern ein Spektakel nach dem anderen präsentiert. Wahrscheinlich fokussieren sich Tierrechtsaktivisten deshalb so sehr auf diese Branche: Die Manege ist eine perfekte Plattform, um sich ins Rampenlicht zu bringen. Beim Stuttgarter Weltweihnachtszirkus haben es zwei Handvoll Aktivisten des Kollektivs Tierbefreiung und der Gruppe Animal Rebellion geschafft, dass die Vorführung künftig ohne Pferde stattfindet. Ist es ein Gewinn für den Tierschutz? Eher nicht. Dieser Sieg ist ein weiteres Beispiel dafür, dass heutzutage derjenige am meisten Aufmerksamkeit bekommt, der sich am stärksten im Recht fühlt und am lautesten schreit. Den Weltweihnachtszirkus besuchen jedes Jahr rund 120 000 Menschen, der Mehrheit wird die Nummer gefallen haben, sonst hätten sie sich keine Eintrittskarte gekauft. Sie zählt zu den Klassikern im Zirkus, weil Pferde für die meisten Betrachter schöne Tiere sind.
Die betroffenen zwei Dutzend Pferde zählen garantiert nicht zu den am meisten geschundenen Kreaturen dieser Welt oder Deutschlands. Zirkuspferde und ihre Besitzer werden vom Tierschutz und Tierärzten besser kontrolliert als die meisten anderen Haus- und Nutztiere und nebenbei noch von Tausenden von Zuschauern. Und sicherlich werden die Pferde weiterhin als Nutztiere eingesetzt, anders lässt sich ihr Dasein kaum finanzieren. Wer große Tiere hält, muss in der Regel Geld damit verdienen oder sehr wohlhabend sein. Vor allem für die Aktivisten ist ihr Ausschluss aus der Show deshalb ein Gewinn – an Öffentlichkeit. Es handelt sich um puren Populismus und meisterhaftes Marketing, um eine Show in eigener Sache!
Vor Discountern oder Fast Food-Ketten, die auf Billigfleisch setzen, sind solche Demonstrationen dagegen selten, weil sie viel weniger Wirkung zeigen. Warum? Es ist einfacher, einen einzelnen Menschen und seine Arbeit herauszugreifen, als gleich das große Ganze anzugreifen. Dass sich jeder ungeprüft ein Haustier zulegen darf, wird von Organisationen wie Peta schließlich auch nicht mit spektakulären Aktionen hinterfragt. Denn grade aus diesen Kreisen erhält der Tierschutz die größte Unterstützung. Medienwirksam die Pferdedompteurin im Zirkus zu kritisieren, kostet sie dagegen nichts, den Betroffenen womöglich die Existenz.
Weder fair noch wirkungsvoll für den Tierschutz
Dass in der Großstadt Stuttgart, die manche als Asphaltwüste bezeichnen, rund 15 000 Hunde gehalten werden, hat für die Rehe im Kräherwald übrigens auch sehr stressige Folgen: Laut einem Förster erleben sie die tägliche Treibjagd. Die Wohlstandsgesellschaft ist nicht gut für Flora und Fauna, das dürfte unbestritten sein. Es gibt unendlich viel zu verbessern. Tieren wird massenhaft Leid zugefügt und damit massenhaft Geld verdient. Sich auf eine Zirkusnummer zu konzentrieren, ist angesichts dessen weder fair noch wirklich wirkungsvoll für den Tierschutz.