Friederike Strauss und Moritz Twele im Gemeindezentrum auf der Diezenhalde Foto: privat

Friederike Strauss und Moritz Twele verlassen die Böblinger Diezenhalde. Das evangelische Pfarrer-Ehepaar hat dort 17 Jahre gewirkt. In Ulm widmen sie sich neuen Aufgaben – beruflich neuerdings getrennt.

Für das Pfarrer-Paar stehen mehrere große Veränderungen bevor. Zunächst der Abschied von der Böblinger Diezenhalde. Friederike Strauss und Moritz Twele haben dort 17 Jahre lang die evangelische Christusgemeinde geleitet. „Es zerreißt uns schier“, sagt Twele, „man wächst über so lange Zeit mit der Gemeinde, den Menschen und ihren Familien zusammen.“ Es seien wichtige Beziehungen entstanden, man teile Freud und Leid.

 

Die Eheleute müssen sich umgewöhnen

Dann: Eine neue Stadt, zwei neue Stellen. Das kinderlose Paar zieht im Juni nach Ulm. Friederike Strauss wird geschäftsführende Krankenhauspfarrerin am Uniklinikum Eselsberg, hat dann drei weitere evangelische und drei katholische Kolleginnen und Kollegen um sich. „Ich habe großen Respekt vor der Aufgabe“, sagt die 53-Jährige. Von der bunten, vielseitigen Gemeindearbeit wechselt Strauss hin zur intensiven Krankenhausseelsorge, betont aber: „Das liegt mir. Ich bringe die notwendige Wärme mit, um Menschen in Krisensituation zu begleiten.“ Nicht von ungefähr hatten sowohl Strauss als auch Twele bereits Sonderausbildungen in der Klinikseelsorge absolviert, ehe es sie 2006 gemeinsam nach Böblingen verschlug.

Moritz Twele wiederum wird zweiter Pfarrer in der Martin-Luther-Gemeinde in der Ulmer Weststadt – wohlgemerkt nicht geschäftsführender. „Das war ganz bewusst“, sagt er. „Ich habe auf der Diezenhalde sehr viele Verwaltungsaufgaben machen müssen – das ist zwar okay, erfüllt mich aber nicht.“ Er wolle wieder mehr Zeit für wichtigere Inhalte haben, darunter einen erweiterten Schulauftrag. In Zukunft unterrichtet Twele acht anstatt bisher zwei Schulstunden.

Die Arbeit war immer daheim

Die dritte Veränderung betrifft das Paar persönlich. Nach 17 Jahren werden sie nicht mehr direkt zusammenarbeiten – mit allen Vor- und Nachteilen. „Das ist schon eine Umstellung“, sagt Strauss. Und ihr Mann ergänzt: „Zwischen uns als Pfarrer herrscht ein blindes Verständnis, wir konnten zudem die schönen Erlebnisse in der Gemeinde direkt teilen.“ Das wird jetzt ein Stück weit fehlen, dafür sind Beruf und Privates klarer getrennt. „Zuletzt war das immer gemischt, wir hatten die Arbeit stets im Haus“, sagt Friederike Strauss, „das kann auch schwierig sein.“ Nun ziehen zwar beide gemeinsam ins Klinikpfarramt am Eselsberg, gehen morgens aber getrennte Wege.

Auf der Diezenhalde hatten die beiden eine intensive Zeit. „Mit unglaublich engagierten Gemeindegliedern“, lobt Friederike Strauss, „nach der letzten Wahl mussten wir den Kirchengemeinderat sogar vergrößern – das kommt selten vor.“ Den Stadtteil zeichnet ein lebendiges Zentrum mit Grundschule, Stadtteilbibliothek und Jugendtreff samt Grünanlagen aus. Und direkt daneben steht das 1990 eingeweihte Ökumenische Gemeindezentrum, die evangelische Christuskirche und die katholische Vater-Unser-Kirche in einem Komplex vereint – noch dazu in luftiger und einladender Architektur. „Die Ökumene funktioniert hier hervorragend“, wissen die beiden, „ein tolles Miteinander.“

Und doch erfolgt nun der Abschied. Was mit der Situation der Pfarrstellen insgesamt zu tun hat. Anfangs teilten sich Twele/Strauss gemeinsam 150 Prozent Anstellung auf der Diezenhalde, das Sparkonzept „Pfarrplan 2018“ machte daraus 100 Prozent. Um das aufzufangen, übernahm Friederike Strauss vorübergehend offene 50 Prozent an der Christuskirche Sindelfingen. Diese wiederum werden mit dem „Pfarrplan 2024“ gestrichen. „Da das länger klar war, haben wir uns umgeschaut“, berichtet Twele. Und nun zugeschlagen. Denn als Pfarrer-Paar zwei Stellen in einer Stadt zu finden, kommt selten vor.

Die Nachfolge ist frühestens im Sommer fix

Am vergangenen Sonntag wurden Friederike Strauss und Moritz Twele im großen Stil verabschiedet. Rund 250 Gemeindeglieder kam ins Ökumenische Zentrum auf der Diezenhalde. An diesem Sonntag müssen die beiden noch einmal ran: Twele feiert Konfirmation in der Christuskirche, Strauss leitet noch zwei Gottesdienste in Sindelfingen. Dann steht noch etwas Resturlaub an und die Übergabe im Pfarramt. Wobei ein Nachfolger im Talar frühestens im Sommer fix ist.

Für die Zeit auf der Diezenhalde in Böblingen ist das Paar sehr dankbar. „Bei allem Schmerz ist es toll, aus so einer Fülle verabschiedet zu werden“, sagt Twele. Und seine Frau ergänzt: „Für mich fühlt sich das an, als hätte ich eine innere Schatzkiste gefüllt – und die nehme ich mit nach Ulm.“

Evangelische Kirche in Böblingen

Vier Gemeinden
 In Böblingen gibt es vier evangelische Kirchengemeinden: die Stadtkirche auf dem Schlossberg, die Martin-Luther-Kirche, die Paul-Gerhardt-Kirche und die Christuskirche im Ökumenischen Gemeindezentrum auf der Diezenhalde.

Sparpläne
 Wegen Finanznot und Sanierungsbedarf will sich die Böblinger Gesamtkirchengemeinde in nächster Zeit die Raumsituation genauer ansehen und über Strukturänderungen nachdenken. Voraussichtlich wird mindestens eine Kirche aufgegeben, zudem werden Gemeinden zusammengelegt.

Pfarrplan 2030
Die Landeskirche hat zuletzt ein massives Sparprogramm vorgegeben. Bis 2030 sollen rund 30 Prozent der Pfarrstellen wegfallen. Im Kirchenbezirk Böblingen laufen derzeit Verhandlungen. In der Stadt Böblingen bleiben von derzeit 4,5 Stellen voraussichtlich nur drei übrig.