Petra von Olschowski Foto: Martin Lutz, aka

Überraschender Wechsel im Wissenschaftsministerium: Ministerpräsident Winfried Kretschmann ersetzt Staatssekretär Jürgen Walter (Grüne) durch die parteilose Stuttgarter Akademierektorin Petra von Olschowski.

Stuttgart - Sie mag es präzise. Und das am besten sofort. Petra von Olschowski, 1965 in Stuttgart geboren und seit 2010 Rektorin der Kunstakademie auf dem Weißenhof, wird auch in ihrem neuen Amt als Staatssekre­tärin im Ministerium für Wissenschaft, ­Forschung und Kunst keinen Gang zurückschalten.

Von Olschowski folgt auf Jürgen Walter (Grüne). Bei der Landtagswahl am 13. März holte er in Ludwigsburg souverän das ­Direktmandat, und niemand hätte wohl dagegen gesprochen, dass Walter, bis 2011 kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, weiterhin als Staatssekretär im Wissenschaftsministerium wirkt. Theresia Bauer (Grüne) als Ministerin, inzwischen wiederholt zur Hochschulministerin des Jahres gewählt, und Jürgen Walter als Staatssekretär mit einem thematischen Schwergewicht auf Kunst und Kultur – wirkliche Zweifel konnte es an dieser Konstellation nicht geben. „Ich hätte gerne weitergemacht“, sagte Jürgen Walter denn auch am Montagabend.

Von Olschowski soll Kunst-Ministerium noch mehr Gewicht verleihen

Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat anders entschieden. Die Kunstwissenschaftlerin Petra von Olschowski folgt seinem direkten Ruf. Was Kretschmann sich erhofft, ist klar: Von Olschowski soll in ihrer Art der sorgfältigen Bearbeitung und sehr deutlichen Platzierung eines Themas dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst noch mehr Gewicht verleihen. Kaufmännische Ausbildung, Hochschulstudium, Verlagserfahrung (HatjeCantz), ­Redaktionserfahrung (bei der „Stuttgarter Zeitung“), Geschäftsführung (der Kunststiftung Baden-Württemberg) und erste Frau im Amt der Rektorin der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit ihren Verbindungs- wie Gegenkräften aus den angewandten Fachbereichen ­Gestaltung und Architektur und der Freien Kunst: Petra von Olschowski ist nahezu überall zu Hause. Entsprechendes Gewicht hatte bisher schon ihr Wort. Als Hochschulrektorin verwies sie etwa immer wieder auf die Folgen diverser Lehrplanreformen in den Schulen. „Die Verkürzung der Schulzeit hat zur Reduzierung der musischen Fächer geführt, was den Zugang von Abiturienten zu Studienfächern wie bildender Kunst, ­Design oder Architektur deutlich erschwert“, sagte von Olschowski etwa als Gast in der Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung.

Dialog als Methode, Entscheidung als Ziel – Petra von Olschowski, seit Jahren mit dem vor allem für seine Dengler-Krimis bekannten Autor Wolfgang Schorlau verbunden, ist eine Teamspielerin, für die es vor allem eines nicht gibt: Wegducken. „Vielleicht“, sagte von Olschowski einmal, „sehen Frauen, dass es gar keinen Schlüssel gibt, mit dem die bestehenden Karriereräume für Frauen geöffnet werden können. Stattdessen könnten Frauen selbst neue Räume entwickeln: mit hohen Decken und offenen Türen. Für die Kunst könnte dies nur ein Gewinn sein.“ Den Beweis kann Petra von Olschowski nun erneut antreten.

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