Mehr Bilder vom Handball-Bundesligisten gibt's hier. Foto: Baumann

Der Frisch-Auf-Trainer Velimir Petkovic spricht vor dem Saisonstart über seine Philosophie.

Göppingen - Das Team ist eingespielt. Die Euphorie groß. Vor dem Saisonstart von Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen gegen den HSV Hamburg (Samstag, 20.15 Uhr/EWS-Arena) passt nur der Vertragspoker mit Velimir Petkovic nicht ins Bild. "Mir geht es nicht ums Geld", stellt der Frisch-Auf-Trainer klar.

Herr Petkovic, Sie gehen in Ihr siebtes Jahr in Göppingen. Könnte es Ihr letztes sein?

Alles ist möglich. Wir sind weiter im Dialog.

Die Verhandlungen über die Verlängerung Ihres 2011 auslaufenden Vertrags ziehen sich seit vielen Wochen hin. Warum?

Mir geht es jedenfalls nicht ums Geld.

Sondern um die Laufzeit.

Ja. Ich möchte nicht jedes Jahr nur um ein Jahr verlängern. Meine Frau und ich fühlen uns in Göppingen wohl und könnten uns durchaus vorstellen, hier sesshaft zu werden.

Der Sport ist ein schnelllebiges Geschäft.

Ich bin lange genug dabei, um das zu wissen. Es geht auch nicht um einen Rentenvertrag. Ich will mich nicht in Sicherheit wiegen.

Und wenn es doch nicht so läuft wie geplant?

Dann bin ich der Letzte, der an seinem Stuhl klebt. Das habe ich den Verantwortlichen auch klar gesagt. Wir kennen uns seit sieben Jahren, das gegenseitige Vertrauen ist groß.

"Ich weiß über mein Netzwerk innerhalb einer Stunde, welcher Job in Europa frei ist"

  Haben Sie Alternativen zu Frisch Auf?

Kontakte gibt es immer. Ich weiß über mein Netzwerk innerhalb einer Stunde, welcher Job in Europa frei ist.

Ihre Arbeit wird bundesweit geschätzt. Reizt es Sie nicht, bei einem ganz großen Club zu arbeiten?

Welcher Trainer träumt nicht davon, einmal Ciudad Real, den FC Barcelona, den THW Kiel oder den HSV Hamburg zu trainieren. Doch ich bin Realist und schaue auch, was das Beste für meine Familie ist. Das Urteil der Fachleute macht mich stolz und gibt mir einen Schub für meine Arbeit.

In Göppingen reden Ihnen wenige in Ihre Arbeit rein - ein Vorteil?

Ich bin ein erfahrener Trainer, in Gerd Hofele haben wir einen ehemaligen Zweitligaspieler als Geschäftsführer. Warum sollten wir Geld opfern für einen sportlichen Leiter? Dafür können wir einen Spieler finanzieren. Die kurzen Entscheidungswege sind sicher kein Nachteil.

Und am Ende entscheiden Sie?

Es war schon zu lesen, ich sei ein Diktator. Das geht in der heutigen Zeit in Deutschland gar nicht. Ich habe eine klare Linie, ja. Ich treffe aber keine Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Ich rede mit allen, analysiere danach in Ruhe und kämpfe dann voller Leidenschaft für meine Meinung.

Von allen Fußball-Trainern schätzen Sie Felix Magath am meisten.

Ja, seine Art schätze ich sehr. Er ist kompromisslos. Er verfolgt ein Ziel, und wer nicht mitzieht, ist weg. Wenn dich alle Spieler im Kader küssen, machst du etwas falsch.

"Wir sind eine eingespielte Truppe"

  Was müssen Sie richtig machen, um Ihr Saisonziel Platz fünf bis sechs zu erreichen?

Wir sind eine eingespielte Truppe, und wir haben in Abwehrchef Dalibor Anusic und dem Toptalent Max Schubert zwei richtig Gute dazubekommen. Diesen Riesenvorteil müssen wir nutzen. Und wir müssen mit unserer mentalen Stärke wieder die knappen Spiele für uns entscheiden.

Das Auftaktprogramm hat es im Gegensatz zu den vergangenen zwei Jahren in sich.

Es kommt knüppeldick. Aber mir ist es lieber, ich bin im Dezember Sechster und am Saisonende Dritter als andersrum.

Dann wären Sie ja in der Champions League.

Wir können jeden Gegner schlagen. Aber Stand heute von der Königsklasse zu reden wäre sicher nicht realistisch. Aber mit einem um eine Million höheren Etat und einer guten Strategie sieht es anders aus.

Wer wird Meister?

Der eingespielte HSV mit Neuzugang Mimi Kraus hat sehr gut Chancen, dem THW Kiel den Titel zu entreißen.

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