Der interkommunale Windpark zwischen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen soll in Bürgerhand verwirklicht werden. Das wünscht sich eine neue Initiative, die deshalb eine Petition gestartet hat. Was sie damit genau erreichen will.
Entsteht zwischen B 464 und Maurener Tal ein interkommunaler Windpark? Wenn ja, dann in Bürgerhand, fordert eine neue Initiative und hat deshalb eine Petition gestartet. Sie soll zeigen, wie groß das Interesse an einer genossenschaftlichen Lösung wäre und Energiegenossenschaften signalisieren: Es könnte sich für euch lohnen, an der aktuell laufenden Ausschreibung für den Windpark teilzunehmen.
Bürger aus Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen haben die Initiative ins Leben gerufen. Auf den Gemarkungen dieser drei Kommunen liegt die Fläche BB-14, die voraussichtlich als Vorranggebiet für Windkraft und damit für einen möglichen Windpark ausgewiesen wird. Die Petition läuft seit 18. Juni auf der Plattform Open Petition und ist unter www.openpetition.de/BB14 zu finden. Sie endet am 30. Juni.
Ob sich danach eine lokale Bürgerenergiegenossenschaft bildet, ist zwar noch offen. Der Ort, an dem die Initiatoren der Petition über ihre Forderungen sprechen, vermittelt aber schon den passenden Gründergeist: das AI Xpress in Böblingen. Dort sitzen Karl-Heinz Rau, Koordinator der Ortsgruppe Omas-for-Future Böblingen-Sindelfingen, Harald Grumser, Initiator des Start-up-Zentrums AI Xpress, Harald Bürkle, Grünen-Gemeinderat aus Ehningen, Heinz Renz aus Holzgerlingen, den Rau als „Ewigkeitskämpfer“ für Klima- und Naturschutz bezeichnet und Christoph Hipp aus Böblingen, der sich bei der Pro-Windkraft-Initiative Windkraft Böblingen engagiert.
Energiegenossenschaften brauchen Signal
Sie sind überzeugt, dass ein Windpark in Bürgerhand die beste Option wäre. Beim Treffen mit einer baden-württembergischen Energiegenossenschaft hätten sie jedoch festgestellt: Es herrscht Unsicherheit. Denn die Bewerbungsanforderungen sind hoch. Der Ausschreibungstext ist zwar nicht öffentlich, die Kriterien, die eine Vergabegruppe festgelegt hat, hingegen schon. So sollen Bewerber beispielsweise bereits bei der Abgabe eines Angebots die geplante Zuwegung zu den Windrädern angeben. Interessenten müssen also schon vorab tief in die Planung einsteigen und viel Geld ausgeben, auf die Gefahr hin, es „umsonst“ getan zu haben.
Die Genossenschaft, mit der die Gruppe gesprochen hat, wäre offenbar grundsätzlich bereit, sich zu bewerben. „Aber sie braucht ein klares Signal“, sagt Grumser. Daher die Petition und die kurze Laufzeit. Denn die Ausschreibungsfrist endet am 24. Juli, das Signal muss also vorher kommen. Fällt die Beteiligung entsprechend hoch aus, wäre das laut Initiative ein Zeichen: Dass die Bewerbung nicht nur von dieser, sondern von Energiegenossenschaften im Allgemeinen, erwünscht ist und es eine signifikante Zahl an Bürgern gibt, die bereit wären, sich an einer genossenschaftlichen Lösung zu beteiligen – ab einer Summe von 100 Euro, so zu lesen im Petitionstext. Die Unterschriftenzahl soll aber auch den Gemeinderäte der drei Kommunen zeigen, wie groß die Unterstützung eines solchen Windparkmodells wäre. Außerdem fordert die Initiative die Kommunen dazu auf, beim Pachtzins Zurückhaltung zu üben, damit ein gemeinnützig betriebener Windpark eine Chance hätte.
Warum die Initiative ein genossenschaftliches Modell will
Rau hat den Eindruck, dass „diejenigen, die beim Windpark Unsicherheiten sehen, sehr aktiv sind und viel Aufmerksamt bekommen.“ Die Windkraftbefürworter seien hingegen eher still. Diese Gruppe will er mit der Petition offenbar sichtbarer machen und zugleich Skeptiker ansprechen. „Wenn wir mehr Bürger für einen Windpark gewinnen wollen, dann muss ein Konzept dahinter stehen“, meint er. Eben ein genossenschaftliches, weil man da Mitspracherecht habe und gemeinwohlorientiert gearbeitet werde.
„Wenn ich selbst beteiligt bin, kann ich Einfluss nehmen, was bei der Planung gemacht wird“, sagt Rau. „Auch darauf, wie es nach dem Laufzeitende des Pachtvertrags weitergeht“, merkt Grumser an, der befürchtet, dass Windparks in kommerzieller Hand schnell zu Spekulationsobjekten werden könnten. „Energiegenossenschaften schauen eben nicht nur nach dem Profit, sondern beispielsweise auch nach dem Umweltschutz“, meint er. Trotzdem könnte die Rendite in „einer interessanten Größenordnung“ liegen.
Quorum von 800 Unterschriften
Für Rau spielen weniger die möglichen Renditen als vielmehr der Beitrag zur Klimaneutralität eine Rolle. „Wir haben hier ein Menschheitsproblem: Den Klimawandel und da muss jeder etwas machen.“Christoph Hipp geht es um die Stärkung des Zusammenhalts vor Ort, weil man etwas gemeinsam tut. Und: „Energie wird eines der wichtigsten Themen der Zukunft. Es ist eine Sicherheit für die Leute, dass sie die Energie direkt vor Ort haben.“
Wie sieht es nun aber mit einer eigenen Genossenschaft aus? Die Gruppe könnte sich durchaus vorstellen, eine zu gründen. Die Bewerbung auf die Ausschreibung will sie aber anderen mit Erfahrung überlassen. Sollte eine Energiegenossenschaft den Zuschlag erhalten, bestünde die Möglichkeit sich unter ihrem Dach als eigene Genossenschaft beim Windpark einzubringen, erklärt Grumser. Nun gilt es für die Initiative aber zunächst das selbst gesetzte Quorum von 800 Unterschriften zu erreichen. Stand Donnerstagmittag haben 253 unterzeichnet.
Interkommunaler Windpark
Möglicher Windpark
Die Kommunen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen planen einen gemeinsamen Windpark. Infrage kommt die 179 Hektar große Fläche BB-14 zwischen B 464 und Maurener Tal, auf der maximal sechs Windräder stehen sollen.
Verfahren
Aktuell läuft ein Ausschreibungsverfahren auf das sich Windparkprojektierer bewerben können. Die Entscheidung, ob und an wen die Fläche verpachtet wird, treffen die Gemeinderäte der drei Kommunen. Bevor sie das tun, ist eine große Infoveranstaltung – voraussichtlich Anfang 2025 – geplant. Weitere Infos gibt es auf der Homepage: www.windenergie-bb14.de