Der Protest der Stand-up-Paddler gegen ein weitgehendes Verbot ihres Hobbys auf der Enz im Landkreis Ludwigsburg zieht Kreise. Eine Petition findet rund 2600 Unterstützer.
Immer mehr Menschen schließen sich dem Protest von Stand-up-Paddlern gegen ein weitgehendes SUP-Verbot auf der Enz im Landkreis Ludwigsburg an. Bis Donnerstagmittag unterzeichneten rund 2600 Personen eine Online-Petition mit dem Ziel, die neue Enz-Verordnung des Landratsamtes zu stoppen.
Die Ludwigsburger Behörde hatte die Verordnung Ende August in Kraft gesetzt: Die Tier- und Pflanzenwelt an dem Fluss zwischen Vaihingen/Enz und Bietigheim soll vom 1. März bis zum 30. September geschützt werden. Das Stehpaddeln ist dann nur noch in zwei stadtnahen Zonen erlaubt. Gegen diese strikte Vorgabe regte sich sofort Widerstand. In der ersten Woche der Petition unterschrieben rund 1000 Gegner.
Wie verantwortbar ist SUP auf der Enz?
Sie sei für den Arten- und Naturschutz, teilt die Darja Daut-Wolf mit. Die Bietigheimerin organisiert die Petition und hält verantwortetes Stand-up-Paddling in der Natur für möglich. Es müsse nur aufgeklärt werden – die Belastung durch Lärm und anderes ungebührliches Freizeitverhalten sei höher.
Auf Aufklärung setzt Anna Bröll, Geschäftsführerin der Zugvögel, die auf der Enz nicht nur Kanus verleiht und Führungen anbietet, sondern auch SUP-Bretter. „Uns haben sehr viele Rückmeldungen erreicht.“ Nur Schilder und Flyer reichten nicht aus, es müsse auch persönliche Gespräche geben. Aber die führten in der Regel ihre Mitarbeiter. Es sollte da noch mal Gespräche mit dem Landratsamt geben. Bröll würde mit Online-Tickets den Andrang kanalisieren, vor allem an heißen Juli-Wochenenden, „wenn alle Lust haben zu baden“.
Behörde beruft sich auf eine Studie
Zweifel hegen Anna Bröll und andere Gegner der Enz-Verordnung an der Wissenschaftlichkeit des Verbots. Laut Landratsamt schreckten SUP-Nutzer durch ihr Stehen Tiere am Ufer in hohem Maße auf. Das Amt beruft sich auf eine Studie aus dem Jahr 2018: „Stand-up-Paddling (SUP): Eine neue Trendsportart als Problem für überwinternde und rastende Wasservögel?“ Behörden-Sprecher Andreas Fritz: „Es zeigt sich, das SUPs zu verstärkten Fluchtreaktionen der Vögel führt.“ Ein Ticketsystem lehne das Landratsamt ab. Das sei „weder praktikabel noch zielführend“. Die Behörde und die Stadt Bietigheim-Bissingen kontrollierten – und klärten auf. Zwei ehrenamtliche Enzbeauftragte gaben 2006 nach kurzer Zeit auf.