Alison und Peter W. Klein. Foto: Kunstwerk

Viel wird über die Bedeutung von Kunst in der Gesellschaft diskutiert. Unter dem Titel „Über Kunst“ präsentieren die Stuttgarter Nachrichten hierzu eine eigene Veranstaltungsreihe in der Galerie Klaus Gerrit Friese in Stuttgart. Nächster Gast ist am Dienstag, 9. Dezember der Unternehmer und Kunstsammler Peter W. Klein.

Stuttgart - Herr Klein, „Welten träumen“ heißt die ­aktuelle Ausstellung in ihrem 2008 in ­Nussdorf eröffneten Museum Kunstwerk. Das „Mystische und Geheimnisvolle“, von dem Sie einmal gesprochen haben, bleibt Programm?
In jedem Fall sind es Themen, die meine Frau und mich weiter interessieren. Vor ­allem. weil die Kunst doch gerade das ­Geheimnisvolle immer wieder neu erkundet.
Auffällig ist in dieser Ausstellung wie auch für Ihre Sammlung insgesamt das in der aktuellen Kunstszene eher untypische Nebeneinander der Werke von sehr unterschiedlich bewerteten Künstlerinnen und Künstlern.
Was meinen Sie?
„Welten träumen“ präsentiert etwa Arbeiten einer intensiv diskutierten Künstlerin wie Brigitte Waldach und eines dem „Betriebssystem Kunst“ eher distanziert begegnenden Künstlers wie Moritz Baumgartl.
Mal abgesehen davon, dass solche Einordnungen immer problematisch sind: Das ist ja genau der Trick und das Wunderbare an unserer Sammlung – und auch das, was uns als Privatsammler von öffentlichen Sammlungen unterscheidet. Wir können sammeln, was wir wollen, und das zeigen wir auch. Wie zum Beispiel die Bilder des Stuttgarter ­Malers Moritz Baumgartl.
Sie interessiert . . .
. . . einerseits das Handwerkliche. Aber das ist natürlich nur der Beginn. Bei Baumgartl gibt es in den Bilderm, die uns interessieren, dieses Schwer Erklärbare, ja eigentlich etwas Abgründiges. Für mich und meine Frau muss die Kunst etwas aussagen wollen, eine soziale oder gesellschaftspolitische Komponente haben.
Das ist bei Brigitte Waldach der Fall?
Unbedingt. Wir sehen ein Triptychon, ein dreiteiliges Bild, das einen Sternenhimmel zeigt. Dann wird deutlich, dass es die ­Sternenkonstellation in der Nacht des 9. Mai 1976 ist, die Nacht, in der sich Ulrike ­Meinhof im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim das Leben genommen hat. Wir sind noch einmal neu mit den Stunden vor ihrem Tod konfrontiert – und mit vielen ungelösten Fragen ihrer Biografie bis hin zu ihrer Beteiligung an Terrorismus und Mord. Brigitte Waldachs Tafeln erzählen von all diesem und ziehen uns bei genauerer ­Betrachtung immer weiter in all diese ­Fragen hinein. Auch hier also ist das Abgründige da – selbstverständlich und geheimnisvoll.
Ihr Interesse für Kunst mit Fotografie bestimmte in den Jahren 2008 bis 2010 wesentlich die Dialoge über Ihre Sammlung. „Welten träumen“ geht andere Pfade, zeigt aber zum Beispiel Werke von Jerry Uelsmann. Die Kunst mit Fotografie bleibt ein Thema?
Unbedingt. Umso mehr, wenn, wie im Fall von Uelsmann der Künstler die ganze jüngere technische Entwicklungsgeschichte mit thematisiert und problematisiert. Wirklichkeit und Unwirklichkeit entstehen nicht am Rechner, sondern in der Dunkelkammer. Verändert schon dies etwas? Und was ist das eigentlich für eine Realität, wenn wir etwa ein Schiff sehen – um auf den zweiten blick zu sehen und zu verstehen, dass die Umgebung überhaupt nicht zu diesem Schiff ­gehören kann. Das schafft Unsicherheit.
80 Kilometer vor New York City haben Sie 2007 einen alten Landsitz erworben und 2010 als Hotelanlage eröffnet. Auch dort gibt es viel Kunst, man entdeckt aber ganz andere Künstlernamen – international erstrangig. Ist das nicht ein Widerspruch zu Ihrer Sammlungsarbeit?
Das kann so wirken und ist es vielleicht auch. Tatsächlich war die Aufgabe dort eine ganz andere. Es ging darum, eine Identität zu schaffen und diese auch über die Kunst zu bestätigen. Ich halte das sehr klar auseinander.
Sie haben sich zu einer Zeit für eine eigene Bühne der Sammlungspräsentation entschieden, als insgesamt viele Privatsammler Wege in die Öffentlichkeit suchten. Wie sehen Sie heute Ihre Entscheidung für das Kunstwerk in Nussdorf?
Wir sind sehr glücklich mit dieser Entscheidung. Nicht nur, weil sie nach den vielen Jahren als von Nussdorf aus agierende Unternehmer in gewisser Weise folgerichtig war. Unser Anliegen war es, den Menschen hier in der Region die Begegnung mit Gegenwartskunst zu ermöglichen. Sie können entgegnen, entsprechende Angebote gäbe es in Stuttgart. Aber schauen Sie, man darf die Wirkung etwa der Staatsgalerie schon als Ort und in seiner Wirkung nicht unterschätzen. Bei uns kommen die Menschen gerne. Und schauen Sie, wir haben so viele Schulen hier. Mit all denen haben wir Kontakt. Ich glaube schon, dass man sagen kann, dass das Kunstwerk eine echte Bereicherung für die Region ist. Und dann kommt noch etwas dazu. Die Leute sind auch stolz, dass es so etwas hier gibt und dass sie daran teilhaben können.
Und wie sehen Sie den Dialog mit öffentlichen Museen?
Diese Häuser sind ungemein wichtig und man muss sie unterstützen. Ich glaube, dass es künftig sehr selbstverständliche Dialoge zwischen Privatsammlern und öffentlichen Museen geben wird. Eines ist klar: Für Künstlerinnen und Künstler geht es immer um die Ausstellung in einem öffentlichen Museum. Das ist wie ein Ritterschlag.
 
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